Kein Platz für Sommerlöcher

Kein Platz für Sommerlöcher

Es gab sie nie, die Ereignislosigkeit in der Urlaubs- und Ferienzeit eines Sommers. Irgendwo geschieht immer etwas. Die Herausforderung besteht darin, von den unterschiedlichsten Themen und ihren Reizen nicht mitgerissen und fortgeschwemmt zu werden.

Am vergangenen Wochenende war die Trauerfeier für die Opfer der Loveparade in Duisburg, aber auch die Traumhochzeit von Chelsea Clinton in New York.

Die Leichtathletik-EM in Barcelona bescherte Deutschland am Ende 16 Medaillen, und der Wettermoderator Jörg Kachelmann wurde aus der Untersuchungshaft entlassen.

Die Waldbrände in Russland weiten sich aus, und das Oberharzer Wasserregal wird von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt. ...

Grenzenlose Nachrichtenfülle. Sie überschreitet die Schwellen der Häuser, stößt ins Privatleben vor, dringt in unsere Herzen ein und bewegt einen hin und her, manchmal bis zur Zerreißprobe. Leben wir noch unser eigenes Leben oder werden wir gelebt und bestimmt von dem, was uns von Fremden an Neuigkeiten vorgelegt wird?

Unser Menschsein verkümmert, wenn wir gleichgültig werden. Dagegen erhebt es uns als Menschen, wenn wir mitleidig sind, ohne dabei wehleidig zu werden.

Aber damit nicht die ganze Welt und auch ihr Elend auf uns einströmt und uns am Leben hindert, brauchen wir die Fähigkeit, uns abzugrenzen. Nicht Abstumpfung tutnot, sondern das Bestimmen einer Grenze, wo ich die Not anderer in mich einlasse.

Angesichts der vielen Probleme und Unglücke gibt es einen Punkt, wo ich mich schützen muss, um in dieser Welt als Mensch leben zu können. Das Gebet hat hier besondere Stärke. Beim Beten für diejenigen, von denen ich höre, sie seien in Not geraten, fühle ich mit diesen Menschen. Aber ich sauge mich nicht mit ihrem Leid grenzenlos voll.

Vielmehr hoffe ich, dass Gott diese Menschen nicht allein lässt. Jetzt sehe ich genau, wo ich konkret helfen kann mit meiner endlichen Kraft und meinen beschränkten Möglichkeiten und Mitteln.

Thilo Müller ist Pfarrer in Hillesheim