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Keine Angst vor widrigen Situationen

Keine Angst vor widrigen Situationen

Auch wenn Mötsch seit mehr als vier Jahrzehnten zu Bitburg gehört, so verfügt der Stadtteil aufgrund der gewachsenen Struktur nach wie vor über viele typische Eigenschaften eines Dorfes. Die Mötscher machen sich Gedanken, wie dieser Charakter auch für die Zukunft erhalten werden kann - und haben dazu Anregungen gesammelt.

Mötsch. Ortsvorsteher Heiko Jakobs erhofft sich von diesem Abend im Mötscher Jugendheim neue Impulse und Inspirationen. Und das bedeutet für ihn, dass bestimmte Entwicklungen, die nur wenige Kilometer westlich des Jugendheims gang und gäbe sind, in Mötsch nach Möglichkeit vermieden werden. "Wir wollen nicht hingehen und sagen: Bauherr, hier hast du eine Fläche, und nun mach mal. Davon haben wir in Bitburg genug", sagt Jakobs mit Blick auf die vielen Wohnanlagen, die in den vergangenen Jahren im Bitburger Stadtgebiet errichtet worden sind.
Der Ortsvorsteher will keine "Schuhkartons", sondern Lösungen, die ins Ortsbild passen. Die Frage, die ihn beschäftigt, lautet deshalb: "Welchen Beitrag können wir Mötscher Hauseigentümer durch regionaltypische Architektur, Hofanlagen, Materialien und Bepflanzungen leisten, um den besonderen Dorf-Charme zu erhalten und positiv weiterzuentwickeln?"
Antworten darauf liefern an diesem Abend drei Männer. Einer davon ist Rainer Roth aus Meckel. Der mehrfach ausgezeichnete Architekt befasst sich bereits seit 20 Jahren mit dem Thema Regionaltypisches Bauen. Er selbst wohnt mit seiner Familie in einem von ihm entworfenen Haus, dessen regionaltypischer Charakter sich nicht jedem auf den ersten Blick erschließt. "Wir haben mit unserem Haus Diskussionen ausgelöst, ob das die richtige Art und Weise ist", sagt der Architekt. Doch sowohl der Baukörper als auch die Aufteilung entspreche dem für die Region typischen Trierer Quereinhaus, erklärt Roth und betont, dass es nicht darum gehe, das Historische originalgetreu zu kopieren, sondern darum, einen "Enkel dieser Häuser" zu bauen.
Anhand von Beispielen zeigt der Architekt, wie ein solcher Enkel aussehen kann, ohne dass er aus der Familie schlägt. Es sind Neubauten, aber auch ehemalige Wirtschaftsgebäude, die modern umgebaut wurden, dabei den Bezug zur Historie aber nicht verloren haben. Und das bei zum Teil schwieriger Ausgangslage. "Gerade die widrigsten Situationen bringen den größten Kontrast und haben nachher auch am meisten Charme", ist Roth überzeugt. Und er glaube, dass es dazu auch in Mötsch viel Potenzial gebe.
"Es gibt viele Ansätze, um die Tradition in die Moderne zu übertragen", meint Edgar Kiewel, "nur muss man es dem Betrachter in einigen Fällen erst erklären." Der Dorferneuerungsbeauftragte des Eifelkreises verweist auf die Fördermöglichkeiten im Rahmen der Dorferneuerung und wirbt dafür, auch bei Neubauten den Aspekt der Baukultur auf jeden Fall zu beherzigen. "Denn alles, was Sie bauen, bauen Sie nicht nur für sich, sondern auch für ihre Nachbarn", sagt Kiewel. Die Verantwortung des Bauherrn endet demnach also nicht an der Grundstücksgrenze. Der eigene Garten in der Regel aber schon. Und wie dieser aussehen und nach den eigenen Bedürfnissen angelegt werden kann, ohne dabei den regionaltypischen Bezug zu verlieren, darüber referiert Ralf Mayeres, Landschaftsgärtner und Leiter des städtischen Bauhofs. "Gärten machen glücklich", sagt Mayeres. Und wer wisse, welcher Gartenbautyp er sei, könne seinen Garten auch schön gestalten, so der Landschaftsgärtner. Die Fähigkeit dazu habe grundsätzlich jeder. Nur dass sie in dem ein oder anderen Fall eben weniger stark ausgeprägt sei.
Extra

Auf der Mötscher Internetseite (bitburg-moetsch.de) gibt es einen Link zur Dorferneuerung und zu den Möglichkeiten der Beratung, Darlehen und Zuschüsse bei Neubauvorhaben oder Sanierungen im Altbestand. Darüber hinaus können sich Bürger an Ortsvorsteher Heiko Jakobs wenden: E-Mail an ortsvorsteher@bitburg-moetsch.de , oder per Telefon unter der Nummer 06561/12525. uhe