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Klappern, Färben, Suchen und Schießen - Brauchtum zum Osterfest

Klappern, Färben, Suchen und Schießen - Brauchtum zum Osterfest

Ostereier färben, verstecken und titschen: Das ist land auf, land ab wohl eines der bekanntesten Osterbräuche. Aber speziell im Eifelkreis gibt es zum Osterfest noch Traditionen und Veranstaltungen, die sich in dieser Art nur in der Eifel eingebürgert haben.

Klappern, Färben, Suchen und Schießen - Brauchtum zum Osterfest
Foto: (e_bit )
Klappern, Färben, Suchen und Schießen - Brauchtum zum Osterfest
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Klappern, Färben, Suchen und Schießen - Brauchtum zum Osterfest
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Eierlagen: Auch dieses Jahr startet in Schönecken und in anderen Orten die Eierlage. "Das ist eine sehr reiche Tradition", sagt Ortsbürgermeister Matthias Antony. Tatsächlich ist der Wettstreit zwischen den Läufern und Raffern bei der Eierlage etwa 300 Jahre alt. Während der Läufer eine Strecke von etwa sieben Kilometern rennt, muss der Raffer 104 Eier aufsammeln, ohne sie dabei zu beschädigen. Im Eifelkreis gibt es noch weitere Gemeinden, die dieses Jahr eine Eierlage ausrichten: Auch in Echternacherbrück, Bollendorf, Geichlingen, Neuerburg und Neroth findet der Wettkampf statt. Wer sich über die Historie des Brauchtums genauer informieren möchte, dem empfiehlt Antony die Internetseite www.eierlage.de

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Scharf geschossen: Die Schützenvereine St. Sebastianus aus Bitburg und der Schützenverein Körperich laden für Karsamstag, 13 bis 18 Uhr, und Ostermontag, 10 bis 12 Uhr, nach Bitburg-Matzen zum Ostereierschießen am Sonnenhof ein. "Das ist vor allem für jüngere Besucher gedacht", erklärt der erste Vorsitzende des Bitburger Schützenvereins, Hans Sonnen. Denn die kleinen Gäste dürfen ebenfalls die Gewehre anlegen und mit Laserwaffen auf Zielscheiben schießen. Für ältere Schützen gibt es kleine Kaliber und Luftgewehre. Je mehr Zielscheiben man trifft, desto mehr Ostereier gibt es! In Körperich findet das Ostereierschießen auf dem Schießstand in Körperich-Niedersgegen am Montag ab 10 Uhr statt.

Tierischer Beitrag: Für Veranstaltungen wie die Eierlage oder das Ostereierschießen sind eine ganze Menge Ostereier nötig. Ursprünglich waren Eier ein Symbol für neues Leben und Fruchtbarkeit. Besonders für Christen nimmt das Osterei eine besondere Stellung ein. Denn das Küken, das aus dem Ei schlüpft , steht symbolisch für die Auferstehung von Jesus am Ostersonntag.
Das Ostereierfärben geht hingegen auf eine mittelalterliche Tradition zurück. In der Fastenzeit wurden damals auch keine Eier gegessen. Deshalb kochte man Eier, die in der Karwoche gelegt wurden, um sie länger haltbar zu machen. Schließlich gab es damals keinen Kühlschrank. Zusätzlich färbte man die Kareier rot, um sie von anderen zu unterscheiden. Kareier galten als besonders heilig, die rote Farbe erinnert an das Blut Jesu bei dessen Opfertod am Kreuz.
Am Ostersonntag wurden die Eier gesegnet und verschenkt. Das Färben in bunten Farben ist eine vergleichsweise moderne Tradition. Vor allem Kindern macht das Ostereierfärben Spaß: Im Bitburger Kindergarten Altes Gymnasium haben die Kinder 70 Eier bemalt. "Auch Kleinkinder unter drei Jahren haben mitgemacht", erzählt die Kindergärtnerin Waltraud Wengler: "Wir haben Farben zum Beispiel aus Roter Beete und Spinat gewonnen, damit auch alles schön natürlich bleibt." Für jedes Kind wurden anschließend einige der selbstbemalten Ostereier versteckt, die sie nach einer erfolgreichen Suche auch mit nach Hause nehmen durften. Etwas einfacher ist da wohl die Suche nach Ostereiern im Supermarkt: "Ostern gibt es immer eine besondere Nachfragespitze", sagt Doris Lehnertz vom Geflügelhof Lehnertz in Habscheid. Kein Wunder, dass die Hennen zu dieser Zeit Überstunden machen, denn gerade zu Ostern sind die bunten Eier sehr gefragt. Die gibt es in großen 30er-Packungen, als Eierkorb mit 15 Stück oder als handlichen Sechserpack.

Er darf nicht fehlen: Obwohl er - und da teilt er das gleiche Schicksal wie der Weihnachtsmann - noch nirgends gesehen wurde, gehört der Osterhase zum Fest dazu. Dieser Brauch entstand vor 300 Jahren in der Pfalz, erst im 19. Jahrhundert setzte er sich in ganz Deutschland durch. Alte Übersetzungen der Bibel sprechen von dem Hasen oder dem Kaninchen als Symbol für Christus. Da die Langohren keine Augenlider haben, schlafen sie mit offenen Augen. Die Menschen glaubten daher, dass Hasen nicht schlafen - so wie Jesus nicht im Tod entschlafen sei.
Da sich Kaninchen schnell vermehren, findet man hier auch eine passende Verbindung zu Ostern, dem Fest der Auferstehung und des Lebens. Eine besondere Liebe zu den hoppelnden Tieren haben die Mitglieder des Kaninchenzuchtvereins Südeifel entwickelt. "Es gibt eine große Vielfalt bei den Kaninchenrassen", sagt der Vorsitzende Erwin Habscheid. Fellfarbe und Körperbau sind nur zwei von zahlreichen Merkmalen. Es gibt Kaninchen, die bis zu elf Kilo schwer werden können! "Kaninchen sind auch recht einfach zu pflegen, wenn man sie mit anderen Haustieren vergleicht." Auch Habscheids Tochter ist eingetragene Jungzüchterin des Vereins. Ihre Tiere verkaufen sie nur an ausgesuchte Züchter weiter.

Rund um das Fest werden in Kirchen Osterkerzen angezündet. Sie brennen in jedem Gottesdienst in der Osterzeit bis Pfingsten. "Das ist die bedeutendste Kerze im christlichen Glauben", sagt der Bitburger Diakon Peter Weber. "Sie symbolisiert den Kern des christlichen Glaubens: Jesus hat das Licht in die dunkle Welt gebracht und den Tod besiegt. Beim Einzug in die Kirche wird daher das Lumen Christi gesungen." Das Osterfeuer, an dem die Osterkerze entzündet wird, hatte jedoch schon für Menschen in vorchristlicher Zeit eine Art spirituelle Bedeutung. Mit Frühlings- und Freudenfeuern wurden die Sonne und insbesondere die ersehnte Zeit nach dem Winter begrüßt. Bei den Römern sorgten sechs Vestalinnen, Priesterinnen der Göttin Vesta, dafür, dass das heilige Feuer nicht erlischt.
Speziell im Christentum nimmt das Weihwasser an Ostern eine besondere Rolle ein. Wasser ist ein Symbol für die Reinigung und das Leben. "Früher war die Osternacht der einzige Tauftermin für Christen", erklärt Dechant Klaus Bender aus Kyllburg: "Als es immer mehr Christen gab, wurden die Termine aber auf das Jahr ausgeweitet." An Ostern wird das Weihwasser noch gereinigt und bis Pfingsten benutzt. Taufen um die Osterzeit sind immer noch beliebt. Zum Beispiel sind in Irrel 2016 in diesem Zeitraum die Taufen von zwei Erwachsenen und einem Kind geplant.

Feierlich begehen Christen die Woche nach Ostern, die kirchliche Osteroktav. Eine Woche lang, bis zum sogenannten Weißen Sonntag (erster Sonntag nach Ostern), finden regelmäßig besondere Kirchmessen statt. Dann werden die Apostelgeschichten zur Auferstehung von Jesus Christus erzählt. Neben der Osteroktav gibt es auch eine Weihnachtsoktav vom 25. Dezember bis zum 1. Januar. Am Weißen Sonntag endet die Osteroktav mit dem traditionellen Termin für Kommunionen. Zum Abschluss der Feiertage erklingt am Ostermontag in der Abtei Himmerod um 15 Uhr ein Osterkonzert. Organist Wolfgang Valerius: "Es ist ein schöner Abschluss der Osterzeit, besonders für Familien."

Etwas Besonderes ist auch, dass Juden das im gleichen Zeitraum wie das christliche Osterfest gelegene Pessachfest feiern, um sich den Auszug aus Ägypten und die Flucht vor dem Pharao zu vergegenwärtigen. Laut dem Alten Testament sollten die Hebräer ihre Häuser mit dem Blut eines Lammes markieren. Das sollte die Juden vor der zehnten und schlimmsten Plage Gottes schützen. "Das jüdische Pessachfest hat symbolisch mit dem christlichen Ostern nicht viel gemein", sagt dazu ein Angehöriger der jüdischen Gemeinde in Trier, Gerd Vorenberg.
Im Christentum ist das Lamm als Opfertier ein Symbol für Jesus Christus. An Ostern wird daher üblicherweise ein Lamm zubereitet und verzehrt. Da sich aber früher nicht jeder ein Lamm leisten konnte, hat sich als Ersatz das Backen eines Osterbrots in Form eines Lammes durchgesetzt.

So wichtig wie das Osterei ist für viele auch das Osterbrot. Es wird häufig in der Form eines Lammes gebacken und steht stellvertretend für das Osterlamm ein Symbol für Leben, Reinheit und friedliche Lebensweise. Wer sich kein Schafsfleisch leisten kann, hat mit dem Osterbrot eine schmackhafte Alternative. Um die ganzen Leckereien dann auch richtig zu verdauen, gibt es Osterwanderungen, die vielerorts organisiert werden. Während die Erwachsenen wandern, können die Kinder mit Rappeln ordentlich Krach machen!

Trauer um den Tod Jesu: An den Kartagen ersetzen Rappeln die Glocken in den Kirchen. Als Symbol für die Trauer um den Tod Jesu machen manche Christen ihren Kindern zu Ostern weis, dass "die Glocken nach Rom fliegen". Für den Bau von Rappeln ist das richtige Holz wichtig: "Buchen- oder Eichenholz hat meist einen sehr schönen Klang", erklärte der Altricher Rappelmacher Franz Traut. Schon seit 1988 fertigt er Rappeln für den Eifelkreis und darüber hinaus an: "Bis heute habe ich ungefähr 4000 Rappeln angefertigt." Die Rappeln werden auch nach Trier und Saarbrücken geschickt. In der Osternacht kehrt der Glockenklang wieder zurück. Bis dahin machen die hölzernen Rappeln die Kirchgänger auf die Messen aufmerksam. Doch auch für Kinder sind die hölzernen Krachmacher ein willkommenes Osterspielzeug.

Das Klappern mit den Rappeln übernehmen meistens Messdiener. Am Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag ziehen die jungen Leute los. Der letzte Gottesdienst, der mit Klappern angekündigt wird, ist die Auferstehungsmesse in der Nacht zu Ostersonntag, danach "kehren die Glocken aus Rom zurück". Eine Besonderheit beim Klappern gibt es in Rittersdorf: "Hier wird auch in den Nächten von Karfreitag und Karsamstag zu den Gehöften gepilgert und geklappert", sagt Matthias Riemann, der selber bis heute ein begeisterter Klapper ist.
Zur Stärkung nehmen die Messdiener Ostereier und Fleischwurst mit auf den Weg. Auch dieses Jahr ist in Rittersdorf ein Nachtklappern geplant. Riemann: "Für uns Messdiener ist das der Höhepunkt der Ostertage."