Klasse 3 der Stadtkyller Grundschule pflanzt 150 Erlen bei Kerschenbach

Umwelterziehung : Schüler pflanzen Erlen für die Zukunft

Als Ausgleich für Windkraftanlagen werden am Kerschenbach mehrere Auen renaturiert. Grundschüler aus Stadtkyll packen fleißig mit an – und haben eine Menge Spaß dabei.

Wie es in der kleinen Aue am Kerschenbach vor kurzer Zeit noch aussah, das sehen die 14 Kinder der Klasse 3 der Stadtkyller Grundschule in wenigen Metern Entfernung. Wie es einmal aussehen wird, das können sie nur erahnen, aber eins wissen sie genau: Wenn auf der gerodeten Fläche dereinst prächtige Erlen wachsen, dann haben sie ihren Teil dazu beigetragen. Zusammen mit Forstmitarbeitern haben sie nämlich am Freitag 150 Bäume gesetzt.

„Die Aktion gehört zu einer Ausgleichsmaßnahme für die Windräder, die hier im Umfeld aufgebaut wurden“, sagt Gerd Ostermann, Agrar-Ingenieur in der Bürogemeinschaft für Naturschutz und Landschaftsökologie und Beisitzer  Naturschutzbund (NABU) Kylleifel. Zusammen mit Mitarbeitern des Forstamts Gerolstein rückte er mit den Kindern aus, um die einst dicht mit Fichten bewachsene Auenfläche umzugestalten.

„Im Vorfeld wurden hier erst mal die Fichten abgeholzt“, sagt Ostermann. Dicht an dicht sei die Aue mit Fichten zugewachsen gewesen. „Die hier wiederum wirklich nicht hingehören. Es war an dieser Stelle viel zu dunkel, der Boden versauerte und war letztlich so auch nicht mehr artenreich.“ Auf etwa 2500 Quadratmetern sei das Nadelgehölz gerodet worden. „Ich schätze hier standen knapp 300 Fichten. Sie sind weg, mit Hilfe der Kinder wird die Aue jetzt mit standorttypischeren Erlen bepflanzt“, sagt Ostermann.

Weil in der ehemaligen Verbandsgemeinde Obere Kyll in den vergangenen Jahren so viele Windräder aufgebaut wurden, stünde nun Geld zur Renaturierung der Bachlandschaften zur Verfügung. „Die ehemalige VG-Bürgermeisterin Diane Schmitz hat die Aktion damals noch mit auf den Weg gebracht“, sagt Ostermann. Es seien 25 Projektideen in einem ersten Rutsch genehmigt worden, zehn weitere seien im Januar dazugekommen. „Zusammen stehen 1,2 Millionen Euro zur Verfügung“, sagt er. Dass man mit der Kooperation mit der Stadtkyller Grundschule nun gleich auch noch diejenigen dabei habe, die später von der Renaturierung profitieren werden, sei natürlich ein Glücksfall.

„Wenn die Kinder in einigen Jahren hier vorbei kommen, dann können sie genau sehen, was aus ihren Erlen geworden ist“; sagt Forst-Revierleiterin Anna Hahn. In acht sogenannten Klumpen, dichte Ansammlungen von mehreren Bäumen, werden auf der Fläche insgesamt 400 Pflanzen gesetzt. „Pro Klumpen sind dass 49 Bäume“, sagt sie.

Und was können die Kinder beim Setzen leisten? Johanna (8) kennt sich nach der kurzen Einführung schon richtig gut aus. „Ich helfe zum ersten Mal beim Baumpflanzen. Das ist schon etwas schwer“, sagt sie. Wobei nicht das Einsetzen der knapp einen Meter hohen Erlen gemeint ist. Johanna lacht: „Nein, das ist nicht schwer, sondern das Lochgraben“, sagt sie und schaut Theo Hack sehr genau dabei zu, wie er die Stelle, an der sie zusammen mit Damian (8) gleich eine Erle setzen wird, vorbereitet.

„Für die Kinder wäre das wirklich ein bisschen viel. Ich bereite die Löcher vor, die Schüler setzen die Bäume dann ein“, sagt Hack, Mitarbeiter des Forstamts Gerolstein. „Und buddeln sie dann auch ein“, betonen gleich Johanna und Damian unisono.

Oft komme eine solche Aktion im Berufsleben eines Försters nicht gerade vor, sagt Hack. „In 34 Jahren waren das bei mir drei Mal, dabei mag ich es wirklich gern. Es macht Spaß mit den Schülern, sie sind sehr interessiert“, sagt Hack. Damian bestätigt das. „Das macht wirklich Spaß und interessant ist es auch noch. Ich bin gespannt, wie das hier einmal aussieht“, sagt er.

14 Kinder der dritten Klasse der Grundschule Stadtkyll haben mitgeholfen, eine Aue bei Kerschenbach neu zu bepflanzen. Foto: Frank Auffenberg

Auch Ostermann begrüßt die Teilnahme der Schule. „Es ist schließlich die Generation, die in 70 bis 80 Jahren die Ergebnisse aller Mühen sehen wird. Es ist quasi ein aktiver Beitrag zu ‚Fridays for future’.“ Die jungen Leute dürften sich nicht demotivieren lassen. „Es wird mit dem Klimawandel schlimmer, aber davon darf man sich nicht abhängig machen, denn Aktionen wie diese helfen dabei, die Zukunft besser zu machen.“

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