Kolumne Eifel-Einsichten : Ein Heimat-Bedichter

Als hätte er es gewusst, schon damals, was mit dem ganzen Internetzgeplimper auf uns zukommt, wo jeder „hier! Ich! Ich! Ichichich!“ brüllt: „Wir sollten uns in den Hintergrund setzen, damit die Aufmerksamkeit der Welt nicht auf uns gerichtet ist; nicht die Welt soll uns, wir sollten vielmehr die Welt beobachten.

So durchschaut man die Welt, die Welt uns jedoch nicht.“

Jawoll! So schrieb Ror Wolf, den ich schon öfter und erfolglos zu lesen empfahl, in „Raoul Tranchirers Enzyklopädie für unerschrockene Leser“ (Band 2). Diese Woche hat er uns verlassen. Ich: erschrocken. Und während links und rechts der Karneval herumrandaliert (und ihr alle hoffentlich virenfrei durchkommt), muss ich leider ein „Mann, ist das traurig“ in die Welt rufen, die wahrscheinlich gerade wieder viel zu beschäftigt ist, um mir zuzuhören. Ach so, zum Karneval passt natürlich auch das hier: „Das Endziel der meisten Menschen ist heutzutage die Kneipe, wo alle Gesundheitsrücksichten in den Hintergrund treten.“ (ebenda. Und: Eben! !)

Dabei hat Ror Wolf auch unsere Heimat einmal in einer Geschichte traumschön verewigt (auch das schrieb ich schon mal), nämlich, genauer: Prüm.

Und zwar in seinen „Nachrichten aus der bewohnten Welt“. Da steht auf Seite 50 die Geschichte „Wahrheit und Wirklichkeit in Prüm“. Und darin stoßen zwei Männer „in der Nähe der Ortskrankenkasse“ zusammen „wie Lokomotiven“, mit einem Krachen „so stark und so allgemein, dass man mit dem Schlimmsten zu rechnen begann“. Nur einer behält die Ruhe: „Max Schmeling, der schwankend vorbeikam, sagte, man solle sich keine Gedanken machen, das Schlimmste sei längst überstanden.“

Das Schlimmste geht dann aber erst richtig los, ein Sturm (auch hier: wie heute!) zieht auf, „eine schwere, geschwollene Dunkelheit wälzte sich aus der Ferne heran“, die Erde platzt auf, der Regen klatscht, aus allen Fenstern spritzt das Wasser und reißt alles mit: Tische, Lampen, Betten. „Und schließlich flossen die Häuser selber davon, die Straße hinab, am Bahnhof vorbei, bis zum schwarzen, gurgelnden Ende“ (also irgendwo zwischen Wenzelbach und Niederprüm, vermute ich).

Und da sagen welche, hier sei nichts los. Jetzt ist auf jeden Fall, weil Ror Wolf gestorben ist, weniger los.

Pardon, das musste heute sein. Aber gibt’s denn gar nichts Positives? Doch, guck: „Vom Standpunkt des subjektiven Leidens aus gesehen, ist ein Besuch beim Zahnarzt schlimmer als die Guillotine.“

Danke, Herr Wolf, dafür und für alles. Et jit net jerannt.