Kind der Liebe zu Heimat und Natur

Schleiden-Gemünd · Der Nationalpark Eifel besteht seit zehn Jahren und entwickelt sich prächtig - nach Meinung aller, die beim Jubiläum in Schleiden-Gemünd dabei waren.

 Johannes Remmel. Foto: Vera Junker

Johannes Remmel. Foto: Vera Junker

Schleiden-Gemünd. "Eigentlich feiern wir einen Kindergeburtstag", stellte Nordrhein-Westfalens Umweltminister Johannes Remmel eingangs seiner Ansprache fest. Und dennoch sei es ein Geburtstag, der nicht selbstverständlich sei, den es sich lohne zu feiern und in dessen Rahmen ein Blick zurück, aber auch in die Zukunft geworfen werden solle.
Zahlreiche Arten nachgewiesen


Seit nunmehr zehn Jahren gibt es den Nationalpark Eifel. Seit der Gründung des Schutzgebiets entwickeln sich Natur und Region im Gleichschritt. Die Zahlen sprechen in diesem Zusammenhang eine eindeutige Sprache: Mehr als 7800 Arten sind bereits nachgewiesen, bald wird der zweimillionste Gast an einem der fünf Eingangstore begrüßt, mehr als 60 Betriebe sind mittlerweile als Nationalpark-Gastgeber zertifiziert, 192 zertifizierte Natur- und Landschaftsführer sind im Park aktiv, und zahlreiche Schulen haben ihn im Unterricht thematisiert.
Da verwunderte es nicht, dass zahlreiche Vertreter von Land, Anrainer-Kommunen, Naturschutz-Verbänden und dem Nationalpark selbst im Gemünder Kursaal beim Festakt gratulierten. Unisono stellten sie fest, dass sich der Nationalpark zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt habe, von den Menschen angenommen werde und in der Region mittlerweile Bestandteil des Alltags sei. Dies bewiesen auch die zahlreichen Kooperationspartner, die sich rund ums Kurhaus mit ihren vielfältigen Angeboten und Tätigkeiten präsentierten.
Dass die Entwicklung des ersten Nationalparks in NRW derart positiv verläuft, hängt nach Auffassung von Minister Remmel nicht nur mit dem Zusammenhalt vor Ort, dem intensiven Austausch und der übergreifenden Zusammenarbeit zusammen: "Der Nationalpark Eifel ist ein Kind der Liebe zur Heimat und zur Natur."
Zwar gab und gibt es auch rund um den Nationalpark, seine Entwicklung und Ausrichtung immer wieder Diskussionen und zu meisternde Herausforderungen - doch sorgen eben diese dafür, dass es überhaupt eine Entwicklung geben kann. "Auch der Weg ist das Ziel", fasste es Remmel zusammen. Beispielhaft nannte der Minister das im Nationalpark geschaffene, ganzheitliche Angebot, das gehandicapte Menschen einbezieht. Ein solches Angebot sei bei der Gründung in dieser Form noch nicht geplant gewesen, nun aber ein Markenzeichen.
Hartmut Vogtmann, Präsident des deutschen Naturschutzrings, machte noch einmal auf die generelle Bedeutung von Nationalparks aufmerksam: Sie seien "eine nationale Notwendigkeit. Widerstände gegen diese kann ich nicht verstehen." Vogtmann forderte nachdrücklich ein Umdenken im Hinblick auf den Umgang mit dem Zwiespalt zwischen Nutzungsinteressen und Schutzinteressen der Natur. Für seinen Satz "Naturschutz ist Menschenschutz" erhielt Vogtmann lautstarken Applaus.
Das Schutzinteresse steht im Nationalpark Eifel im Vordergrund. Positiver Nebeneffekt sei, so konstatierte Schleidens Bürgermeister Udo Meister, dass der Nationalpark sich als ein zentraler Baustein der touristischen Entwicklung der Region etabliert habe. Das oberste Ziel des Nationalparks, "Natur Natur sein lassen", soll in Zukunft nicht aus den Augen verloren werden. "Der Nationalpark wird bald Teenager. Und wie das in der Pubertät so ist, wird er wilder", formulierte es Minister Remmel. Er bezog sich dabei auf die angestrebte Verringerung menschlicher Eingriffe in Form von Pflege- oder Managementmaßnahmen. Remmel forderte in diesem Zuge auch dazu auf, Geduld mitzubringen: "Wir sollten uns und der Wildnis die entsprechende Zeit geben." vju