Kein Wildwuchs von Eifel-Spargel

Kein Wildwuchs von Eifel-Spargel

Um den Ausbau der Windkraft in geordnete Bahnen zu lenken, möchte die Verbandsgemeinde Bitburg-Land zunächst eine Studie in Auftrag geben, mit deren Hilfe geeignete Standorte ermittelt werden sollen. Was dabei rauskommen wird, ist derzeit noch völlig offen. Doch fest steht, dass das Ergebnis nicht jedem gefallen dürfte.

Bitburg. Sollten Menschen in dem kleinen Örtchen Hamm mit dem Gedanken spielen, irgendwo innerhalb ihrer Gemeindegrenzen ein Windkraftrad zu errichten, so können sie sich natürlich auch weiterhin darüber nachdenken. Mehr aber nicht. Denn Hamm gehört wie Gondorf, Hütterscheid und Baustert zu den Gemeinden in Bitburg-Land, deren Gemarkungen auf der Karte der Planungsgemeinschaft Region Trier komplett rosa markiert sind. Und alles, was rosa schimmert, ist für Windkraft tabu.
Was aber nicht bedeutet, dass im Gegenzug alle weißen Flächen zugebaut werden dürfen. Die Planungsgemeinschaft hat mit ihrem Entwurf, über den die Regionalvertretung im September noch abstimmen muss, lediglich die grundsätzlichen Ausschlussgebiete festgelegt, um dann alles Weitere den Kommunen zu überlassen.
Ob, wo und in welchem Umfang Windräder errichtet werden dürfen, sollen die (Verbands-)Gemeinden im Rahmen ihrer Flächennutzungspläne klären. Aus diesem Grund steht auch in Bitburg-Land die Überarbeitung des Flächennutzungsplans an.
Denn laut derzeitigem Plan sind in der Verbandsgemeinde weniger als drei Prozent der Fläche für Windkraft ausgewiesen. Und diese Fläche ist auch komplett bebaut. (siehe Extra).
Angebote von Planungsbüros


Weil aber die Errichtung von Windkrafträdern im Idealfall auch nur dort erfolgt, wo mit der nötigen Menge an Wind zu rechnen ist, möchte die Verbandsgemeinde zunächst eine sogenannte Potentialanalyse in Auftrag geben, die zeigen soll, wo überhaupt die geeigneten Windkraftstandorte liegen.
Die Verwaltung fordere derzeit Angebote von Planungsbüros an, so dass der Rat in seiner Sitzung im September dann über die Vergabe der Studie entscheiden könne, sagt VG-Bürgermeister Josef Junk. "Wir brauchen unabhängige Gutachten und müssen dann sehen, wie in einer künftigen Fortschreibung des Flächennutzungsplans hiermit umgegangen werden kann", ergänzt Stefan Göbel, der für Windkraft zuständige Bearbeiter der Verwaltung.
Dass die Änderung des Plans auch mit Hilfe der Potentialanalyse keine einfache Aufgabe sein wird, davon sind beide überzeugt. Denn die Unternehmen und Investoren, die mit dem Wind ihr Geld verdienen, ziehen bereits seit Monaten über die Dörfer, um sich mit Vorverträgen potentielle Windkraftstandorte zu sichern. Und angesichts der Erträge in Millionenhöhe, die den Landeigentümern über einen Zeitraum von 20 Jahren zum Teil versprochen werden, kann Junk verstehen, dass die Gemeinden von diesem Geldsegen profitieren wollen.
Um zu vermeiden, dass es vor diesem Hintergrund zu unüberlegten Handlungen oder Vertragsabschlüssen kommt, hat Junk die Ortsbürgermeister vergangene Woche im Rahmen einer gemeinsamen Sitzung darum gebeten, zunächst die Ergebnisse der Analyse abzuwarten. So bestehe beispielsweise die Gefahr, dass sich Firmen Standorte vertraglich sichern, diese aber letztlich aufgrund der Fortschreibung des Flächennutzungsplans überhaupt nicht mit Windrädern bebaut werden dürfen, erklärt Göbel.
Die Verbandsgemeinde steht also vor der gewaltigen Aufgabe, den großen Kuchen möglichst gerecht zu verteilen. Eine Art Solidarpakt, bei dem alle Verbandsgemeinden von wenigen, dafür aber größeren Windparks profitieren würden, wäre sicherlich wünschenswert, sagt Junk. "Es dürfte allerdings schwer sein, das umzusetzen." Im derzeit gültigen Flächennutzungsplan der Verbandsgemeinde Bitburg-Land sind bereits so genannte Vorranggebiete für Windkraft ausgewiesen, die jedoch nur einen Bruchteil der Gesamtfläche ausmachen und überwiegend in den Randbereichen der VG liegen. Die größten dieser Vorranggebiete liegen auf den Gemarkungen Heilenbach, Sefferweich, Halsdorf, Meckel und Idesheim. Weitere Gemarkungen, auf denen kleinere Flächen für Windkraft ausgewiesen wurden, sind Brimingen, Hisel und Olsdorf. Insgesamt stehen somit derzeit 54 Windkraftanlagen in Bitburg-Land, die nach Auskunft der Verwaltung genug Strom erzeugen würden, um die sechsfache Anzahl der Privathaushalte in der VG mit Strom zu versorgen. (uhe)

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