Kelten und Römer nutzten Eisen im Spanger Tal

Geschichte : Vor 2000 Jahren: Was die Kelten ins Spanger Tal zog

Wo heute Flugzeuge der US-Streitkräfte starten, lebten vor mehr als 2000 Jahren Kelten. Vermutlich zogen Eisenvorkommen sie in die Gegend. Sogar ein Bergwerk soll es gegeben haben.

Wer an der Grenze zwischen Bitburg-Prüm und Bernkastel-Wittlich unterwegs ist, trifft auf Felder, Wiesen und Wälder. Von einem Bergwerk, Öfen zur Eisenherstellung oder Steinwäschen an den Bachufern ist hingegen nichts zu erkennen. Günter Leers zeichnet mit seiner Hand den Verlauf der Hügel zwischen Spangdahlem und Pickließem nach. „Hier könnte ein Bergwerk gewesen sein“, sagt der Heimatforscher, der mehrere Bücher über die Geschichte der Region geschrieben hat. Im fünften Band seiner Buchreihe „Spangdahlem historisch erleben“ widmet er sich dem Eisen, das bereits Kelten und Römer hier abgebaut haben sollen. Während ein Laie nur goldene Ähren und saftige Wiesen erkennt, erspäht Leers überall Hinweise auf eine frühere Industrie.

Sichtbar wird die Geschichte einige Kilometer weiter in Binsfeld. Eine Sandsteinwand zieht sich über hunderte Meter durch das Dorf. Der Großteil davon ist hinter Häusern und Erde verborgen. Doch hinter dem Schuppen von Franziska Faber kann man einen Blick auf den ehemaligen Steinbruch erhaschen. Orange-braune Fäden ziehen sich an manchen Stellen durch die Wand: Das im Gestein eingeschlossene Eisen ist gerostet.

Nach den farbigen Indizien suchten bereits die Kelten – und wurden in der Eifel fündig. Leers vermutet, dass sie sich deshalb hier niederließen. Er hat in alten Archiven nachgeforscht, historische Karten betrachtet und seine Umgebung untersucht.

Leicht gestaltet sich die Spurensuche nicht, denn schriftliche Aufzeichnungen der Eifelkelten rund um Spangdahlem sucht man vergebens.

Die Eisenzeit Dennoch hinterließen die Menschen Spuren, die man noch heute lesen kann. Ein Zaun trennt die Air Base in Spangdahlem von dem angrenzenden Wald. Ein paar sanfte Erhebungen sind zwischen Baumstämmen und Büschen auszumachen. Die Hügelgräber zeugen von den Anfängen der modernen Zivilisation in der Eisenzeit. Gute Schmiede sollen die Kelten gewesen sein, und Leers ist sich sicher, dass sie ihrer Kunst auch rund um Spangdahlem nachgingen.

Besonders wertvoll für die Kelten war sogenanntes Bohnerz, „kleine Roheisenkügelchen, die direkt in der Hütte oder Schmiede verwendet werden können“. Die Kelten hätten gezielt das Eisen in seiner kompakten Form gesucht, um es direkt bearbeiten zu können, sagt Leers. Im Spanger Tal seien sie fündig geworden. Im Feuer schmiedeten sie Schwerter, Speere oder Schmuck.

Neben Bohnerz findet sich in dem Kalk- und Sandgestein entlang des Spanger Bachs auch Eisenerz, das erst bearbeitet werden muss. Leers vermutet, dass es zu keltischen Zeiten ein Feld gab, auf dem die Steine zerkleinert wurden. Er hält es ebenfalls für möglich, dass zwischen Pickließem und Spangdahlem eine Eisenerzwaschanlage am Bachufer bestand. Auch Öfen zum Brennen von Klumpen soll es in der Eifel gegeben haben.

Die Römer Wo die Kelten siedelten, ließen sich später die Römer nieder. Darauf weisen unter anderem Mauerreste einer Römervilla hin, die an einem Hang oberhalb des Weilbachs stand und auf die Zeit zwischen 500 vor bis circa 500 nach Christus datiert wird. Die Menschen trafen nicht nur auf Eisenvorkommen, sondern auch auf weitere nutzbare Bodenbestandteile wie Kalk, Kieselsäure, Ton und Lehm, die sie nicht nur im Kontext der Eisenverarbeitung verwendeten.

Ein altes Bergwerk Bauern berichteten nach Angaben von Leers bis in die 1970er Jahre immer wieder davon, dass ihnen Teile ihrer Felder abgesackt sind. Seine Schlussfolgerung: Sie könnten bei ihren Arbeiten auf alte Stollen getroffen sein, die eingestürzt sind. Seit welcher Zeit zwischen Spangdahlem und Plickließem ein Bergwerk bestand, sei nicht abschließend geklärt. „Wir wissen, dass es ein mittelalterliches Eisenerzbergwerk gab“, sagt Leers. Der Heimatforscher vermutet, dass die Erde im Bereich von Pickließem bereits von den Kelten oder Römern unterkellert wurde, um an das wertvolle Erz zu gelangen.

Vom Mittelalter zur französischen Periode Nach Eisenschmitt und Hof Raskop bei Gransdorf lieferte man im Mittelalter Eisenerz, das hier in größeren Öfen verhüttet wurde. Aus dem Metall aus der Südeifel schmiedete man zum Beispiel Gewehrteile oder Kanonenkugeln. Während in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg nur wenig Eisen gefragt war, da weite Landstriche entvölkert waren und die Menschen mit der Pest zu kämpfen hatten, brachten die Franzosen neuen Schwung in die Eisengewinnung. Leers geht davon aus, dass neue Straßen und Kanäle in dieser Periode enstanden sind und die Eisenerzwäsche am Spanger Bach vergrößert wurde. In der Eisenhütte bei Hof Raskop seien Gewehre für die napoleonischen Armee gefertigt worden.

Günter Leers erforscht die frühere Eisenindustrie im Spanger Tal. Zwischen Bächen, Steinen und Hügeln entdeckt er Spuren des Wirtschaftszweigs. Foto: TV/Nathalie Hartl
Nach rot-braunen Linien wie diesen suchten bereits die Kelten bei ihren Streifzügen durch die Eifel. Der Rost in dem Binsfelder Sandstein weist auf Eisenvorkommen hin. Foto: TV/Nathalie Hartl
Diesen Stein aus Pickließem fand Günter Leers an einer Stelle am Weilbach, wo er ein früheres Hammerwerk vermutet. Auch darin ist Eisen enthalten. Foto: Günter Leers
Ein unscheinbarer Hügel im Wald, der an die Airbase grenzt. Hier bestatteten Kelten ihre Toten. Foto: TV/Nathalie Hartl

Das Ende der Eisengewinnung Als die Preußen Anfang des 19. Jahrhunderts auftauchten, verschwand die Eisenindustrie. Während die Produktion im Ruhrgebiet boomte, wurde sie rund um Spangdahlem komplett eingestellt. „Wirtschaftlich hat sich das für die Preußen nicht gelohnt“, erklärt Leers. „Die Infrastruktur war für sie ungünstig gelegen.“

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