Keine näht wie Sarah Schmitz

Keine näht wie Sarah Schmitz

Sarah Schmitz aus Orenhofen ist in ihrem Jahrgang die beste Modenäherin Bayerns. Die handwerkliche Ausbildung sieht sie als Vorbereitung, denn sie hat vor ein ein Studium der Bekleidungstechnik zu absolvieren.

Orenhofen/Nördlingen. In Sachen Modeindustrie ist die Eifel ein schwarzer Fleck auf der Landkarte. Deshalb führte Sarah Schmitz der Weg von Orenhofen nach Nördlingen. Es hat sich gelohnt. Im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zur Modenäherin beim Designerlabel Strenesse hat sie als bayerische Landesbeste abgeschnitten. Das bescheinigte ihr die IHK im November. Den Schlüssel zum Erfolg sieht die 23-Jährige in ihrem sehr guten technischen Verständnis und Vorstellungsvermögen. Das Beste an ihrer Berufswahl: "Es macht mir Spaß. Dabei noch gute Noten zu haben ist toll."
Mode machen ist ihr Traum


Mit 16 hat sie angefangen, Mode selbst zu machen. Als ihren ersten größeren Erfolg verbucht sie einen royal-blauen Parka. Nach dem Abitur am Bitburger St.-Willibrord-Gymnasium schmiss sie für die Ausbildung zur Modenäherin das Englisch- und Kunstgeschichtsstudium an der Uni Trier. "Ich wollte meinen Traum verfolgen, etwas Handwerkliches und Mode zu machen", sagt sie. Maßschneiderin oder Hutmacherin hätte sie sich auch vorstellen können, aber als Modeschneiderin in der Industrie seien die Job- und Verdienstchancen einfach besser.
Drei Jahre dauert die Ausbildung, die von der Modenäherin zur Modeschneiderin führt. Sarah Schmitz lernt dabei alles über Stoffe, wie man Muster zuschneidet und vom Knopfloch bis zum Mantel Kleidung näht, perfekt bügelt und Material und Kosten exakt kalkuliert.
Die junge Modenäherin rechnet sich gute Chancen aus, nach dem Abschluss im Juni von der bekannten Markenfirma im 400 Kilometer entfernten Nördlingen übernommen zu werden. Aber das bleibt für sie nur eine Durchgangsstation auf ihrem Weg zur studierten Bekleidungstechnikerin.
Denn mit dem praktischen Know-How, das sie dann besitzt, will sie auf jeden Fall wieder an die Uni. "Bekleidungstechniker überprüfen, ob die Entwürfe der Designer umsetzbar sind, kontrollieren die abgelieferte Qualität und haben ein Auge auf die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in den Fabriken im Ausland. Sie sind die Schnittstelle zur Produktion", erklärt sie.
Bessere Berufschancen


Bekleidungstechniker hätten in Deutschland eine bessere Chance auf dem Arbeitsmarkt als Modeschneider, die im Inland weniger gebraucht werden, seit die Textilfirmen ihre Produktion größtenteils ins Ausland verlegt haben.
Sarah Schmitz spekuliert auf einen Studienplatz in Reutlingen oder Mönchengladbach. Auf jeden Fall möchte sie so nah wie möglich an die Eifel rücken, um ihre Familie, ihren Freund und ihre Studienfreunde nicht mehr so sehr vermissen zu müssen.
Bevor es so weit ist, muss sie noch mit ihrem Abschlussprojekt überzeugen. Dabei knüpft sie an ihren ersten Erfolg an, den Parka. Inspiriert vom Lebensgefühl der 1960er Jahre im Film "Quadrophenia" schneidert sie diesmal einen lässigen Parka in Schwarz-Pink und kombiniert ihn mit einem schicken schwarz-weißen Hahnentrittkleid.

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