Kita schreibt Stelle neu aus

Kita schreibt Stelle neu aus

Das Landesjugendamt hat zwei Bewerberinnen auf eine Stelle bei der Kita Neuerburg abgelehnt, weil diese nicht den gewünschten Migrationshintergrund hatten (der TV berichtete). Nun haben sich die Verantwortlichen geeinigt: Die Einrichtung darf jetzt eine interkulturelle Fachkraft einstellen - auch wenn diese nicht aus einem Land wie Syrien stammt.

Neuerburg. "Jetzt sollten sich unsere Chancen erheblich vergrößern, jemanden zu finden", sagt Anna Kling. Die Bürgermeisterin der Stadt Neuerburg ist erleichtert: Gemeinsam mit dem Land haben die Vertreter der beteiligten Behörden endlich eine Lösung gefunden, mit der alle leben können. Ganz bestimmt auch die Kinder in der Kita Neuerburg.
Für die nämlich soll eine interkulturelle Fachkraft her. Insbesondere für die ausländischen Kinder. 110 Kinder gehen zurzeit in die Kita Neuerburg, 26 davon haben einen Mitgrationshintergrund.
Doch die Suche nach einer für den Job geeigneten Bewerberin gestaltete sich schwierig: Obwohl die Kita zwei passende Kandidatinnen gefunden zu haben glaubte, lehnte das Landesjugendamt die Frauen ab. Der Grund: Die eine war Deutsche und besaß nicht den geforderten Migrationshintergrund, die andere den falschen. Sie kam aus Kasachstan - das Landesjugendamt aber wünschte sich angesichts der steigenden Zahl von Flüchtlingskindern aus Ländern wie Syrien eine Kraft mit eben dazu passenden Kompetenzen.
Bei der Sache geht es auch um's Geld: Dass sich die Kita, eine städtische Einrichtung, bei der Auswahl der Bewerberin nach der Meinung des Landesjugendamts richtet, liegt daran, dass die Kosten für die neue Stelle im Idealfall zu 60 Prozent eben auch vom Land getragen werden, der Rest vom Kreis. Letzterer hätte beide Male die vorgeschlagene Kandidatin mitgetragen.
Das Anforderungsprofil, das neben einem Migrationshintergrund natürlich auch eine pädagigsche Eignung sowie entsprechende Fremdsprachenkenntnisse umfasst: schlicht zu üppig, um es je erfüllen zu können? "Wir haben so jemanden hier aber einfach nicht gefunden", sagt Anna Kling. "Das funktioniert vielleicht in der Großstadt, aber nicht hier."
Aber selbst dort hat man die Wunschliste des Landes als "diskriminierend" aufgefasst. Nach unserem TV-Bericht erreicht uns auch eine Kopie des Schreibens, das Helga Müller-Haufe aus Berlin an Ministerpräsidentin Malu Dreyer geschickt hat. Niemand dürfe wegen seiner Herkunft benachteiligt werden, schreibt die aus der Eifel stammende Müller-Haufe darin. "Es ist nicht vermittelbar, warum einer nach deutschen Qualitätsnormen ausgebildeten Erzieherin pauschal die Fähigkeit abgesprochen wird, Kinder unterschiedlicher Herkunft zu betreuen und sowohl kulturell als auch sprachlich zu integrieren." Das Landesjugendamt hat nach einem erneuten Gespräch mit der Kita-Leitung, Verbandsgemeinde und Kreis nun auch eingelenkt. "Die neue Fachkraft muss nicht zwingend einen Migrationshintergrund haben", sagt Anna Kling. Die Stelle werde nun erneut ausgeschrieben - nun auch eine ganze, nicht mehr nur eine halbe.
Und nur, damit eins klar ist, sagt Anna Kling: "Natürlich dürfen sich auch dann Leute bewerben, die einen Migrationshintergrund haben."