Kochende Eifel-Botschafter
Meckel · Die Europa-Miniköche feiern in diesem Jahr ein Jubiläum: Es gibt sie seit 25 Jahren. Unter Anleitung von erfahrenen Gastronomen treffen sich Kinder im Alter zwischen zehn und zwölf Jahren zwei Jahre lang monatlich in deren Betrieben. Dort lernen sie nicht nur kochen, sondern erfahren viel über Umwelt und richtige Ernährung. In der Eifel gibt es die Miniköche seit 2009.
Meckel. In der Küche von Thomas Herrig schälen Kinder eifrig Kartoffeln, schnippeln Äpfel und rühren Teig. Was ist da los? Ein großer Kindergeburtstag oder ein Filmdreh für das Maggi Kochstudio? Nein - Soßentütchen werden dort auf keinen Fall aufgerissen, denn die sind ausdrücklich verpönt. Es sind die Miniköche, die da fleißig werkeln. "Die Kinder werden bei mir trainiert, frische Küche zu erkennen. Die schmecken sofort, ob die Soße selbst gemacht oder ein Fertigprodukt ist", sagt Thomas Herrig vom Gasthaus Herrig in Meckel. Er engagiert sich, "weil ich den Kindern die regionale Küche näherbringen möchte. Ich will verhindern, dass der kulinarische Höhepunkt im Alter von 40 Jahren immer noch die Pizza oder ein Gericht vom Chinesen ist."
Zusammen mit Thomas Stadtfeld, Gastronom der Heidsmühle in Manderscheid, betreut er 26 Miniköche. Die sieben Jungs und 19 Mädchen zwischen zehn und zwölf Jahren treffen sich einmal im Monat in einem der beiden Restaurants. "Es gibt immer ein aktuelles Thema. Im Sommer, wenn die Tomaten reif sind, machen wir Ketchup, im Mai gibt es Spargel. Wir verarbeiten immer das, was gerade bei uns wächst", erklärt Herrig. Deswegen gibt es heute Döppekooche und gebackene Apfelringe.
Bevor es in den Garten geht zur Apfelernte, haben die Kinder im "Theorieunterricht" bereits viel über Obst gelernt. Zum Beispiel, dass Bananen zum nachreifenden Obst gehören, Erdbeeren hingegen nicht. Und Rhabarber? "Das ist überhaupt kein Obst, sondern ein Stangengemüse", weiß Miniköchin Maya Helfrich.
Die Kinder werden in Teams aufgeteilt. Während die eine Gruppe mit Cornelia Herrig aus Servietten die tollsten Seerosen und doppelte Fächer faltet, mixen die anderen an der Bar eine (alkoholfreie) Pina Colada.
Dann laufen alle in den Garten, um Äpfel zu pflücken. Großes Getümmel, viel Gelächter. Danach geht es in der Küche hoch her. Dort werden die Äpfel geschält, in Scheiben geschnitten, in Teig gewendet und in Fett ausgebacken. Kochazubi Anna Berg erklärt den Kindern die einzelnen Schritte. "Es macht Spaß, mit den Kindern zu kochen, aber es ist auch anstrengend", sagt sie und lacht.
Begeisterung vermitteln
Auch Lehrling Marcel Stephan wacht mit Argusaugen über seine quirligen Küchenjungs und -mädchen. "Bitte lasst den Auflauf vegetarisch!", ruft er Anna und Maria zu, die eifrig die Kartoffeln für den Döppekooche reiben und dabei mit ihren Fingern gefährlich nah an die scharfe Reibe kommen.
Mit organisiert werden die Miniköche auch von Stephan Kohler von der Eifel Tourismus GmbH. "Es war ein Wunsch der Betriebe, an dem Projekt teilzunehmen, um junge Leute für die Gastronomie und Hotellerie zu begeistern und so dem Fachkräftemangel zu begegnen", sagt er. Scheint zu funktionieren: Schon zwei ehemalige Miniköche haben eine Kochlehre begonnen.
Nach dem gemeinsamen Essen gibt es noch besondere Auszeichnungen: Wer gut mitgemacht hat und auch beim Marmeladenkochen und -verkauf auf dem Quetschenfest in Geichlingen dabei war, bekommt einen grünen Knopf. Den können die Kinder entweder an ihre Kochjacke heften oder gegen ein Eis eintauschen. "Hat aber noch nie jemand ein Eis gewollt", sagt Thomas Herrig. Wer sich nicht "schickt", bekommt einen roten Knopf. Das habe es aber in den ganzen Jahren nur in einem Fall gegeben, verrät der Meckeler. Doch wie ist es zu erklären, dass der Chef-Koch selbst drei rote Knöpfe an seinem Wams hat? Herrig lacht und sagt: "Da müssen Sie mal meine Frau fragen."
Während die Nachwuchsköche über ihr Essen herfallen, hat Stephan Kohler eine frohe Botschaft von Schirmherr Patrick Schnieder (CDU-Bundestagsabgeordneter). Auch in diesem Jahr sind die Miniköche wieder bei der Grünen Woche in Berlin dabei und repräsentieren die Eifel.
Manuela van Schooten aus Meckel, Mutter von Jan-Daniel, musste ihren Sohn nicht lange bitten, bei den Miniköchen anzutreten. "Als in der Schule im Unterricht über Ernährung gesprochen wurde, hat er sich sehr dafür interessiert", sagt sie.
Auch Petra Welter aus Klausen hat einen begeisterten Minikoch. Ihr Sohn Henry hat allerdings auch einen pragmatischen Grund für sein Engagement: "Könnte doch sein, dass ich mal eine Frau habe, die nicht kochen kann."Extra
Kinder zwischen zehn und zwölf Jahren lernen bei den Miniköchen den bewussten Umgang mit Umwelt und Ernährung. Angeleitet von Gastronomen, Ernährungsfach- und Servicekräften schnuppern sie Küchenpraxis und bekommen so Fachwissen vermittelt. Die Idee dazu hatte 1989 der Gastronom Jürgen Mädger aus Bartholomä. Bis heute haben etwa 150 Regionalgruppen mit mehr als 10 000 Kindern am Projekt teilgenommen. Insgesamt 107 Kinder wurden seit 2009 in der Eifel ausgebildet. Die Europa-Miniköche organisieren Aktionen, um Spenden für "Kinder helfen Kinder" zu erzielen. sn