Kein Schnaps mehr vom Umzugswagen

Kostenpflichtiger Inhalt: Fastnacht : Kein Alkohol mehr vom Umzugswagen im südlichen Eifelkreis

Betrunkene Teenager und Schlägereien: Einige Eifeler Fastnachtsumzüge sind 2019 ausgeartet. Das soll sich nach Ansicht der Behörden nicht wiederholen. Alkohol vom Festwagen auszuschenken, ist rund um Bitburg daher dieses Jahr tabu. 

Jungs, die an den Festwagen vorbei taumeln. Mädchen, die sich ins Gebüsch erbrechen. Minderjährige, die auf der Straße ihren Rausch ausschlafen. Wer in den vergangenen Jahren Fastnachtsumzüge in der Eifel besucht hat, hat all das beobachten können.

Dass im Karneval auch Minderjährigen zuweilen Bier, Wein und Schnaps ausgeschenkt wird, ist keine Neuigkeit. Glaubt man Frank Mayer vom Bitburger Ortsverband des DRK, nehmen Exzesse aber zu. Es sei auffällig, dass sich hierzulande immer mehr Jugendliche an den närrischen Tagen hemmungslos betrinken. Und das bedeutet auch: Es gibt mehr Einsätze für den Rettungsdienst.

Allein beim Umzug in Mettendorf haben Einsatzkräfte vergangenes Jahr 34 betrunkene Minderjährige behandelt. In Bettingen musste das  Feuerwehrgerätehaus zur provisorischen Krankenstation umgebaut werden. „Sechs bis sieben Jungs zwischen 14 und 15 haben wir dort gleichzeitig versorgt“, sagt Mayer. Für einige endete die Session sogar in der Notaufnahme.

„In Bettingen und Mettendorf sind die Umzüge vergangenes Jahr besonders eskaliert“, sagt auch der Bitburger Polizeichef Christian Hamm: „Wir waren erschrocken darüber, welche Ausmaße das angenommen hat.“ Auch „die Sorglosigkeit vieler Eltern“ hat den Inspektionsleiter nach eigener Aussage „schockiert“. Diese „negativen Erfahrungen“ haben die Verantwortlichen nun zum Anlass genommen, die Auflagen für Umzüge zu erhöhen. Bei einem Gespräch legten die Inspektion Bitburg, die  Ordnungsbehörden der Stadt und der Verbandsgemeinden  Bitburger Land, Speicher und Südeifel sowie der Jugendschutzbeauftragte des Eifelkreises neue Sicherheitsstandards fest. „Wir wollen keine Spielverderber sein“, begründet Hamm: „müssen aber sicherstellen, dass der Jugendschutz auch an Fastnacht eingehalten wird.“ Künftig will man Saufgelagen unter Minderjährigen, Trunkenheitsfahrten, aber auch Gewaltdelikten, vorbeugen, heißt es: Denn unter Alkoholeinfluss sinkt die Hemmschwelle. Es wird sich daher auch häufiger geprügelt. So kam es im vergangenen Jahr etwa beim Sonntagsumzug in Bitburg zu einer Schlägerei, die von der Polizei geschlichtet werden musste. All das soll sich nach Wunsch der Behörden 2020 nicht wiederholen. Was daher bei der nächsten Session auf die Karnevalisten zukommt, sind zum einen verstärkte Polizeikontrollen. Und zum anderen haben die Ordnungsämter den Ausschank von Alkohol von Festwagen untersagt. Ein Vorschlag, der unter Veranstaltern für Debatten sorgen wird.

Auch bei der Polizei Prüm sieht man die neuen Regelungen in Bitburg skeptisch. Dienststellenleiter Georg Bührmann ist vom flächendeckenden Ausschankverbot bei den Nachbarn irritiert: „Da wird sich mancher Veranstalter, bei dem alles ruhig verlaufen ist, fragen, warum man das macht.“

Rund um die Abteistadt und im Arzfelder Umland dürfen Narren also weiterhin Schnaps und Bier vom Wagen aus verteilen. Die Ausgabe an Minderjährige sei vom Jugendschutzgesetz ohnehin untersagt, begründet Bührmann. Außerdem sei es 2019 bei den Umzügen im Norden kaum zu Auffälligkeiten gekommen. Anders als noch 2018. Wie man den Betrunkenen beigekommen ist: Die Polizei habe vergangenes Jahr verstärkt kontrolliert.

Im Altkreis Bitburg hingegen gehen die Veranstalter teils freiwillig neue Wege. „Das ist letztes Jahr total aus dem Ruder gelaufen“, sagt Christian Wadle vom Bettinger Karnevalsverein JüppHü: Das war nicht im Sinne des Erfinders.“ Eigentlich habe man einen Umzug für Familien organisieren wollen. Doch man sei von unangemeldeten Wagen und Gästen regelrecht überrannt worden.

Dieses Jahr aber soll die Veranstaltung daher eine ganze Nummer kleiner werden. Es sollen nur ausgesuchte, kleine Gruppen durch die Straßen ziehen. Das Partyzelt habe man abgeschafft. Das Ziel: Familien mit Kindern sollen sich hier wieder wohlfühlen können.

Die Bettinger sind damit nicht alleine. Auch in Mettendorf wird über ein neues Konzept für den Umzug nachgedacht. Ein Problem abter sieht Wadle: „Du kannst nicht kontrollieren, wer zu deinen Umzügen kommt.“

Deshalb sieht auch Heiko Knauf, der den großen Umzug in Schleid mitorganisiert, die neue Regelung kritisch. Das Bestreben, die Jugendlichen vor Alkohol zu schützen, sei sinnvoll. Und die Schleider hätten die Vereine und Gruppen auch entsprechend unterwiesen: „Aber wir können ja nicht auf den Wagen springen, wenn dann doch jemand Schnaps oder Bier dabei hat.“ Die Kontrolle also – das sei das Problem, und auch eher Sache von Polizei und Ordnungsamt: „Ein Verein kann das nicht leisten.“

In Schleid selbst sieht Knauf überdies auch keinen Handlungsbedarf: „Bei uns gibt es seit Jahren kaum Auffälligkeiten. Und wenn jemand auffällt, wird er das nächste Mal nicht eingeladen.“ Das spreche dafür, dass das Konzept funktioniert – mit oder ohne Regelung zum Alkoholausschank.

Auch Polizeichef Christian Hamm sieht bei den Vereinen kein Problem: „Wir wollen niemanden an den Pranger stellen. Die Zusammenarbeit mit den Veranstaltern klappt sehr gut.“