König Kunde sucht vergeblich

BITBURG-ERDORF. Am Bahnhof in Bitburg-Erdorf gibt es seit Montag keinen Schalter-Service mehr. Dennoch hat die Stadt Bitburg mit der Umgestaltung des Bahnhofgeländes begonnen. Knapp eine Million Euro sind für das Projekt eingeplant - das Land zahlt 85 Prozent.

 Ratlos: Der Amerikaner Nathan Weems studiert vergeblich den Fahrkarten-Automat im Erdorfer Bahnhof. Nicht nur die Sprachwahl-Funktion ist außer Betrieb.Foto: Dagmar Schommer

Ratlos: Der Amerikaner Nathan Weems studiert vergeblich den Fahrkarten-Automat im Erdorfer Bahnhof. Nicht nur die Sprachwahl-Funktion ist außer Betrieb.Foto: Dagmar Schommer

AmBahnsteig in Erdorf rennt ein junger Mann suchend auf und ab. DerAmerikaner Nathan Weems möchte mit seiner Freundin nach Amsterdamreisen. Die Sprachwahl am Fahrkarten-Automat funktioniert nicht,einen Fahrkarten-Schalter gibt es nicht mehr. "Sehr geehrter Kunde, der Fahrkartenschalter ist ab 31.03.2003 geschlossen", steht auf einem schlichten Schild. Darunter die Nummer der kostenlosen Fahrplanauskunft (0800/1507090) und die gebührenpflichtige Nummer für persönliche Buchungen (11861). "Wenn man wenigstens das Ticket gleich bis Amsterdam lösen könnte", klagt der 28-Jährige. Doch nach der Schalter-Schließung gibt es in Erdorf nur noch Tickets für den Nahverkehr.

"Wir haben einen Fernverkehrs-Automaten beantragt. Frühestens im Frühsommer wird er installiert", sagt der für Rheinland-Pfalz zuständige stellvertretende Bahn-Sprecher Selfo Kröger. Damit kommen Reisende in Erdorf vorerst nicht in den Genuss des Frühbucher-Rabatt-Systems - denn dies funktioniert nur an Fernverkehrs-Automaten.

In Jünkerath steht zwar ein Fernverkehrs-Automat, einen Schalter gibt es dort aber seit Montag auch nicht mehr. Hintergrund der Schließungen: Die Bahn hat den Vertrag mit dem Koblenzer Unternehmen Entrada, das bislang die Fahrkarten verkaufte, wegen Zahlungsrückständen fristlos gekündigt (der TV berichtete). Während am Bahnhof in Bullay/Mosel, der Entrada-Service übergangsweise durch Bahnangestellte ersetzt wird, muss "König Kunde" in Erdorf und Jünkerath Automaten bedienen. "Ein Schalter trägt sich dort nicht", erklärt Kröger.

"Das ist sehr traurig", sagt Werner Krämer, Sprecher der Stadt Bitburg. Die Stadt invesitert knapp eine Million Euro in die Neugestaltung des Erdorfer Bahnhofsgeländes - 85 Prozent davon kommen als Zuschuss aus Mainz. Das alte 60er-Jahre-Gebäude neben dem Bahnhof ist bereits abgerissen.

Frisches Grün für die Schalter-Wüste

Geplant ist ein Zufahrtsbereich von der Mainzer Straße, Parkplätze für Park&Ride-Nutzer, Fahrradboxen und eine einladende Begrünung des Bahnhofsgeländes. Von der Schalter-Schließung habe die Stadt nichts gewusst - doch das Investitionsprojekt hätte man ohnehin in Angriff genommen. "Das lohnt sich auf alle Fälle", betont Krämer und verweist auf die Bedeutung der Eifelstrecke, auf Fahrradtouristen und die städtebauliche Bedeutung des 132 Jahre alten Bahnhofes. Mit dem ebenfalls geplanten behindertengerechten Umbau der Bahngleise will die Stadt jedoch warten - noch sind hierfür keine Zuschüsse zugesagt.

Nathan lässt sich inzwischen seinen 50-Euro-Schein in der Gaststätte "Am Bahnhof" wechseln - der Fahrkarten-Automat nimmt keine 50-Euro-Scheine. Ab Donnerstag gibt es in der Kneipe neben Reiseproviant auch wieder Zeitungen. "Es kommen viele Leute zum Geldwechseln rein oder sie fragen, wo sie umsteigen müssen", sagt Inhaber Manfred Stoos. Kein Wunder, findet sich statt München höchsten Mürlenbach, statt Hamburg nur Hallschlag in der alphabetischen Liste der buchbaren Ziele. Mit Fernverkehrs-Fahrplänen hilft der Wirt ratlosen Reisenden. "Das ist eigentlich nicht unsere Aufgabe. Aber das gehört bei uns zum Kundenservice."