Kleine Kunsthalle zeigt große Eifel-Liebe

Lützkampen-Welchenhausen · Der Museumsverein in Welchenhausen geht wieder an den Start: Nach dem Tod des Vorsitzenden Bernd Kersting (der TV berichtete) hat sich der Vorstand neu formiert. Und die nächste Ausstellung kommt auch: Sie präsentiert Arbeiten von Hanns Altmeier, dem Gründer der Europäischen Künstlervereinigung.

Lützkampen-Welchenhausen. Gut zu wissen, dass es nach dem zu frühen Tod des Vorsitzenden Bernd Kersting im Juni (der TV berichtete) weiter geht in der wohl kleinsten Kunsthalle aller Zeiten: Der Museumsverein, der die Ausstellungen in der Warte- und Bushalle des auch nicht gerade großen 35-Einwohner-Dörfchens Welchenhausen zusammenstellt, habe sich umorganisiert und gehe wieder ans Werk, sagt der neue Vorsitzende Christof Thees.
Damit setzt man seine bisher immer sehenswerten Ausstellungen am ungewöhnlichen Schauplatz nun fort - die erste davon beginnt am Samstag, 30. August, und zeigt Werke von Hanns Altmeier, dem Kunsterzieher, Hochschulprofessor, Mitbegründer und ersten Präsidenten der Europäischen Vereinigung Bildender Künstler aus Eifel und Ardennen (EVBK). Das Ganze, wie Thees sagt, "gerade noch rechtzeitig zum Auslaufen der Jahresausstellung" der EVBK in Prüm - die Schau in der Abteistadt geht am folgenden Tag zu Ende.
Der Verein präsentiert in der Wartehalle Holz- und Linolschnitte Altmeiers, unter dem Titel "Wir, die Eifel und ich". Denn die Eifel und er, so hat es Altmeier 1977, zwei Jahre vor seinem Tod, gesagt, "sind wie ein altes Liebespaar. Man kennt seine Stärken und Schwächen, man tauscht Meinungen aus, man ringt um Weltverständnis und man versucht im Kleinen die großen Zusammenhänge zu erkennen."
Und entstehe dann "in einer glücklichen Stunde ein Stückchen Eifel im Bilde, das alles hat, was man als Maler seit Jahrzehnten ersehnt, aber selten erreicht hat, ist unser Glück vollkommen." (Quelle: Hanns Altmeier: 50 Jahre Eifelmaler. Koblenz, 1977)
Die Zuneigung kommt deutlich zum Vorschein in den Arbeiten Altmeiers, der 1906 in Saarbrücken geboren wurde und dessen Bruder Peter von 1947 bis 1967 CDU-Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz war.
Aber nicht im Sinne einer aufgesetzt schönen - oder gar überzuckerten - Darstellung, sondern spürbar beeinflusst vom Expressionismus des frühen 20. Jahrhunderts. Das sieht man gerade in den Schnitten, in denen er, auch dieser Technik zufolge, die allzu Filigranes nicht zulässt, zu einer noch stärker reduzierten Form fand - was wiederum der zurückhaltenden Schönheit der Eifellandschaft angemessen entspricht.
Abgesehen davon kann kaum jemand schöner diese Arbeit beschreiben als Altmeier selbst: "Da eilt das Auge des Künstlers durch die Landschaft. Es gleitet über Berge und Ebenen, über Städte und Türme, Wolken und Wasser. Und dann verweilt das Auge plötzlich bei einer Partie der geschauten Landschaft. ... Das Motiv ist gefunden, das ,Herausreißen aus der Natur\' beginnt."
Was alles Hanns Altmeier dabei der Natur entrissen hat, in Welchenhausen ist es bald noch einmal zu sehen: Die Ausstellung wird eröffnet am Samstag, 30. August, 16.30 Uhr und läuft bis Ende Oktober. Rund um die Uhr - weil die Wartehalle eben nicht abschließbar ist.
"Die Idee, drei Ausstellungen im Jahr zu veranstalten - jeweils mit einem deutschen, einem belgischen und einem luxemburgischen Künstler, war immer das Ziel", sagt Christoph Thees. Und das werde man auch in Zukunft beibehalten. Das neue Programm ist schon in Arbeit - auch thematisch mit regionalem Bezug: Geplant ist als nächstes eine Fotoausstellung über Feldscheunen und Schuppen von Harald Deilmann aus Roscheid.
Die Vernissage ist am Samstag, 1. November. Im kommenden Jahr plant der Verein eine Ausstellung mit dem belgischen EVBK-Mitglied André Paquet. Ebenfalls vorgesehen: Eine Schau mit Fotos von verlassenen Bauernhäusern in der Eifel.
Nähere Informationen unter <%LINK auto="true" href="http://www.kult-our-tal-museum.de" class="more" text="www.kult-our-tal-museum.de"%>

Meinung

Anspruch und Spaß
Es war vor zwölf Jahren eine wunderbar beknackte Idee, die man in Lützkampen und Welchenhausen hatte: Eine winzige Bus-Wartehalle zum Teilzeitmuseum umzufunktionieren und dort Ausstellungen zu organisieren. Wer einmal dabei war, vor allem bei den immer ziemlich fröhlichen Eröffnungsfeiern, der weiß mittlerweile: Anspruchsvolle Kunst und der Spaß daran müssen einander nicht widersprechen. Das ist ein großes Verdienst aller dort Engagierten. Und deshalb ist es schön zu sehen, dass der Verein ganz im Sinn seines zu früh gestorbenen und schmerzhaft vermissten ehemaligen Vorsitzenden Bernd Kersting weitermacht, der sich darauf vermutlich entspannt einen seiner schlimmen Glimmstängel anzünden würde. fp.linden@volksfreund.de