Kirche in der Krise: Was tun?

Podiumsdiskussion : Kirche in der Krise: Was tun?

Haben Kirche und Glaube noch Zukunft? Mit dieser Frage beschäftigen sich am kommenden Sonntag die Teilnehmer einer Podiumsdiskussion auf dem Kyllburger Stiftsberg.

Die zunehmende Zahl an Austritten hat für die Kirche auch etwas Gutes: Dadurch nämlich werden zumindest die Probleme mit dem Priestermangel ein wenig gelindert. Das ist katholischer Galgenhumor. Und in Zeiten, in denen immer mehr Menschen den Glauben an den Glauben, vor allem aber an die Kirche verlieren, wird dieser dringend benötigt. Die unzähligen Missbrauchsfälle und die Art und Weise, wie die Kirche damit umgeht, haben nicht unbedingt zum Vertrauensaufbau in die Institution beigetragen. In den zehn größten deutschen Städten ist die Zahl der Kirchenaustritte 2018 gegenüber dem Vorjahr um 17 Prozent gestiegen.

Auch in der ländlich geprägten Region des Bistums Trier geht die Zahl an Katholiken von Jahr zu Jahr zurück. Waren vor gut zehn Jahren noch 60 Prozent der Bevölkerung Katholiken im Sinne der Kirchenzugehörigkeit, so liegt der Wert inzwischen nur noch bei rund 50 Prozent. Inwieweit dabei der fehlende Glauben oder aber das fehlende Vertrauen in die Institution ausschlaggebend sind, geht aus diesen Zahlen nicht hervor. Doch dass die katholische Kirche auf beiden Ebenen in einer Krise steckt, ist unbestritten.

Haben Glaube und Kirche angesichts dieser Entwicklungen überhaupt noch eine Zukunft? „Ich denke schon“, sagt Harald Klein, Geschäftsführer der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) im Bistum Trier, die sich am kommenden Palmsonntag im Rahmen einer Podiumsdiskussion mit dieser Fragestellung auseinandersetzen will. Kirche und Glaube hätten durchaus eine Chance, so Klein. „Das aber auch nur, wenn es bei den handelnden Personen und auch bei den Christen vor Ort zu einem Umdenken kommt.“ Dort, wo sich Menschen in der Gemeinschaft engagierten, sei die Verbundenheit zur Kirche meist auch stärker ausgeprägt, sagt der Diözesanreferent. Er betont aber auch, dass Gläubigkeit nicht mit Kirchenzugehörigkeit glelichzusetzen sei. Der alleinige Besuch des sonntäglichen Gottesdienstes sei weder ein Beleg für den christlichen Glauben noch eine Voraussetzung.

Es sei wesentliche Aufgabe der Kirche, den Menschen dabei zu helfen, mit Gott in Kontakt zu kommen, erklärt Klaus Bender. Der 65-Jährige ist leitender Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Kyllburg, Dechant des Dekanats Bitburg und geistlicher Beirat der KLB Trier. Zudem ist er Organisator und Teilnehmer der von Herbert Fandel moderierten Diskussionsveranstaltung. „Es wäre fatal, wenn die Menschen uns Amtsträger nur als seelenlose Funktionäre erlebten, die vom Zeitgeist getrieben werden“, so Bender. „Die Kirche der Zukunft darf sich nicht im Diesseits einmauern“, ist er überzeugt.

„Ich habe den Glauben an die Kirche eigentlich nicht verloren. Aber im Gottesdienst der Kirche finde ich heute nichts mehr, wo ich mit meinen Lebenserfahrungen andocken könnte“, meint Sathia Heinicke. Die junge Pflegepädagogin aus St. Thomas ist ebenfalls Teilnehmerin der Gesprächsrunde und gehört zu den Menschen, die an der Glaubwürdigkeit der Institution Kirche zweifeln: „Auch wenn sie es gerne so darstellt, ist sie keine Kirche der Armen.“

Auch Stephanie Stoller aus Oberkail tut sich schwer mit der Kirche und hat daraus für sich Konsequenzen gezogen. Die 34-Jährige arbeitet im Management des Bildungs- und Freizeitrums auf dem Kyllburger Stiftsberg und hat sich dazu entschieden, aus der Kirche auszutreten.

„Ich bin überzeugt, dass man auch ohne den christlichen Glauben gut und richtig leben kann“, sagt Stoller, die ebenfalls an der Veranstaltung teilnimmt. Irgendwann sei ihr klar geworden, dass der Glaube für sie keine Bedeutung habe.

Ganz anders verhält es sich bei Pater Christoph Mingers, Rektor des Exerzitienhauses St. Thomas. Sein persönlicher Weg der Nachfolge Jesu hat ihn, wie er sagt, in den Franziskanerorden geführt. Das Ideal seines Ordens bestehe darin, auf nicht notwendige materielle Güter zu verzichten und durch diese Lebensweise den Glauben zu bezeugen, erklärt der 55-Jährige. Er sieht seine Aufgabe darin, „Verständnis für die Wahrheiten des Glaubens zu wecken“. Ob ihm das in der Diskussionsveranstaltung gelingen kann, wird sich zeigen.

Ebenfalls in der Runde mit dabei ist der in Rittersdorf lebende stellvertretende Chefredakteur des Volksfreunds, Damian Schwickerath. Er ist der Auffassung, dass lebendiger, christlicher Glaube immer eine Art Heimat mit festen Formen und vertrauten Riten brauche. „Es liegt in der Verantwortung der Bistumsleitung, die Rahmenbedingung für diese Beheimatung zu schaffen“, so Schwickerath. Letztendlich aber liege die Zukunft der Kirche auf dem Land in den Händen der Menschen vor Ort.

Die Diskussionsrunde im großen Hörsaal des Kyllburger Bildungshauses auf dem Stiftsberg ist am Palmsonntag, 14. April, und beginnt um 16 Uhr. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung vom Jugendchor Pronsfeld. Gegen 18 Uhr endet das Programm mit einer kurzen Segensfeier in der Stiftskirche. Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.

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