Kleine Gemeinden, große Aufgaben

Kleine Gemeinden, große Aufgaben

Der Eifelkreis Bitburg-Prüm umfasst 245 Gemeinden - die Bürgermeister haben bei einer Konferenz in Bettingen über die wichtigsten Themen der Zukunft gesprochen: Während es beim DSL-Ausbau vorangeht, sind die Streuobstwiesen in der Eifel in schlechtem Zustand. Ein gemeinsames Projekt der Naturparks Süd- und Nordeifel soll Abhilfe schaffen.

Bettingen. Gerade in kleineren Gemeinden werde es immer schwieriger, jemanden zu finden, der das Amt eines Bürgermeisters übernehmen wolle, sagt Winfried Manns, Verbandsdirektor beim Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz, auf der Konferenz der Bürgermeister des Eifelkreises Bitburg-Prüm in Bettingen. Aber dort, darauf macht Landrat Joachim Streit gleich zu Beginn aufmerksam, haben sich 70 neue Kollegen eingefunden.
Manns stimmt sie bei seinem Bericht aus Mainz dann auch gleich auf die Probleme ein, mit denen sie sich künftig beschäftigen dürfen: von der Kommunalreform bis zum Kita-Ausbau. Dabei gibt es auch gute Nachrichten: 140 Gemeinden und damit 18 400 Haushalte hat der Kreis seit Oktober 2012 ans schnelle Internet gebracht - oder ist zumindest am DSL-Ausbau dran.
Immer noch Orte ohne Internet


Helmut Berscheid von der Kreisverwaltung informiert die Bürgermeister über den Stand der Breitbandinitiative. Die Investitionskosten: 11,8 Millionen Euro. 7,67 Millionen Euro werden aus Fördermitteln des Leader- und GAK-Programms zur Verfügung gestellt. Der Eigenanteil des Kreises beträgt 4,13 Millionen Euro. Berscheid: "Es gibt keinen Kreis, der sich vergleichbar für die Breitbandversorgung seiner Gemeinden engagiert und die GAK-Förderung so abgeschöpft hat."
Trotzdem ist noch Luft nach oben: So meldet sich beispielsweise Petra Diederichs, Bürgermeisterin von Habscheid - ein Ort, der bislang nicht unter die Förderung gefallen ist -, und beklagt: "Bei uns fällt das Internet manchmal stundenlang aus." Das Problem: Mit einer Firma bestehen derzeit etwa 30 Verträge im Ort. Und auch wenn es nach Auskunft von Diederichs mehr als 130 Bedarfsmeldungen gebe, erklärt Berscheid: "Wir haben immer noch viele Gemeinden, die gar nicht versorgt sind und wo die Anträge kein so strittiges Thema sind." Die Orte, wo Schwierigkeiten zu erwarten seien, wie eben in Habscheid, wolle man daher ans Ende stellen. "Aber wir werden für alle Lösungen suchen", verspricht er.
Auf der Suche nach Lösungen sind auch Daniela Torgau, Geschäftsführerin des Zweckverbands Naturpark Südeifel, und Alexander Wendlandt, ihr Kollege vom Naturpark Nordeifel: Mit einer gemeinsamen Initiative wollen sie die Streuobstwiesen retten (der TV berichtete). 150 000 bis 200 000 Obstbäume gebe es im Kreis, und 70 bis 80 Prozent davon seien in einem "desaströsen Zustand", sagt Torgau. Wenn nichts passiere, dann sei in zehn bis 15 Jahren mit einem großflächigen Zusammenbruch der Bestände zu rechnen.
Das bedeute auch: Die Kulturlandschaft in der Eifel verändere sich gravierend. Die Ursache für das Problem kennen Torgau und Wendlandt nur zu gut: Viele der Obstbäume sind Eigentum von älteren Menschen. "Und die wissen durchaus, wie die Bäume gepflegt werden müssen", sagt Torgau. "Aber die können nicht mehr in den Baum klettern." Das hat wiederum Auswirkungen: Die etwa 25 Keltereien und Brennereien im Kreis würden mittlerweile das Obst, das sie zur Weiterverarbeitung benötigen, woanders kaufen - schlicht, weil es nicht mehr von den Eigentümern zu ihnen gelange.
Hilfe für Obstbaumbesitzer


Das Projekt will genau hier ansetzen und den Eigentümern unter die Arme greifen. Der Andrang sei groß, sagt Torgau: 2000 Bäume seien bisher gepflegt worden. Das Projekt, in das insgesamt 600 000 Euro investiert werden, ist noch bis Juni 2015 in der Leader-Förderung. Hinzu kommen Ausgleichzahlungen vom Kreis.
Deshalb starten Torgau und Wendlandt in Bettingen nochmal einen Aufruf: Die Bürgermeister sollen vor Ort die Eigentümer motivieren - bis nächstes Jahr ist man auf der Suche nach der "Vorbildgemeinde für Streuobst".
Weitere Informationen für die Teilnahme am Projekt im Internet unter <%LINK auto="true" href="http://www.naturpark-suedeifel.de" class="more" text="www.naturpark-suedeifel.de"%>
Extra

Die Bürgermeister des Eifelkreises Bitburg-Prüm haben außerdem den neuen Kreisvorstand des Gemeinde- und Städtebundes gewählt. Nachfolger des Vorsitzenden Rudolf Becker ist Andreas Kruppert, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Arzfeld. Sein Stellvertreter ist Josef Junk, Bürgermeister der VG Bitburger Land. Vertreter der Ortsgemeinden sind weiterhin Mathilde Weinandy, Stadtbürgermeisterin von Prüm, und Klaus Schnarrbach, Bürgermeister von Fließem. eib