Keine ganz runde Sache
Bitburg · Kaum ein Thema hat in Bitburg so Wellen geschlagen wie der Innenstadtring. Seit der Einführung im Herbst 2013 regt sich auf der einen Seite lautstark Kritik. Auf der anderen Seite argumentieren Befürworter mit dem besseren Verkehrsfluss. Ein Blick auf Schwachstellen und Pluspunkte des Rings.
Das Verkehrskonzept, das die Stadt Bitburg für eine einjährige Testphase beschlossen hat, läuft nicht an allen Stellen rund. Einige Ecken sind sogar richtig gefährlich. Das bestätigt die Polizei Bitburg, die aber vor der entscheidenden Sitzung der politischen Gremien die Unfallzahlen nicht öffentlich bekanntgeben will. Am 20. August tagt der Verkehrsausschuss. Nach der Sommerpause wird der Stadtrat darüber beraten. Im September endet die Testphase. Noch gibt es keinen Plan, wie es dann weitergeht. Der Ring im TV-Test:
- Viele vergessen: Bei diesem Verkehrskonzept wurden vor allem die Autofahrer berücksichtigt. Ein Manko. Schließlich gibt es auch Fußgänger und Radfahrer. Für Letztere ist der Ring ein Debakel. Es gibt keine Radwege. Die gab es zwar vorher auch nicht, aber im nun zweispurigen Verkehr ist es für Radfahrer sehr riskant, die Spur zu wechseln. Für Fußgänger sieht es etwas besser aus, da es an Knotenpunkten wie Zangerle\'s Eck und bei der Stadthalle Ampeln oder Zebrastreifen gibt. Aber leider nicht überall: Im Karen- und Borenweg - wo unter anderem Kino und Südschule sind - ist für Fußgänger ein Überqueren der Straße nur mit viel Geduld oder waghalsigem Mut möglich.
- Kritische Knotenpunkte: Ein Hauptproblem für Autofahrer ist, dass die Wechselspuren zu kurz sind. Ob Richtung Beda-Platz, Poststraße oder Krankenhaus, Polizei, Cascade-Bad und B 51: Wer sich nicht auskennt und sich zu spät einordnet, hat ein Problem. Das ist nicht nur ägerlich, sondern auch gefährlich. Viele versuchen, selbst im dichten Verkehr noch kurz vor knapp auf die andere Seite zu kommen. Während an Karen- und Borenweg das Einfädeln für Chaos sorgt, wird an der Römermauer oft viel zu schnell gefahren.
- Gelbes Grauen: Mal abgesehen vom Verkehr - das, was den Ring optisch ausmachen könnte, ist in der Testphase ins Gegenteil verkehrt. Der Ring könnte die Stadt verschönern, da er weniger Verkehrsfläche benötigt. Leider hat die Stadt nie Planskizzen fertigen lassen, die zeigen, wie Bitburg mit Ring attraktiver werden könnte. Die gelben Markierungen sind kein Gewinn.
+/- Umständliche Umwege: Es ließen sich etliche Beispiele anführen, wie sich vor dem Ring unkomplizierter von A nach B fahren ließ. Es gab sogar Irrfahrten und Geisterfahrer. Es lassen sich aber auch Beispiele für Routen finden, die mit Ring schneller zu fahren sind als zuvor. Im Ergebnis haben sich für jeden einige der regelmäßigen Fahrten verlängert, andere dafür verkürzt.
-/+Kämpfende Kaufleute: Vor allem in der oberen Hauptstraße haben sich am Anfang Geschäftsleute beklagt, dass Kunden nicht mehr in die Stadt finden. Wenn Kaufleute ihre Existenz bedroht sehen, ist das ernstzunehmen. Inzwischen hat sich der Aufruhr gelegt. Dass auch die Parkplätze in der oberen Hauptstraße rege genutzt werden, lässt darauf schließen, dass auch dieser Teil der Fußgängerzone trotz Ring von Autofahrern gefunden wird.
+/- Besserer Baustellenverkehr: Die Baustelle am Spittel hat in den vergangenen Monaten häufig die Sperrung einer der beiden Fahrspuren im Borenweg nötig gemacht. Mit dem Ring konnte der Verkehr auf einer Spur an der Baustelle vorbeigeführt werden. Ein Plus. Doch temporäre Baustellen sind kein Grund, ein Verkehrskonzept dauerhaft einzuführen.
+/- Ganzes Geld: Die Testphase hat 60 000 Euro gekostet. Schilder mussten angeschafft und aufgestellt, Fahrbahnen markiert werden. Die Kosten für einen Rückbau oder einen teilweisen Umbau sind noch nicht kalkuliert. Ohne Ring hätte zwingend eine Reparatur der Ampel an Zangerles Eck angestanden, die rund 50 000 Euro kosten würde. Nur Stillstand gibt es umsonst.
+ Wünschenswerte Wege: Ausgerechnet der Ring, bei dem Fußgänger und Radfahrer in der Testphase unzureichend berücksichtigt wurden, bietet grundsätzlich die Möglichkeit, breitere Gehwege, Radwege und Alleen mit Bäumen und Bänken anzulegen. Da der Ring weniger Verkehrsfläche verbraucht, bietet er Freiräume zur Gestaltung.
+ Platz zum Parken: Rund um die Innenstadt sind mit dem Ring 40 Parkplätze entstanden. Die werden alle rege genutzt. Nicht von Dauerparkern, sondern vorrangig von Wechselparkern. Der Bedarf ist da.
+ Ausgeschaltete Ampeln: Wer zuvor quer durch die Stadt fuhr, hat an zwei, drei Ampeln gestanden. Vor allem vor Zangerle's Eck hat sich der Verkehr in der Trierer Straße gestaut. Im Berufsverkehr ging es nur im Schritt-Tempo voran. Auf dem Ring ist der Verkehr im Fluss.
Leser-Echo: Mailen Sie uns in wenigen Sätzen, welche Stelle des Innenstadtrings Sie für besonders gefährlich oder welchen Aspekt des Verkehrskonzepts Sie für besonders gelungen halten. Mailen Sie (Vor- und Nachname sowie Wohnort bitte angeben) an:
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