"Kein Ort darf unversorgt sein"

Nach Vorgabe des neuen Rettungsdienstgesetzes, wonach jeder Ort innerhalb von 15 Minuten erreicht sein muss, besteht im Eifelkreis Handlungsbedarf. Neben Echternacherbrück (der TV berichtete) sollen DRK-Außenstellen in Badem und eventuell in Winterspelt eingerichtet werden.

Professionelle Hilfe in allen Orten: DRK-Rettungsassistent Christoph Lorse (links) und sein Kollege Mario Raskopp versorgen auf diesem gestellten Bild einen Patienten. TV-Foto: Archiv: Manfred Reuter

Bitburg/Prüm. "Die Rechtsprechung hat sich deutlich geändert. Kein Ort darf unversorgt sein." Landrat Roger Graef (CDU) stellte am Montag im Kreistag klar, was die Umsetzung des neuen rheinland-pfälzischen Rettungsdienstgesetzes konkret bedeutet.

Denn nachdem der Rettungsdienst-Standort Echternacherbrück als Dependance von Bitburg schon längst entschieden ist, zeichnet sich nach den Worten des Landrats nun auch Badem als Außenstelle ab. Zusätzlich sei auch Bleialf vorgesehen gewesen; allerdings wären dadurch Welchenhausen und Stupach unversorgt geblieben. Daher habe man zwischenzeitlich den Fokus auf Winterspelt gerichtet. Graefs Fazit: "Es hat sich gelohnt, intensiv zu diskutieren."

Kreis muss sich mit 75 Prozent beteiligen



Die Gesamtkosten für das Einrichten einer DRK-Außenstelle belaufen sich laut Verwaltung auf rund 500 000 Euro. Daran muss sich der Kreis nach den gesetzlichen Bestimmungen mit 75 Prozent beteiligen. Von daher sind im Haushalt 2009, der im Dezember beraten wird, 1 125 000 Euro einzuplanen.

"Wir sind stolz auf unseren Rettungsdienst", betonte Michael Billen (CDU). Nach den Worten des DRK-Kreisvorsitzenden erhöht sich das Defizit durch die Einrichtung der drei neuen Rettungswachen-Außenstellen, die rund um die Uhr besetzt sind, um 1,2 Millionen Euro. Dieser Betrag werde durch den Finanzausgleich beim Landesverband aufgefangen. Im Schichtbetrieb seien pro Außenstelle sieben bis acht Mitbeiter einzuplanen. Billen: "Dies ist ein lohnender Ansatz. Man sollte bereit sein, dafür Geld auszugeben."

Mehr Ersthelfer direkt vor Ort



Während sich Marie-Luise Niewodniczanska fragte, warum die Kosten "immer so hoch" sein müssten, relativierte Regino Esch (Grüne) das Ansinnen. "Wir werden es nie schaffen, wirklich alle zu erreichen", sagte er und sprach sich dafür aus, in abgelegenen Gemeinden zum Beispiel mehr ehrenamtliche Ersthelfer auszubilden, die vor Ort wohnten.

SPD-Fraktionschef Bernd Spindler hingegen sprach sich für die Einrichtung von Außenstellen aus, die gesetzlichen Vorgaben seien durchaus nachzuvollziehen. Spindler: "Das ist zwar teuer, aber es geht hier um die Arbeit am Menschen."

Ein Beschluss zu dem Thema wurde noch nicht gefasst, in Kürze werden derweil weitere Abstimmungsgespräche starten.

Was den Neubau der Rettungswache in Neuerburg angeht, stehen die Kosten mit 993 640 Euro zwischenzeitlich fest. Daraus ergibt sich für den Eifelkreis ein Eigenanteil von 745 230 Euro. Der Kreistag kam überein, diese 75-prozentige Zuwendung zu bewilligen. Gerhard Mittler (CDU) hatte zuvor auf das wichtige Zusammenspiel von Rettungswache und Krankenhaus Neuerburg hingewiesen und das Projekt ausdrücklich begrüßt.

Der Standort liegt am Stadteingang links der Landesstraße 1 von Sinspelt kommend. Somit sei die größtmögliche Nähe zum Krankenhaus gegeben, was sich positiv auf die Einbindung des Krankenhauses in den Notarztdienst auswirke, betont die Kreisverwaltung.

Meinung

Dienst am Menschen

Leben retten kostet Geld. Diese Erkenntnis ist nicht neu, doch niemand wird es wagen, den Dienst am Menschen in seinem Handlungsspielraum einschränken zu wollen. Das ist auch gut so, denn die Relevanz von Rettungswachen ist unbestritten. Natürlich macht das Gesetz, wonach jeder Ort nun innerhalb von 15 Minuten ereichbar sein muss, Sinn. Allein aus Fürsorgegründen ist die neue Richtlinie nachvollziehbar. Natürlich besitzt auch der Vorschlag, Ersthelfer gezielt in abgelegenen Gemeinden auszubilden, Charme. Gleichwohl geht es darum, ein absolut verlässliches Konzept auf den Weg zu bringen. Und das ist nur mit einer professionell organisierten Wache zu entwickeln. m.reuter@volksfreund.de