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"Kein Grund zum Frohlocken"

"Kein Grund zum Frohlocken"

Vorerst keine Integrierte Gesamtschule in Hillesheim und Jünkerath (IGS, der TV berichtete): Während die IGS-Befürworter am Vorhaben festhalten und weitere Überzeugungsarbeit leisten wollen, wird in der Nachbarverbandsgemeinde Gerolstein, wo sich die CDU-Ratsmehrheit gegen diese Pläne ausgesprochen hatte, das "Nein" aus Mainz jubelfrei zur Kenntnis genommen.

Gerolstein/Hillesheim/Jünkerath. Sie jubeln nicht: Auch wenn sich vor allem die CDU in der Verbandsgemeinde (VG) Gerolstein im Frühjahr gegen eine gemeinsame IGS in Hillesheim und Jünkerath ausgesprochen hatte, scheint die Entscheidung des Bildungsministeriums keine (Schaden-)Freude auszulösen. "Das ist kein Grund zum Frohlocken", sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende Klaus Schildgen im Gespräch mit dem TV.

Lehrer sehen sich als Sündenböcke



Der Rat hatte eine IGS in den Nachbar-Kommunen abgelehnt, zugleich aber eine Realschule plus an beiden Orten und in Gerolstein befürwortet. Andernfalls entstehe eine "Wettbewerbsverzerrung", mit der die Regionale Schule und das Gymnasium in Gerolstein geschwächt würden.

Jetzt ist davon keine Rede mehr: "Wir sind ja inzwischen einen Schritt weiter", sagt Schildgen. "Die Realschule plus wird in Gerolstein umgesetzt. Und das ist dann schon eine gute Ausgangsposition." Eine Gefährdung des Schulstandorts Gerolstein sehe er deshalb nicht mehr, auch wenn es vielleicht mit einem Jahr Verzögerung dann doch zu einer "dislozierten" (auf zwei Standorte aufgeteilten) IGS in Hillesheim und Jünkerath komme.

Zusätzliches Argument pro Gerolstein: Die Realschule plus will ab August 2010 eine Ganztagsschule in Angebotsform anbieten.

Landrat Heinz Onnertz, ein Befürworter der gemeinsamen Schule in Hillesheim und Jünkerath, zeigt sich zuversichtlich, "dass wir zum übernächsten Schuljahr eine dislozierte IGS installieren werden können". Zumal in den Lehrerkollegien in Hillesheim und Jünkerath, die sich gegen diese Lösung ausgesprochen hatten, dennoch Meinungsvielfalt herrsche. Und bei den Gegnern werde man noch Überzeugungsarbeit leisten.

"Wir könnten eine neue Schule entwickeln. Das wäre eine Riesenchance für unsere Region", sagt die Hillesheimer VG-Bürgermeisterin Heike Bohn, die wie ihr Kollege Werner Arenz (VG Obere Kyll) die gemeinsame Gesamtschule als einzige Chance für die Erhaltung beider Standorte sieht. Trotz des Neins aus dem Ministerium in Mainz hat der VG-Rat Hillesheim daher zur Bekräftigung seiner Position aktuell beschlossen, an der IGS festhalten zu wollen.

Zudem setzt Bohn auf weitere Gespräche mit den Lehrern: "Wir müssen jetzt das Jahr nutzen und schauen, wo es hakt. Und dann ein Konzept entwickeln, wie wir mit der veränderten Schulstruktur umgehen. Das müssen wir so früh wie möglich angehen."

"Schade, dass wir ein Jahr verlieren"



Dennoch macht sie auch aus ihrem Ärger keinen Hehl: "Es ist schade, dass wir jetzt ein Jahr verlieren. Ich bin alles andere als froh mit der Situation." Als "Grund" für die Ablehnung des Ministeriums nennt Bohn, "dass zwei Kollegien der drei betroffenen Schulen sich gegen die IGS ausgesprochen haben" - die von der Regionalen Schule Jünkerath und von der Realschule Hillesheim. Die Lehrerschaft der Hauptschule Hillesheim hat bereits früh dafür gestimmt, weil sie die Existenz ihrer Schule akut bedroht und in der IGS die Rettung sieht.

Herbert Mastiaux, Schulabteilungsleiter im Hillesheimer Rathaus, sagt: "Wir sollten dem Realschulkollegium zu verstehen geben, dass es den Ast absägt, auf dem es sitzt."

Vor allem die Pädagogen an der Realschule Hillesheim sehen sich indessen zu Unrecht als Sündenböcke abgestempelt. "Jetzt wird auf das Kollegium eingedroschen", sagt Lehrer Bernhard Fuchs, selbst ein IGS-Befürworter - ob diese nun in Hillesheim alleine oder in der Kombination beider Standorte verwirklicht werde. "Und das hat das Kollegium nicht verdient."