Kerschenbach ruft "Kukuk"
Kerschenbach · Kunst, Kultur, Zusammenhalt: In der Gemeinde Kerschenbach will man sich für diese drei Dinge verstärkt einsetzen. Ortsbürgermeister Walter Schneider geht es vor allem darum, die Dorfgemeinschaft zu stärken.
Kerschenbach. Gerade haben die Kerschenbacher ihr drittes vorweihnachtliches Konzert in der Luziakapelle organisiert (TV von Donnerstag). Es war, wie die beiden vorigen in den Jahren 2013 und 2014, richtig schön, anschließend trafen sich alle im Gemeindehaus und feierten noch ein bisschen weiter.
Da kann man bestimmt noch mehr draus machen, dachten sich Ortsbürgermeister Walter Schneider und einige weitere engagierte Bürger im Dorf mit seinen 200 Einwohnern. Und hatten die Idee für einen Verein, der obendrüber stehen haben sollte: Kunst - Kultur - Kerschenbach, kurz: Kukuk.
Klingt schon mal klasse, muss aber noch mit Konkretem gefüllt werden. Konzerte - prima, klappt ja bisher. Kunst - mal gucken, sagt Schneider, der eine oder andere habe ja zumindest schon mal Skulpturen und Ähnliches im Garten stehen, da gehe vielleicht noch mehr, bestimmt auch im öffentlichen Raum. Dem Gemeindechef schwebt jedenfalls, wie er sagt, "ein Allround-Verein" vor - so ähnlich, wie es die Wallersheimer mit ihrer Bürgerhilfe vorgemacht haben (der TV berichtete). Außerdem gibt Schneider gern zu: "Mein Hauptanliegen ist das große K am Schluss - Kerschenbach. Ich erwarte dadurch Zusammenhalt."
Dass die Kerschenbacher in dieser Hinsicht zu allerhand fähig sind, haben sie schon öfter bewiesen - Gemeindehaus, Spiel- und Bolzplatz, Kapellenrenovierung, vor einigen Jahren die grandiose Aktion mit dem Glockenguss mitten im Dorf. Maler Nikola Duranowitsch, sagt Schneider, habe gerade aus eigenem Antrieb und ohne Bezahlung die Ruhebänke im Dorf gestrichen. Einige Neubürger haben sich ebenfalls, kurz nachdem sie eingezogen waren, für die Gemeinde eingesetzt. Beispiele sind Karin und Oskar Neubauer, die auch die Idee für das erste Luziakonzert hatten und es kräftig mitvorbereiteten. Oder Nicole und Jörg Manner, 2011 nach Kerschenbach gekommen: Er brachte im Gemeindehaus ein Tischtennistraining für die Jugend an die Platte. Heute hilft er einer Flüchtlingsfamilie beim Deutschlernen. Seine Frau Nicole wiederum regelt für deren sechsjährigen Jungen alles, was die Schule betrifft. Oder hilft, wenn es sonst irgendwo hapert: "Letztens war bei ihnen im Haus die Heizung kaputt, da habe ich einen Installateur besorgt." Es sei noch viel mehr zu tun, sagt sie, "wichtig wäre, wenn so ein Netzwerk entsteht".
Die Asylbewerber in der Gemeinde, derzeit sind es insgesamt acht, erhalten noch mehr Unterstützung: Marlene Maus-Guthausen kümmert sich um ein noch sehr junges afghanisches Ehepaar: "Die zwei sind total lieb, freundlich, ehrlich und sehr bemüht, unsere Sprache zu lernen", sagt sie. Auch Ajitha Thimmesch-Braun und ihr Mann Tommy, kürzlich aus Luxemburg ins Eifeldorf gezogen, helfen: Sie übernehmen Fahrdienste oder lassen die Flüchtlinge das Internet nutzen, damit sie den Kontakt in ihre Heimat halten können.
"Noch am Anfang"
Und diese wiederum danken es den Kerschenbachern: "Die beiden haben mir schon im Garten geholfen", sagt Marlene Maus-Guthausen. "Letztens kamen sie mit einem Topf - und hatten afghanisch für uns gekocht." Vorige Woche waren einige auch dabei, als der Christbaum am Dorfplatz geschmückt wurde.
Der Bürgermeister wünscht sich, dass sein Kukuks-Ei jetzt die Bürger zum Mitmachen animiert: "Wenn einer eine gute Idee hat, soll er sich melden. Da würden wir uns freuen, dann helfen wir. Keine Idee ist zu blöd, wenn sie für die Allgemeinheit von Vorteil ist."
Marlene Maus-Guthausen findet es jedenfalls gut, dass der Bürgermeister "das auf den Weg gebracht hat. Aber er ist ja auch sehr rührig".
"Wir sind noch am Anfang", sagt Walter Schneider. "Aber jeder bemängelt, es sei nichts los. Wir wollen was losmachen. ‚Geh doch zum Kuckuck' bekommt dadurch eine ganz andere Bedeutung", sagt er und lacht.
Meinung
Vom "K" zum "G"
Jetzt also ruft es "Kukuk" in Kerschenbach. Klar, die Initiative braucht noch ein bisschen Feinarbeit. Aber es kann etwas daraus werden, wenn jeder mit seinen Möglichkeiten mithilft. In der Gemeinde sind jedenfalls die richtigen Akteure engagiert zugange, wenn auch noch offen bleibt, welches "K" von Kukuk am Ende das stärkste ist. Beim Thema Integration - ob Neubürger oder Flüchtling - sind sie schon ganz vorn. Und sie zeigen: Wichtig ist vor allem das "G" - wie in "Gemeinschaft". f.linden@volksfreund.de