Kein Kindlein kommt mehr

Das tut weh: Im St.-Joseph-Krankenhaus Prüm werden von jetzt an keine Kinder mehr zur Welt kommen. Die Geburtshilfe ist diese Woche eingestellt worden, wie die Trägergesellschaft mitteilte. Die Zahlen gaben es nicht mehr her.

Prüm. Das war's: keine nervösen Papis mehr, kein fröhliches Familiengewusel, keine Blümchen für das junge Glück. Der Klapper-storch kann das St.-Joseph-Krankenhaus Prüm von seiner Route streichen. Denn: keine Kinder mehr. Die Geburten-Abteilung ist diese Woche geschlossen worden.So traurig die Nachricht, so absehbar offenbar die Entscheidung der Caritas-Trägergesellschaft West (ctw) in Düren: Denn die Geburtenzahlen in Prüm, sagt der kaufmännische Direktor des Krankenhauses, Uwe Szymanski, seien in den vergangenen Jahren "ganz deutlich rückläufig" gewesen. In diesem Jahr seien bisher etwa 50 Babys auf der Station geboren worden. In den 60er Jahren, erinnert sich Ursula Hansen, Vorsitzende des Krankenhaus-Fördervereins und selbst Ärztin, seien es noch etwa 350 gewesen. Und im Jahr 2006 kamen in Prüm immerhin noch 190 Kinder zur Welt.Der Frauenarzt macht weiter

"Vor diesem Hintergrund", sagt Szymanski, "mussten wir diesen Bereich schließen." Zumal man angesichts der Zahlen auch immer größere Probleme bekam, neben Leonhard Wagner einen zweiten Arzt für die Abteilung zu finden. Wagner unterdessen betreibt seine gynäkologische Praxis im Krankenhaus weiter: "Da ändert sich nichts", sagt er. "Schwangere wie Nichtschwangere werden weiter auch stationär behandelt."Wer aber künftig ein Kind bekommt, wird es woanders zur Welt bringen müssen: in Bitburg, Daun, Mechernich - vielleicht ja auch in St. Vith in Belgien.Vor einigen Jahren schloss bereits die Geburtshilfe-Abteilung in Gerolstein: Danach, sagt Ursula Hansen, habe sie zunächst darauf gehofft, "es gäbe hier noch mal einen Aufschwung. Aber offenbar hat davon vor allem Bitburg profitiert."Das Ganze sei schlicht "jammerschade". Aber, ergänzt sie, "es hat sich eben so entwickelt. Weil es auch nicht mehr entsprechend in Anspruch genommen wurde." Klar gebe es kaum Schöneres als eine florierende Wochenstation. "Aber wenn sie nicht floriert, was soll man da machen?"Der eine, bekannte Grund für die Schließung ist die demografische Entwicklung - es kommen deutlich weniger Kinder zur Welt als noch in den geburtenstarken 60ern. Und auf dem Land macht sich das besonders bemerkbar. Es ist aber nicht der einzige: "Kinder kriegen war früher eine ganz normale Sache", sagt Ursula Hansen. Heute sei aber auch das in hohem Maß "medikalisiert" worden - die vielen Voruntersuchungen und Tests, die es mittlerweile gebe - das sei auch alles gut: "Aber so sind wir Menschen ja: Wir treiben es dann ins andere Extrem." Dann lieber ins Klinikum

Und das bedeute: Viele vertrauen auch bei der Geburt ihres Kindes eher den großen, umfassend ausgestatteten Häusern, die auch gleich eine Kinderklinik haben. Und fahren gleich bis nach Trier.Eine Entwicklung, die auch die Prümer Frauenärztin Anna Zwerenz bestätigt. Auch wenn sie sagt, dass werdende Mütter in Prüm immer gut aufgehoben gewesen seien. Aber St. Joseph habe da das gleiche Problem wie andere kleinere Hospitäler: "Es zeigt sich überall, dass immer mehr Frauen in einem größeren Zentrum entbinden wollen."Und je weniger Geburten in einem Krankenhaus, desto schlechter auch für das Personal: "Wenn die Geburtenzahl abnimmt, ist es ab einem bestimmten Zeitpunkt auch nicht mehr medizinisch zu verantworten", sagt Anna Zwerenz. "Weil die Routine und die Erfahrung nicht mehr ausreichen." Das sei wie bei jedem anderen Eingriff: "Da sollte man da hingehen, wo das öfter gemacht wird."Meinung

RausoperiertAusgerechnet die Geburtshilfe im Prümer Krankenhaus muss eingestellt werden, während für den weiteren und späten Lebensverlauf alles da ist, was der Mensch braucht. Da ist man zwar bei St. Joseph richtig gut, die Nachricht stimmt trotzdem traurig. Denn in Prüm reagiert man auf eine allgemeine Entwicklung. Und entnimmt eine Abteilung, die nicht mehr genügend gebraucht wird, um sie auch finanzieren zu können. f.linden@volksfreund.deExtra

Auch wenn die Geburten-Abteilung geschlossen wird: Die Trägergesellschaft ctw und das Land haben zuletzt kräftig ins Prümer Krankenhaus investiert. Vor drei Jahren baute man an und richtete eine neue Intensivstation ein, für drei Millionen Euro. Chirurgie, Gelenkchirurgie, Geriatrie, Diagnostik: Auch damit punktet Prüm. Und hat sich als eines der ersten Häuser in der Region mit einer Palliativstation einen guten Namen gemacht. Auch wenn jetzt ein Angebot wegfällt - man dürfe nicht denken, warnt Ursula Hansen, woanders sei es besser: "Alle Dinge, die in Prüm möglich sind, sind mit Sicherheit nicht schlechter als in Bitburg", sagt die Ärztin, Fördervereinsvorsitzende und frühere Sozialministerin des Landes. fpl