KLARTEXT

In diesen Tagen legen viele Gemeinden Statistiken vor mit Zahlen zu Geburten, Sterbefällen, Eheschließungen und den beliebtsten Namen des vergangenen Jahres. Eines ist den meisten dieser Zahlenreihen - neben der Tatsache, dass Maria immer noch ein höchst beliebter Name in Eifel, Hunsrück und an der Mosel - gemein: Die Zahl der Todesfälle übersteigt die der Geburten deutlich.

Das ist schon seit Jahren so und wird sich, wenn man die Anti-Babypille nicht gesetzlich verbieten will, auch langfristig nicht ändern. Das muss keine Katastrophe werden, eine Herausforderung ist es in jedem Fall. Dies gilt nicht nur im Hinblick darauf, dass Kommunen ihre Infrastruktur stärker auf ältere Menschen ausrichten müssen. Zugleich ist schon jetzt der Arbeitsmarkt in der Region praktisch leergefegt, und es wird gerade für kleine und mittlere Unternehmen zusehens schwieriger, qualifiziertes Personal zu finden. Verschärft wird diese Seite des demografischen Problems noch durch die mit Blick auf Nettoverdienst und Sozialleistungen höchst attraktive Konkurrenz aus Luxemburg. Für klamme Kommunen wird es eine kaum lösbare Doppel-Aufgabe sein, zugleich für Senioren und junge Menschen attraktiver zu werden, um nicht nur nicht rapide zu schrumpfen, sondern sogar einen Zuzug zu generieren, der der Nachfage nach Arbeitskräften genügt. Da sind Metropolen klar im Vorteil. Es wird einer großen Anstrengung bedürfen, den ländlichen Raum jenseits der Handvoll Mittelzentren am Leben zu erhalten. Billiges Bauland irgendwo in der Pampa ist auch für gutbezahlte, hochqualifizierte Angestellte, die sich ihren Arbeitsplatz aussuchen können, nicht wirklich hinreichend attraktiv. Auch auf die schiere Zahl an teils winzigen Schulen kommt es nicht an. Die Bildungsmöglichkeiten müssen vermutlich spürbar besser sein als in konkurrienden Regionen - ob das in Zwergschulen zu erreichen ist, darf angezweifelt werden. Zudem werden Alte und Junge nur dann in den Dörfern bleiben, wenn sie ihren Bedürfnissen entsprechend mobil sein können. Mit dem derzeitigen öffentlichen Personennahverkehr mit starren Fahrplänen und jenseits der Schulzeiten dünnem Angebot, ist da kein Blumentopf zu gewinnen. Ganz abgesehen davon wird es kaum möglich sein, flächendeckend eine Freizeitinfrastruktur zu schaffen, die konkurrenzfähig ist - anstatt in viele Kunstrasenplätze und winzige Dorfgemeinschaftshäuser wäre das Geld besser wenige zentrale aber wirklich attraktive Einrichtungen und ein flexibles, kostengünstiges Transportsystem dorthin investiert, an denen sich alle profitierenden Kommunen auch finanziell beteiligen. Fest steht: Die Zeit der lokalen Eitelkeiten ist vorbei - es haben nur noch nicht alle gemerkt. Aber selbst wenn es jeder gemerkt hat, die öffentliche Hand ist nicht allein gefragt: Wenn Arbeitgeber Leute suchen, müssen sie irgendwann auch selbst attraktiver werden - durch bessere Rahmenbedingungen und auch eine bessere Bezahlung ihrer Mitarbeiter. Lars Ross