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Klimaschutz und Vielfalt der Wälder in der Eifel

Umwelt : Was der Eifelwald heutzutage leisten muss

Käfer und Klimawandel stellen hohe Anforderungen an den heimischen Forst. Das können reine Fichtenwälder nicht erfüllen.

Klimaschutz, Erosionsschutz, Emissionsschutz, Trinkwasserqualität und Hochwasserschutz: Die Aufgabenliste eines Waldes ist lang. Das haben auch die Forstämter in der Eifel erkannt und führen seit Jahrzehnten einen Kampf gegen Monokulturen.

„Reine Fichtenwälder sind ein Konzept der Vergangenheit“, sagt der Büroleiter des Forstamts Gerolstein, Stephan Schmitz. „Sie wurden ab Anfang des 18. Jahrhunderts zwar mit den besten Absichten gepflanzt, aber sind zu anfällig. Flachwurzler wie die Fichte leiden besonders unter Trockenheit und sorgen auch für weniger Wasserrückhalt im Boden. Der Wasserfluss im Wald wird gestört. Daher sind wir seit Langem dabei, andere Arten einzustreuen.“

Bei der sogenannten „Vorverjüngung“ werden Lücken in den Wäldern mit einer Vielzahl unterschiedlicher Bäume bepflanzt. Bewährte heimische Arten wie Eichen, Weißtannen und Esskastanien, aber auch exotischere Arten aus Südeuropa wie die Flaumeiche, die Atlaszeder oder die Libanonzeder gedeihen in der ganzen Eifel. Allein in diesem Herbst sollen im Gebiet des Forstamts Gerolstein 150 000 neue Setzlinge gepflanzt werden.

Das Problem liegt jedoch weniger bei den öffentlichen Wäldern, sagt der Leiter des Forstamts Prüm, Peter Wind. „Im Staatswald und den Wäldern der Gemeinden haben wir die Lage größtenteils im Griff. Hier fließen Unsummen in die Vorverjüngung und andere Projekte. Aber bei den privaten Wäldern haben die Besitzer immer das letzte Wort. Dabei wissen manche nicht einmal, wo ihr Wald ist oder dass sie überhaupt Wald besitzen.“

In ganz Rheinland-Pfalz liegt ein Viertel der Wälder in privater Hand. In der Eifel ist dieser Anteil teilweise jedoch deutlich höher. Im Gebiet des Forstamts Prüm zum Beispiel sind 60 Prozent der Wälder in Privatbesitz. 12 000 Hektar Wald, die tausenden Einzelpersonen gehören. Teilweise sind diese Wälder nicht größer als ein Fußballfeld. „Dort ist die Lage deutlich schlechter“, sagt Wind. „Wir können so viel beraten und anbieten, wie wir wollen. Die Initiative muss vom Waldbesitzer kommen.“

Allein das Land Rheinland-Pfalz gibt pro Jahr mehr als 20 Millionen Euro für die Förderung stabiler und gesunder Wälder aus. Doch die Bedingungen der Förderung sind nicht immer einzuhalten, sagt der Leiter des Forstamts Bitburg, Jürgen Weis. „15 000 Euro kann man pro Hektar bekommen, wenn man nachweisen kann, dass eine gesicherte Kultur entstanden ist. Heißt: Nach acht Jahren wird geprüft, ob die geforderte Vielfalt auch entstanden ist. Wie viele Arten sind in welcher Zahl und Größe vorhanden? Erfüllt man diese Bedingung nicht, muss man das Geld zurückzahlen. Ein Risiko, das nicht jeder eingehen will.“

Von den rund 12 000 privaten Waldbesitzern im Bezirk des Forstamts Bitburg werden jährlich nur um die 200 Förderanträge gestellt. Die Flächen sind teilweise zu klein und zu unbedeutend, als dass sich jemand darum kümmern möchte. Zusätzlich macht der Wildverbiss die Aufforstung schwierig.

„Die Knospen der jungen Setzlinge sind besonders lecker für das Wild. Wenn in einem überwiegenden Fichtenwald junge, frische Laubbäume aus der Baumschule auftauchen, ist das für die Tiere unwiderstehlich“, erklärt Weis.

Auch die Kontrolle und Jagd der Tiere muss also gut organisiert werden. Ein Problem, das unter den vielen kleinen Privatbesitzern jedoch deutlich schwieriger zu lösen ist als in den öffentlichen Wäldern. „Hier müssen einfach neue Strukturen her“, sagt Weis. „Es geht nicht mehr, dass jeder nur sein eigenes Süppchen kocht und der Wald dazwischen auf der Strecke bleibt.“

Hinzu kommt, dass die finanzielle Situation der Waldbesitzer, besonders im vorigen Jahr, stark gelitten hat. Borkenkäfer, Sturm und Trockenheit haben dafür gesorgt, dass extrem viele Bäume vor ihrer Zeit gefällt werden mussten. Der Preis für Rohholz sank im September 2020 auf ein Rekordtief von rund 30 Euro pro Kubikmeter. 2018 lag der Durchschnitt bei 65 Euro, 2019 noch bei 46 Euro. Stand Juli 2021 lag der Preis wieder bei 64 Euro pro Kubikmeter.

Das Problem beschäftigt auch Christian Mehlhorn von der Kommunalen Holzvermarktungsorganisation Eifel in Hillesheim, die sich um fast den kompletten Holzhandel von Südeifel bis Ahrweiler kümmert. Statt der geplanten 200 000 Festmeter Holz verzeichnete man 2020 ganze 270 000 Festmeter für die rheinland-pfälzische Eifel. Das meiste davon waren vom Borkenkäfer befallene Bäume.

„Die Eifel ist noch mit einem blauen Auge davongekommen. Im Westerwald musste das Zehnfache der geplanten Menge gefällt werden. Da sind ganze Wälder fast verschwunden.

Aber den Druck auf dem Holzpreis merkt man auch hier. Manche mussten beim Abtransport der Bäume quasi noch draufzahlen. Das entmutigt natürlich viele, noch in den eigenen Wald zu investieren.“

Von dem globalen Kampf um Schnittholz und den explodierten Preisen für Endverbraucher profitieren die Waldbesitzer nur langsam, sagt Peter Wind vom Forstamt Prüm. „Die Sägewerke haben im vorigen Jahr noch Rohholz zu absoluten Spottpreisen gekauft, der Preis für Schnittholz hat sich teilweise aber fast verdreifacht. Zwischen den Sägewerken und den Verbrauchern wurde sich eine goldene Nase verdient. Bei den Waldbesitzern kam bisher aber nur kaum etwas an“.

Auch das jüngste Hochwasser drückt auf das Portemonnaie der Waldbesitzer. Waldwege und Infrastruktur sind stellenweise stark beschädigt. Allein im Bezirk des Forstamts Gerolstein liegt der Schaden durch Hangrutsche und ähnliches bei mehr als 1,2 Millionen Euro. Die anderen Forstämter rechnen mit vergleichbaren Kosten.

Für Jürgen Weis, Forstamt Bitburg, steht fest: „Zu solchen Holzpreisen lässt sich keine Forstwirtschaft betreiben“.

(axw)