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Kindergarten der Lebenshilfe in Prüm soll für 1,5 Millionen Euro erweitert werden

Lebenshilfe Prüm : Kindergarten soll für 1,5 Millionen Euro erweitert werden

Die Lebenshilfe Prüm plant die Erweiterung der integrativen Einrichtung. Das Gebäude im Eulenrech soll um eine Etage aufgestockt werden. Insgesamt werden 1,5 Millionen Euro investiert.

Für Karl-Heinz Thommes, Mitbegründer der Lebenshilfe Prüm, ist der Tag, an dem wir unser Gespräch führen, ein ganz besonderer: „Heute vor 50 Jahren haben wir den ersten Sonderkindergarten in der Alten Schule in Wascheid eröffnet.“ Sein Sohn war damals vier Jahre alt. Vier Jahre später war es dann auch in Prüm soweit: 1974 wurde der Sonderkindergarten im Eulenrech eingeweiht.

Den Termin für das Gespräch hätte man also gar nicht besser wählen können. Denn es geht um die Erweiterung der Kita. Die ist nötig, weil sich das Modell so erfolgreich weiterentwickelt hat, dass die Nachfrage das Platzangebot übersteigt.

Zu Beginn wurden Vorschulkinder mit Förderbedarf aufgenommen. „Wir waren Vorreiter mit diesem Angebot, bei dem Kinder mit Behinderung dieselben Rechte haben wie Kinder ohne Behinderung“, sagt Guido Kirsch, seit gut einem Jahr Geschäftsführer der Lebenshilfe Prüm.

Die Kita wurde immer wieder ein bisschen um – oder angebaut, das Konzept an neue Herausforderungen angepasst. Doch aktuell herrscht wieder Platznot. Die Lebenshilfe Prüm möchte nun auch Raum schaffen für beeinträchtige Kinder, die jünger als zwei Jahre alt sind.

Dazu soll das vorhandene Gebäude um eine Etage aufgestockt werden. Zurzeit besuchen 49 Kinder, davon 14 mit Förderbedarf, die Einrichtung. Es gibt zwei integrative Gruppen und eine kleine altersgemischte Gruppen. Geplant ist, 25 weitere Plätze zu schaffen, für 18 Regel- und sieben Förderkinder. „In beiden Bereichen ist der Bedarf sehr groß. Wir haben sehr viele Anfragen“, sagt Kirsch. In den vergangenen fünf Jahren sei der Kindergarten regelmäßig überbelegt gewesen.

Soll aufgestockt werden: Die Kindertagesstätte der Lebenshilfe wird um eine Etage vergrößert die oben auf das Dach kommen soll. Foto: TV/Stefanie Glandien

Das soll sich künftig ändern. „Wir wollen für Kinder, die besonderen Bedarf haben, etwas schaffen, das notwendig ist“, sagt er. Wichtig sei ihm dabei, dass der Fokus auf dem Kind liege. Diese Philosophie hat Kirsch auch schon während seiner Zeit als Leiter der Astrid-Lindgren-Schule beherzigt.

Warum die Lebenshilfe vom Sonderkindergarten zu einem integrativen Modell umschwenkte, erklärt Thommes so: „1981 haben wir mit den ersten integrativen Gruppen begonnen. Damals hatten wir plötzlich weniger behinderte Kinder. Aber die anderen Einrichtungen in Prüm waren überfüllt.“ So habe man die Eltern gefragt, ob sie nicht Interesse hätten, ihre Kinder in die Kita der Lebenshilfe zu schicken.

Das Angebot war attraktiv und das ist auch heute noch so. Die Integrative Kita verfügt über qualifizierte Therapeuten, die spezielle Förderung anbieten und zwar für alle Kinder. „Das nenne ich umgekehrte Inklusion“, sagt Kirsch. So gibt es Sprachförderung durch einen Logopäden, Krankengymnastik, Reittherapie, und das Schwimmbad der Astrid-Lindgren-Schule darf mitgenutzt werden. Insgesamt 20 Erzieher und Therapeuten kümmern sich um das Wohl der Kinder.

Thommes beobachtet auch eine Veränderung bei der Art der Behinderungen. So gebe es immer weniger Kinder mit Down-Syndrom, dafür steige die Zahl der Kinder, die zum Beispiel unter Herz-Kreislauf-, Atemwegs- oder motorischen Problemen leiden. Auch registriert Thommes eine Zunahme von sozial-emotional gestörten Kindern. „Deswegen brauchen wir auch spezielle Räume, um die Entwicklung dieser Kinder fördern zu können“, sagt Kirsch.

„Wir haben eine weiter wachsende Nachfrage für Kinder mit besonderem Förderbedarf“, sagt Aloysius Söhngen, Erster Vorsitzender der Kreisvereinigung Lebenshilfe Prüm. „Und da wir ganz erfolgreich eine integrative Kita betreiben für Kinder mit Einschränkung und Regelkinder, ist es notwendig, dass wir dort erweitern“, sagt er. Das Konzept solle weiter fortgesetzt werden, denn das sei auch ein wichtiger Beitrag „zur Integration behinderter Menschen in unserer Region“.

Insgesamt wird die Erweiterung 1,5 Millionen Euro kosten. Die Lebenshilfe beteiligt sich mit Eigenmitteln von rund 70 000 Euro. Für 640 000 Euro nimmt sie einen Kredit auf. Das Land Rheinland-Pfalz gibt einen Zuschuss von 300 000 Euro, der Kreis 130 000 Euro und die Stadt Prüm 356 000 Euro. „Wir sind dankbar, dass das Prümer Land und der Eifelkreis uns so unterstützen“, sagt Kirsch.

Bei der Einrichtung der Gebäude sei man allerdings wieder auf die Spendenbereitschaft der Menschen angewiesen, sagt Thommes, der da aber hoffnungsfroh ist: „Im Prümer Land sind wir gut aufgestellt, die Bevölkerung war immer auf unserer Seite.“

Zurzeit liegen die Pläne bei der Kreisverwaltung, anschließend muss noch das Land grünes Licht geben. Läuft alles nach Plan, kann im kommenden Sommer angefangen werden, hofft Kirsch. Umgebaut werden soll im laufenden Betrieb. Der Geschäftsführer der Lebenshilfe Prüm hat damit schon Erfahrung, denn auch die Astrid-Lindgren-Schule wurde bei laufendem Schulbetrieb umgebaut. Im Sommer 2022 sollen die neuen Räume bezugsfertig sein.

Das Interesse an den neuen Plätzen ist schon jetzt hoch. Im nahen Umfeld gibt es Neubaugebiete, die Kita liegt sozusagen vor der Haustür. Während die Regelkinder aus Prüm stammen, kommen die Förderkinder aus dem ganzen Altkreis Prüm.