Keine Landesgartenschau für Bitburg - Enttäuschung in der Eifel

Keine Landesgartenschau für Bitburg - Enttäuschung in der Eifel

Bis zuletzt haben sie gehofft, gekämpft, gehofft - doch am Ende hat es nicht gereicht. Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler hat gestern den Zuschlag für die Landesgartenschau 2022 bekommen. Eine Entscheidung, die in der Eifel mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen wurde.

Die Stimmung im Rathaus ist gedrückt, als Bürgermeister Joachim Kandels vor die Presse tritt. Die Stadt Bitburg, die sich zusammen mit dem Eifelkreis um die Landesgartenschau 2022 beworben hat, geht leer aus. Bad Neuenahr-Ahrweiler hat das Rennen gemacht, wie die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer am Nachmittag mitteilt. Der ehemalige Kur- und Badeort soll sich zu einem attraktiven Gesundheitsstandort mit viel Tourismus wandeln, sagte Dreyer in Mainz.

Auch die anderen Städte hätten gute Konzepte vorgestellt, aber die Bewerbungsleitlinien seien von Bad Neuenahr-Ahrweiler am besten umgesetzt worden. In Bitburg ist die Enttäuschung spürbar.

Sie sind faire Verlierer, gratulieren Bad Neuenahr-Ahrweiler, einer Stadt, der Kandels, wie auch Landrat Joachim Streit und die Landtagsabgeordneten Michael Billen (CDU) und Nico Steinbach (SPD) den Erfolg durchaus gönnen. Das ändert aber nichts daran, dass man sich vor Ort den Zuschlag natürlich für Bitburg erhofft hat. Und zwar bis zur letzten Minute. "Am Morgen haben mir Bürger im Vorbeigehen mit Daumendrücken signalisiert, dass sie mit uns mitfiebern", sagt Kandels. Er dankt den Bürgern für ihre Beteiligung und Unterstützung, für die tolle Aktion "Ein Lied für Bitburg", bei der mehr als 2000 Menschen gemeinsam für die Gartenschau gesungen und musiziert haben. Er dankt seinen Mitarbeitern, die Überstunden und Nachtschichten für die Bewerbung eingelegt haben. Doch am Ende hat es nicht gereicht.
Sie fordern Unterstützung


"Leer", sagt Kandels, "gehen wir aber nicht aus." Die 180 000 Euro, die Stadt und Kreis in ihre gemeinsame Bewerbung investiert haben, seien nicht umsonst. "Wir haben ein gutes Konzept für die anstehende Umnutzung des riesigen Housinggeländes. Und da setze ich voraus, dass uns das Land dabei unterstützt." Das erwartet auch Landrat Joachim Streit: "Wir tragen seit 60 Jahren die Lasten der Militärpräsenz, jetzt brauchen wir solidarische Hilfe."

Ministerpräsidentin Dreyer kündigte bereits gestern vage an, dass das Land auch den anderen Bewerberstädten "unter die Arme greifen werde". Es steht aber fest, dass das wohl kaum die gleiche Unterstützung wird wie die, die mit einer Landesgartenschau möglich gewesen wäre. Schließlich hat auch die Eifel auf die positiven Effekte für den Tourismus gehofft, den die erwarteten 400 000 Gartenschau-Besucher hätten bringen können.
Für den CDU-Landtagsabgeordneten Michael Billen ist die Entscheidung "ein Schlag ins Gesicht des ländlichen Raumes, eine Fehlentscheidung". Er vermutet, dass Bad Neuenahr-Ahrweiler den Zuschlag vor allem deshalb bekommen hat, weil hier die Investitionskosten mit 18,4 Millionen Euro am geringsten waren. Zum Vergleich: In Bitburg wurde mit Investitionskosten von elf Millionen Euro für Infrastruktur wie Parkplätze, Wege und Hallen kalkuliert. Hinzu gekommen wären noch mal Durchführungskosten für die eigentliche Schau von 9,6 Millionen Euro.

"Das Kostenargument ist an den Haaren herbeigezogen", schimpft Billen und verweist darauf, dass die Investitionskosten eben wegen des zunächst erst mal umzugestaltenden Housinggeländes so hoch seien.
Große Teile diese Kosten aber, so argumentiert Billen, müsse die Landesregierung sowieso im Zuge ihrer Unterstützung bei dem anstehenden Konversionsprojekt für Bitburg aufbringen. Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Nico Steinbach sieht Bund und Land nun in der Pflicht. "Leider", sagt er, habe Bitburg den Zuschlag nicht bekommen: "Ich habe massiv für das Konzept der Eifel geworben. Für Bitburg und den Eifelkreis wäre eine Landesgartenschau eine hervorragende Infrastrukturmaßnahme gewesen."
Extra

Laura Metz, Bitburg: Schade! Ich hab' das Bewerbungsvideo gesehen, das sie dafür gemacht hatten. Und sie haben sich ja schon Mühe gegeben und viel dafür gemacht. Wäre schön gewesen, mal etwas Neues hier in Bitburg zu haben. Hab' mir dadurch ein bisschen mehr Werbung für die Stadt versprochen … hier ist es ja leider ein bisschen tot in der Innenstadt. Matthias Kohl, Wolsfeld: Ich habe es gehofft … Wäre schön gewesen, wenn Bitburg die Landesgartenschau bekommen hätte. Da hätten die Gasthäuser hier in der Gegend vielleicht auch noch mal ein bisschen Geld verdient. Und es wäre noch mal etwas mehr Leben in die Stadt gekommen. Ist ja nichts mehr los hier - vor allem abends. Therese Koes, Fließem: Ach, schade, wir hätten die Möglichkeiten hier dafür gehabt! Auf alle Fälle! Die Stadt hätte so noch mal etwas mehr Öffentlichkeit bekommen, mehr Aufmerksamkeit und Tourismus. Menschen von außerhalb hätten bestimmt einen Anreiz gehabt, die Stadt mal besser oder überhaupt kennenzulernen. Rudolf Müller, Bitburg: Schade: Ist halt dumm gelaufen! Denn die Housing ist ja wirklich sanierungsbedürftig. Also die müsste ohnehin mal saniert werden, und so hätten wir wenigstens einen kleinen Zuschuss bekommen. Man hätte zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Aber gut … umso schöner für Bad Neuenahr-Ahrweiler. jokExtra

Rainer Serwe, der Komponist mit dem eigens für die Bitburger umgetexteten Lied: "Das ist sehr schade. Bitburg hätte es verdient gehabt und wäre ein toller Gastgeber gewesen. Man hat bei den vielen verschiedenen Aktionen auch gesehen, dass wirklich die ganze Region dahinter stand." Werbefachmann Stefan Bohl: "Ich bin immer noch so enttäuscht, dass ich gar nicht viel sagen kann. Außer, dass Mainz eine große Chance verpasst hat. Und die Energie, die wir uns angesungen haben, verpufft nicht - wir werden uns was einfallen lassen." HdJ-Chef Gerd Wanken: "Es wäre eine tolle Sache für die Stadt und für den Kreis gewesen. Dass Bitburg den Zuschlag nicht bekommen hat, wundert mich aber nicht: Die Eifel wird in Mainz öfter mal stiefmütterlich behandelt. Es ist einfach schade." Maria Arvanitis, Geschäftsführerin der Tourist-Information Bitburger Land: "Ich bedauere das. Für Bitburg wäre die LGS ein Initiator für eine nachhaltige Tourismus-Entwicklung gewesen. Die Sache muss man jetzt aber einfach abhaken - und weiter nach vorn schauen." eib

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