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Kleines Dorf mit Spitzenfrau

Kleines Dorf mit Spitzenfrau

In den meisten Gemeinden des Eifelkreises Bitburg-Prüm stehen Männer an der Spitze des Ortes. Frauen halten sich immer noch zurück, wenn es um Kommunalpolitik geht. In Burg (VG Neuerburg) ist Ingrid Billen seit elf Jahren Ortsbürgermeisterin.

Burg. Gegenüber der Kapelle in der kleinen, von Landwirtschaft geprägten Gemeinde Burg liegt ein altes, beschauliches Gehöft. Über einen großen, in der Sonne fast mediterran anmutenden gepflasterten Hof gelangt man zu dem gepflegten Bauernhaus aus dem 19. Jahrhundert. Hier wohnt Ingrid Billen mit ihrer Familie.

Die Landwirtschaft ist die Haupteinnahmequelle der Familie. Dabei hilft auch die Frau neben ihrer Hausfrauentätigkeit mit. Aber Ingrid Billen hat noch einen weiteren Job. Sie ist Ortsbürgermeisterin des 20-SeelenOrtes - und das schon in der dritten Legislaturperiode.

Von Anfang an ist Ingrid Billen in der Männerwelt akzeptiert. Vor elf Jahren ist sie als erste Frau in Burg in den Gemeinderat gewählt worden, "und bei der ersten konstituierenden Sitzung haben die Männer mich gleich als Ortsbürgermeisterin vorgeschlagen", sagt Billen. Irgendwelche Querelen habe es nie gegeben. "Wir machen alles gemeinsam", bestätigt die Ortschefin. Die Männer helfen bei allem, wenn es um Arbeiten in Feld und Wald geht: Hecken und Bäume beschneiden oder auch den Friedhof verschönern. Auch das jährliche Maifest wird gemeinsam geplant. Überhaupt sei die Dorfgemeinschaft gut. "Hier kennt sich wirklich jeder, und alle sind "per Du". Auch Ausländer haben in Burg keine Integrationsprobleme. "Vor fünf Jahren zog eine ausländische Familie hierher, und der Mann ist jetzt im Gemeinderat", erzählt die 54-Jährige. Fünf männliche Ratsmitglieder und eine weitere Frau unterstützen sie bei ihrer politischen Arbeit. "Obwohl: Das ist noch keine wirkliche Politik", sagt Billen. Auch der VG-Rat, in dem sie für die CDU sitzt (ohne Parteimitglied zu sein), sei weit entfernt von der großen Politik. Sie könne sich auch vorstellen, ohne den Bürgermeisterposten einfach so im Dorf mitzuarbeiten.

Dass es so wenig Frauen in der Gemeindearbeit gibt, erklärt Ingrid Billen mit der Tatsache, "dass auch heute die Frauen genauso arbeiten wie Männer und keine Zeit für das Amt haben". Als Hausfrau sei sie den ganzen Tag über zu erreichen. Bisher habe es keine besonderen Vorkommnisse gegeben. Und größere Projekte stehen zurzeit auch nicht an. Daher nimmt sich die engagierte Frau sechs Mal im Jahr die Zeit, um nach Trier ins Theater zu fahren. Neben dem Theaterabonnement zählt die Blumenpflege zu ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen.