"Kölner Kästchentreffen"

"Kölner Kästchentreffen"

Die Künstlergruppe "Kölner Kästchentreffen" zeigt ab Sonntag ihre verrückt-skurrilen Werke im Blankenheimer Eifelmuseum. Für den TV plauderten sie aus dem "Näh"-Kästchen.

Blankenheim. "Alles begann 1984 mit einem Restetreffen", berichtet Illustrator Heribert Schulmeyer und schiebt sich lachend seine Fischermütze aus dem Gesicht. Er habe damals zwei ehemalige Kommilitonen von der Kölner Werkschule (heute: Fachhochschule für Kunst und Design) getroffen und man habe sich spontan verabredet.

Geburt des Urkästchens bei Rheinbegehung



"Restetreffen daher, weil wir mal sammeln wollten, was alles so vom Schreibtisch runterfällt, also nie verwertet wurde, um das Material dann zusammen anzugucken." Das Ergebnis sei fürchterlich gewesen, sagt er nicht ganz ernst gemeint und lacht schon wieder. "Jedenfalls ergab sich dabei die Idee einer gemeinsamen Rheinbegehung, bei der wir Dinge sammeln und daraus gemeinsam ein Kästchen basteln wollten." Das "Urkästchen" war geboren.

Andere Künstlerfreunde ließen sich von der Idee anstecken, regelmäßige Kästchentreffen wurden eingeführt. Auch Regisseur Jojo Wolff gehört zur "Kästchengruppe". Hauptberuflich macht er zum Beispiel die berühmten Käpt'n Blaubär-Filme. Er erläutert: "Vor jedem Treffen wird ein Thema festgelegt, zu dem dann alle etwas gestalten." Die Gruppe selbst nennt das Beisammensein, bei dem sie sich dann gegenseitig ihre Arbeiten zeigen, "launische Treffen". Wichtig sei dabei, wirft Theo Kerp, der als Zeichentrickfilmer unter anderem "Jim Knopf, der Lokomotivführer" geschaffen hat, auch folgendes ein: "Es gibt immer viel und gut zu essen - und Wein." Herbert Rosner, Maler und Grafiker mit eigenem Atelier in Köln, ergänzt: "Manchmal machen wir auch Ad-hoc-Kästchen", Unter dem Motto "Blaue Stunde" etwa haben alle blaue Gegenstände mitgebracht, die zusammengeworfen, neu verteilt und dann bearbeitet wurden. "Das sind dann unsere Basteltreffen", lacht die muntere Truppe selbstironisch.

"Biedermeiertheater" kam als Kunstform dazu



Bei allem Spaß, der leisen Ironie und offener Satire: Die Künstlergruppe lässt keinen Zweifel daran, dass ihr das Projekt viel bedeutet. "Es ist schon großartig, wie lange wir jetzt zusammen sind", sagt Wolff auf einmal ernst, "da verbinden einen unheimlich viele gemeinsame Erlebnisse."

Eine neue Kunstform kam 1987 dazu: Das Papiertheater, dessen Ursprünge auf die Biedermeierzeit zurückgeht. Die kleinen Bühnen werden selbstverständlich selbst gebaut. "Durch Theater, durch das Spielen lassen sich stehende Objekte in die Zeit überführen", sagt Schulmeyer.

Ein ganz besonderes Projekt der Truppe läuft schon über Jahre: "Egons Island nennen wir eine gefälschte Expedition. Wir führen untereinander einen wissenschaftlichen Briefwechsel über eine fiktive Ausgrabung im Norden Neufundlands. Dazu tauschen wir historische Dokumente, Fundstücke, Knochen und Briefe aus."

"Egons Island", das auch die Fantasie der Künstler dokumentiert, ist im Eifelmuseum ein eigener Raum gewidmet. Das Programm Die Künstlergruppe zeigt über drei Räume verteilt Papiertheater, Werke zur fiktiven Expedition "Egons Island", kreative Geschenke, die die Künstler sich gegenseitig gemacht haben, die klassischen "Kästchen" und andere Objekte. "Poetische Räume" eröffnen die Kreativen am 5. April und 16. Mai (jeweils 17 Uhr) mit jeweils sieben Papiertheater-Aufführungen. Ein Programm, mit dem sie bereits bis nach Jerusalem erfolgreich waren. (alg)