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Kolumne: Zwei Wochen Erfahrungen mit Fleischverzicht zur Fastenzeit

Kolumne zur Fastenzeit : Eine nur behauptete Auswahl

Sieben Wochen ohne Fleisch: Die Aufgabe ist einfach, die Umsetzung tatsächlich alles andere als schwer, und dennoch fällt auf: Fleischverzicht ist irgendwie anstrengend. Die Entscheidung, auf den Verzehr von Tieren zu verzichten, bestimmt den ganzen Alltag – eine naive Feststellung, aber dem gemeinen Fleischfresser ist das nicht unbedingt in aller Konsequenz klar.

Der Verzicht auf kunstvoll zubereitete Kadaver ist dabei selber natürlich kein Hexenwerk, ist der Trick doch recht simpel: Man isst halt kein Fleisch. Käse statt Aufschnitt, Halloumi-Sandwichs statt Schinken-Schnitten und auch der Gemüseeintopf hat in all seinen köstlichen Facetten den Weg zurück in meine Küche gefunden. Vegetarisch leben ist doch einfach! Doch dann kommt der erste Restaurant-Besuch und die Arroganz des Vegetarismus-Touristen bricht in sich zusammen.

Meine Haltung vor dem Essen: Vegetarier haben immer eine Auswahl, schließlich gibt es doch seit Jahren kaum einen größeren Ernährungstrend als den Fleischverzicht. Wie sehr man sich irren kann. Angesichts zweier fleischloser Vorspeisen und zweier Hauptgerichte ist die Auswahl zwar da, wird aber schnell zu einer Behaupteten, sobald auch nur eine kleine persönliche Abneigung gegen eine gerade aktuelle und angesagte Trendzutat besteht. Ich bin beispielsweise Kürbis-Skeptiker. Orange Unholde mag ich nicht zu Allerheiligen und schon recht nicht nach Karneval. Damit haben sich aber gleich zwei Gerichte erledigt. Hätte ich eine Abneigung gegen Bärlauch, der Abend im Fine-Cuisine-Restaurant wäre hungrig geendet. Die erste Lektion ist also gelernt: Ein Angebot gibt es, eine Auswahl eher nicht. Auch wenn das Thema Fleischverzicht gefühlt in aller Munde ist.

f.auffenberg@volksfreund.de