Kleine Spaten für einen großen Moment

Ein Sandhaufen, 20 Kinder, rund doppelt so viele Offizielle und ein großer Moment: Die Bauarbeiten an der Bitburger Stadthalle haben gestern nach Jahrzehnten des Ringens symbolisch begonnen.

„Stein auf Stein, die Stadthalle wird bald fertig sein“, singen die Kinder der Kita Altes Gymnasium beim offiziellen Spatenstich für die Bitburger Stadthalle. TV-Foto: Katharina Hammermann

Bitburg. Ein kleiner gelber Sandhaufen liegt in der Weite der riesigen Baustelle. Rund 20 Kinder haben mit ihren Kindergärtnerinnen an diesem Sandhaufen gewartet. Gewartet, dass die vielen Politiker, die Brauerei-Bosse, die Projektplaner und die Fotografen endlich kommen - um den ersten Spatenstich für die Bitburger Stadthalle mitzuerleben. Doch die haben sich verspätet - und das, obwohl ein Redner, Innenminister Karl Peter Bruch, ausgefallen ist, weil er aus Termingründen doch nicht mit dem Hubschrauber nach Bitburg kommen konnte. In 15 Monaten soll Eröffnung sein

"Die Bitburger Kinder machen den ersten Spatenstich, denn wir bauen die Stadthalle für sie", sagt Bürgermeister Joachim Streit strahlend, als dann alle da sind. Die Kinder beginnen mit ihren bunten Plastikspaten zu buddeln und singen: "Stein auf Stein, Stein auf Stein, die Stadthalle wird bald fertig sein." Und tatsächlich, wo sie ihr Liedchen vortragen, soll - so verspricht es Projektplaner Stefan Kutscheid - schon in 15 Monaten die neue Stadthalle eröffnen. Spätestens Ostern 2009 sollen die ersten Besucher über das neu gestaltete Brauerei-Gelände flanieren - und danach vielleicht in der "Genießer-Lounge" der rund 1700 Quadratmeter großen Bit-Marken- und Erlebniswelt schlemmen. Die beiden großen Bauten werden über ein gemeinsames Foyer miteinander verbunden sein.Sämtliche Redner des großen Tages heben die gute Zusammenarbeit bei dem ungewöhnlichen "Public-Private-Partnership-Modell" zwischen Stadt, Land, Brauerei und Projektentwickler Faco hervor. Rund 21 Millionen Euro kostet das Mammut-Projekt: Den größten Batzen trägt mit 12, 4 Millionen Euro die Bitburger Brauerei. Die übrigen 8,4 Millionen teilen sich Stadt und Land.Zehntausende Besucher verspricht sich Streit jährlich für die Stadthalle. Jan Niewodniczanski, Geschäftsführer Technik bei der Bitburger Brauerei, rechnet für die hauseigene Erlebniswelt gar mit 100 000 Besuchern jährlich. "Das belebt die Stadt", sagt er. Von dem neuen, zentral gelegenen Ensemble würden Stadt, Region und die Marke "Bitburger" gleichermaßen profitieren. "Das Geld vom Land ist gut angelegt - alle werden profitieren", sagt auch ein Vertreter des Landes, der trotz der für ihn sichtbar überraschenden Abwesenheit seines Ministers eine kleine Rede aus dem Ärmel zaubert. Jahrzehnte hat es bis zu diesem Spatenstich gedauert. Grübeln, planen, den Plan verwerfen, erneut grübeln, erneut planen. Verschiedenste Standorte und Konzepte waren seit 1972 für die Stadthalle im Gespräch. Einigkeit herrschte selten. 2001 brachte die Brauerei dann ihre Industriebrache in der Nord-Stadt ins Gespräch. Erst dieses neue Konzept überzeugte die ehemaligen Stadthallen-Gegner, zu denen auch Bürgermeister Streit zählte. Von Skepsis war bei ihm beim Spatenstich nichts mehr zu spüren: Er spricht vom größten Projekt der Bitburger Stadtsanierung - "ein Projekt, das uns wahrscheinlich überleben wird." Rückblick April 2002: Der Stadtrat spricht sich für den Standort "Brauerei-Gelände Nord" aus, wo auch die Bit-Marken- und Erlebniswelt entstehen soll. Januar 2003: Das Land sagt zu, die zivile Konversion mit 4,2 Millionen Euro zu fördern. Dezember 2004: Brauerei, Land, Stadt und Projektentwickler Faco unterschreiben einen Rahmenvertrag, der die Aufgaben der Public-Private-Partnership-Partner regelt. Oktober 2005: Die Stadt legt das Sanierungsgebiet "Ecke Römermauer/Görenweg" fest. Juli 2006: Der Rat steht weiter hinter dem Projekt und akzeptiert, dass die Brauerei nun doch nicht das angrenzende Innenstadt-Hotel "Eifelbräu" erweitert. März 2007: Spatenstich für die Bit-Marken- und Erlebniswelt. Juli 2007: Bei Grabungsarbeiten werden historische Gräber aus dem späten fünften bis siebten Jahrhundert entdeckt. August 2007: Der Stadtrat beschließt, wie die Stadthalle aussehen soll. Faco reicht den Bauantrag ein. (scho/kah)