Kinder wollen zahmen Hirsch retten

Seit Ende März streift ein Damhirsch durch die Lünebacher Vorgärten und macht sich damit nicht nur Freunde. Die Kinder Dennis Hoffmann (8) und Katharina Gieretz (9) haben ihn allerdings fest ins Herz geschlossen und starten die Aktion "Der Hirsch soll leben".

 Mit Flugblättern und einem Schild haben Dennis Hoffmann und Katharina Gieretz die Bewohner von Lünebach auf ihren Damhirsch „Hirschi“ aufmerksam gemacht. TV-Foto: Beate Hau

Mit Flugblättern und einem Schild haben Dennis Hoffmann und Katharina Gieretz die Bewohner von Lünebach auf ihren Damhirsch „Hirschi“ aufmerksam gemacht. TV-Foto: Beate Hau

Lünebach. Ein Hirsch, der seelenruhig im Vorgarten liegt, oder ein Geweih, das plötzlich am Fenster vorbeispaziert, darüber wundert sich in Lünebach kaum noch jemand. Ende März feiert Katharina Gieretz gerade Kindergeburtstag, als sie plötzlich auf der Wiese einen Hirsch entdeckt.

Aufgeregt erzählt sie ihrem Freund Dennis Hoffmann, was sie gesehen hat, und beide machen sich gemeinsam mit zwei weiteren Freunden auf den Weg, um den Hirsch zu suchen. Auf der Schafwiese unterhalb des Hauses steht er plötzlich vor ihnen. Schnell wollen sie die Tore schließen, damit der Hirsch nicht entkommen kann. "Aber dann bemerkten wir, dass er humpelte und gar nicht weglaufen wollte", erzählt Katharina. Die Kinder näherten sich ihm behutsam, und von da an kam der Hirsch immer wieder, hob mit seinem Geweih den Zaun an, schlüpfte hindurch und legte sich auf die Wiese.

Nachdem klar war, dass im nahegelegenen Eifel-Zoo kein Hirsch vermisst wurde, und sich auch niemand um ihn kümmerte, erklärten Katharina und Dennis eben dies zu ihrer Aufgabe. Sie gaben ihm täglich zu fressen und schleppten sogar einen Eimer Wasser zu ihrem "Patienten" auf die Schafwiese.

Damwild wird für Dorfbewohner zum Problem



"Wir nennen ihn Hirschi, und weiter unten im Dorf heißt er Rudi", erklärt Dennis und spricht damit auch ein großes Problem an: "Hirschi" hatte sich schnell erholt und seine natürliche Scheu abgelegt.

Regelmäßig streifte er um die Häuser und fand zunehmend Gefallen an den erblühenden Gärten. Bald war er im ganzen Dorf berühmt und auch berüchtigt, weil er alles fraß, was gerade aus der Erde spross. Dennis sagt zwar "Ich finde es nicht so schlimm, wenn er unseren Salat frisst", aber seine Mutter Beate sieht das schon etwas differenzierter: "Ich kann gut verstehen, dass die Leute verärgert sind", sagt sie. Auch Katharinas Mutter Andrea war nicht wirklich begeistert vom neuen Freund ihrer Tochter.

Als vermehrt Stimmen laut wurden, den Hirsch aus der Nähe des Dorfes zu vertreiben, organisierten die Kinder - auch gegen den Widerstand aus den eigenen Reihen - eine Rettungsaktion. Aus Angst, der Hirsch könnte von Jägern erschossen werden, verteilten sie Flugblätter, malten ein Schild mit der Aufschrift "Der Hirsch soll leben" und gingen von Tür zu Tür, um mit den verärgerten Nachbarn zu sprechen und ihnen zu erzählen, wie viel "Hirschi" ihnen bedeutet.

Seit ein paar Wochen erscheint er nun nicht mehr so regelmäßig - es ist Brunftzeit. Freitagsabends legen die Kinder sich mit dem Fernglas auf "Hirschi-Wache". Da kommt es schon mal vor, dass Dennis plötzlich in Schlafanzug und Gummistiefeln aus dem Haus stürmt und ruft: "Hirschi ist wieder da!"

Dennis und Katharina warten auf Wiedersehen



Als Erinnerung bleibt den beiden auf jeden Fall das Geweih, das der Hirsch im Mai abgeworfen hat. Dennis und Katharina hoffen, dass "Hirschi" jetzt unterwegs ist, um sich eine Freundin zu suchen, und dass sie bald am Freitagabend jubeln können: "Hirschi und seine Familie sind wieder da!" So ein kleines Hirschkalb hat ja schon so manches Herz erweichen können, und wer weiß, vielleicht auch das eines verärgerten Gartenbesitzers. EXTRA Damhirsche (lat. Dama Dama) gehören zur Familie der Hirsche. In Europa ist der europäische Damhirsch (lat. Dama Dama) heimisch. Sie sind größer als Rehböcke, aber kleiner und leichter als ein Rothirsch. Sie erreichen eine Schulterhöhe von rund einem Meter und ein Gewicht von bis zu 110 Kilogramm. Damhirsche sind Wiederkäuer und ernähren sich von Gras und Laub, sie verbeißen zwar auch die Rinde von Bäumen, richten aber keine so großen Schäden an wie beispielsweise ein Rothirsch. Sie sind allerdings auch nicht so scheu und vorsichtig wie Rothirsche. (Quelle: Wikipedia)