Klares "Ja" zur Dorfschule Der Blick geht in alle Richtungen

Der Gutachter Wolf Krämer-Mandeau empfiehlt der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, sich für den Erhalt der Schulstandorte Prüm, Bleialf (jeweils Realschule plus) und Schönecken (Außenstelle) einzusetzen. Der VG-Rat will dazu in seiner nächsten Sitzung einen Beschluss fassen. Prüm, Neuerburg oder Bleialf: An welchen zentralen Schulstandort sich die Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld mit einer möglichen Außenstelle anschließt, ist völlig offen.

 Projekt zur Berufsorientierung: Mitglieder des Handwerkervereins Schönecken informierten Achtklässler der Grund- und Hauptschule Schönecken aus erster Hand. Foto: GHS Schönecken

Projekt zur Berufsorientierung: Mitglieder des Handwerkervereins Schönecken informierten Achtklässler der Grund- und Hauptschule Schönecken aus erster Hand. Foto: GHS Schönecken

Prüm. "Die Überalterung ist im Kreis Bitburg-Prüm schon angekommen. 95 Prozent aller Kinder, die in den nächsten zehn Jahren eine weiterführende Schule besuchen, kennen Sie schon, denn nur marginal ist die Veränderung durch Zuzüge", sagt Wolf Krämer-Mandeau von der Bonner Projektgruppe "Bildung und Region". Er stellte am Donnerstag dem VG-Rat das Gutachten zur Perspektivplanung der Schulen und Kindertagesstätten im Eifelkreis Bitburg-Prüm mit seinen Auswirkungen auf die Schulstandorte in der VG Prüm vor. Krämer-Mandeau befürchtet, dass die Landesregierung die gleiche Elle in der Eifel anlegt, wie in Mainz, doch "das kann nicht sein". In den Grundschulen stehe vielleicht in Zukunft der ein oder andere Klassenraum leer, aber die Grundschulstandorte seien ein kostbares Gut und sollten erhalten bleiben. Da mit zwei Lehrkräften nicht mehr alles abzudecken sei, müssten sich Lehrer darauf einstellen, mehr zu fahren, lautet seine Forderung. Nicht nur die Grundschullehrer, auch die Lehrer der zukünftigen Realschule plus müssen flexibler sein, will man die Standorte in der Fläche behalten, sagt der Experte. Krämer-Mandeau hat errechnet, dass künftig mit 108 Schülern pro Jahrgang für die Realschule plus in den Standorten Prüm und Bleialf zu rechnen ist. Seine Idee: In Waxweiler könnte eine Außenstelle von Bleialf entstehen, mit 5. und 6. Klasse. Der ortsnahe Erhalt der Grund- und Sekundarschulen sei wichtig, sonst habe man prosperierende Städte und leer stehende Schulen in den Dörfern. "Bereiten Sie alle Schulen auf die Ganztagsfähigkeit vor", war noch eine Empfehlung des Experten. Sehr wichtig sei auch, die Berufsbildende Schule in Prüm gut auszustatten, am besten mit der Möglichkeit, dort die Fachoberschulreife abzulegen. "Hauptschüler dürfen nicht Verlierer sein"

VG-Bürgermeister Aloysius Söhngen (CDU) betonte, dass bei der VG der Wunsch groß sei, weiterhin Träger der fortführenden Schulen zu sein. Laut Gesetzentwurf sollen die Kreise Schulträger werden, nur in Ausnahmefällen kann eine VG Träger bleiben. Die Schulleiter Peter Pelz vom Regino-Gymnasium, Hugo Stolz von der Realschule Prüm, Helmut Thomas von der Hauptschule Prüm, Udo Stein von der Regionalen Schule Bleialf und Gerhard Elsen von der Grund- und Hauptschule Schönecken informierten sich im Ratsaal. Thomas betonte, er könne sich gut eine Außenstelle in Schönecken vorstellen. Elsen warnte: "Die Hauptschüler dürfen nicht die Verlierer der Schulreform sein. Der Standort Schönecken sollte Bestand haben." Arzfeld. Wolf Krämer-Mandeau, Gutachter im Auftrag des Eifelkreises Bitburg-Prüm, nannte im VG-Rat Arzfeld wenig erfreuliche Zahlen. Von künftig 75 Kindern pro Jahrgang innerhalb der VG blieben nach Abzug der Gymnasiasten-Quote rund 40 für die neue Schulform Realschule plus übrig. Für eine selbstständige Schule, die dreizügig sein müsste, reicht das auf keinen Fall.Aber: In der VG könnte es eine Außenstelle eines zentralen Standorts geben. "Die 5. und 6. Klasse in dieser Dependance sind das Maximum", stellte Krämer-Mandeau fest.Doch mit wem soll sich die VG Arzfeld zusammentun? Wenn in Neuerburg eine Integrierte Gesamtschule (IGS) entstehe, sei das der interessanteste Partner für die VG Arzfeld. Der Vorteil: Beim Übergang von der Grundschule in die fünfte Klasse einer IGS müssen sich die Eltern noch nicht entscheiden, welchen Abschluss ihr Kind anstreben soll. Alle Schüler werden nämlich gemeinsam im Klassenverband unterrichtet. Die IGS kann dann zur Berufsreife, Mittleren Reife und zum Abitur führen. Weitere Optionen für die VG Arzfeld: Anschluss an eine Realschule plus in Bleialf oder an eine Realschule plus in Prüm.Leitmotiv heißt "Kurze Beine - kurze Wege"

CDU-Fraktionssprecher Walter Reichert, auch Ortsbürgermeister von Daleiden, verwies auf die großen Entfernungen, die Schüler im Fall einer Schließung der Hauptschule in Daleiden zu anderen Standorten zurücklegen müssten. Krämer-Mandeau äußerte sich zu einer Außenstelle in Daleiden jedoch "sehr skeptisch". Da Teile der Eltern in der VG nach Bleialf tendierten, andere nach Prüm oder Neuerburg, seien zwei Außenstellen in der VG überzogen."Wir können uns heute nicht im Detail festlegen, da wir gar nicht wissen, welche Schulformen wo eingerichtet werden", sagte Bürgermeister Patrick Schnieder (CDU). Seinem Beschlussvorschlag stimmte der Rat einstimmig zu. Der Eifelkreis Bitburg-Prüm wird aufgefordert, "möglichst viele und möglichst umfangreiche Schulangebote an allen bisherigen Schulstandorten in der Verbandsgemeinde Arzfeld vorzusehen".Die SPD-Fraktion änderte ihren Antrag, eine Schulentwicklungsplanung für die Grundschulen zu beauftragen, in der Sitzung ab. "Wir möchten alle Beteiligten für diese Thematik sensibilisieren", erklärte Fraktionssprecher Rainer Hoffmann. Wenn das vorliegende Zahlenmaterial ausreiche, müsse kein Planer beauftragt werden. Statt dessen stimmte der Rat geschlossen einem Resolutionsentwurf der SPD zu, der "die Sicherung aller Grundschulstandorte in der VG Arzfeld" fordert. Unter dem Leitmotiv "Kurze Beine - kurze Wege" sollten überschaubare Einheiten in der Fläche erhalten bleiben. Meinung Unbequeme Wahrheiten Die Auftritte des Kreis-Gutachters Wolf Krämer-Mandeau in den VG-Räten Arzfeld und Prüm liefen anders ab als erwartet. Zwar brachte der Gast unerfreuliche Schülerzahlen mit, die den Handlungsbedarf dokumentierten. Doch dann outete er sich als Fürsprecher der Dorfschulen. Da saß kein eiskalter Rechner, der den Eifelern mal eben die Welt erklärt, "Tabula rasa" macht und von der verbrannten Erde der Restschullandschaft ungerührt wieder abzieht. Die Kommunalpolitiker, denen naturgemäß am Erhalt der Strukturen vor Ort gelegen ist, erkannten in ihm einen Verbündeten statt des befürchteten Feinds. Zu den Aufgaben eines echten Freundes gehört es auch, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Dementsprechend erteilte Krämer-Mandeau unrealistischen Wünschen eine Absage: Zwei Außenstellen in der VG Arzfeld sind ebenso wenig drin wie ein Standort mit allen Klassen von 5 bis 10 in Waxweiler, Daleiden oder Schönecken. Ob Anträge auf die Einrichtung von Außenstellen später die Hürden Kreistag und Landesregierung überspringen werden, bleibt ohnehin abzuwarten. m.hormes@volksfreund.de