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Kleinbahn Philippsheim-Binsfeld entsteht im Maßstab 1:87

Kleinbahn Philippsheim-Binsfeld entsteht im Maßstab 1:87

Nur einen kurzen Blick aus dem Autofenster konnte Helmut Reichelt um 1962 auf die Kleinbahn in Philippsheim werfen, doch seit damals hat ihn das Interesse an dieser Bahn nicht mehr losgelassen.

Spätestens nach der Lektüre des inzwischen vergriffenen Buches "Die Kleinbahn Philippsheim-Binsfeld" von Lothar Riedel (Verlag Kenning, Nordhorn 1999) führte es ihn zu dem Entschluss, Teile dieser am 6. Mai 1900 eröffneten Schmalspurbahn als Modell nachzubauen.

In den vergangenen Jahren entstanden eine Tongrube im Modellmaßstab 1:87 und eine dem Bahnhof Herforst nachempfundene Haltestelle. Vorbildgetreu wurden HOe-Schmalspurgleise verlegt, denn die Schienen mit der Spurweite von 750 Millimeter entsprechen neun Millimeter im Modell. Bei den diesjährigen Internationalen Lahnsteiner Modellbahntagen lernte er den Bitburger Herbert Schneider kennen, der sich - quasi als "Anlieger" und Mitglied der Modellbahnfreunde Schweich - ebenso für diese Bahn interessiert.

Bereits während der Lahnsteiner Ausstellung wurde vereinbart, markante Abschnitte der Bahn in Segmenten nachzubauen. Im Bau sind die Haltestellen Dudeldorf, Herforst und der Endbahnhof Binsfeld. Unter einer Segmentanlage, so Herbert Schneider, ist nicht die traditionelle "Modellbahnplatte" zu verstehen, sondern die Aneinanderreihung von in der Größe genormten Kästen. Diese müssen natürlich so konstruiert sein, dass die Schienenübergänge millimetergenau zusammenpassen.

Die Segmentbauweise hat auch den Vorteil, dass jeder der Bauherren unabhängig vom anderen seinen Part erstellen kann. "Es soll natürlich auch die Steigung von Dudeldorf auf die Hochfläche bei Herforst dargestellt werden", betont Herbert Schneider, denn die kleinen dreiachsigen Dampfloks mussten hier den größten Höhenunterschied bewältigen.
"Da passende Modellloks nicht im Geschäft zu kaufen sind, hat mir ein Vereinskamerad vom Modelleisenbahnklub Lahnstein-Koblenz zwei Lokomotiven der Firma Roco so umgebaut, dass sie den von der Maschinenbau-Gesellschaft Heilbronn gelieferten Loks entsprechen", erläutert Helmut Reichelt.

Neben dem Modellbau forscht Helmut Reichelt im Koblenzer Staatsarchiv nach bisher unveröffentlichten Unterlagen über die Kleinbahn und hat dabei die "Bereisungsberichte" der von der Bundesbahn ausgeübten Bahnaufsicht (also eine Art Bahn-TÜV) ausgegraben. In diesen Prüfprotokollen werden den Bediensteten der privaten Kleinbahn stets gute Leistungen attestiert. Bei Gelegenheit sollen auch diese Unterlagen publiziert werden.

Große Unterstützung erhalten die beiden Modellbahner vom Binsfelder Heimat-und Kulturverein, der Fotos und Pläne zur Verfügung stellt.

Helmut Schmitz und sein Team suchen immer noch nach den originalen Fabrikschildern der in Binsfeld unter einem Schutzdach aufgestellten Lok 2. "Die Schilder gehören in ein Museum und nicht in eine für die Öffentlichkeit unzugängliche Sammlung oder gar einen Partykeller!", so Schmitz.

Am Sonntag, 29. Oktober, werden im Binsfelder Heimatmuseum die ersten Bauergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt.