Kommentar: Finger in die Wunde

DerKooperationsvertrag war bereits in trockenen Tüchern, und dasLand hatte den Weg offiziell frei gemacht. Trotzdem: Die Mehrheitdes Bitburg-Prümer Kreistags möchte nicht, dass ein privaterPflegedienst in die gewachsene Phalanx von Deutschem Roten Kreuz(DRK) und Caritas einbricht. Selbst ein eindeutiges und teuerbezahltes Gutachten konnte die große Koalition aus CDU und SPDnicht überzeugen. Dabei kommt deren Argumentation so gebrechlichdaher wie ein alter Mensch, der qualifizierter Pflege bedarf.Denn es klingt schon wie Hohn, wenn die Union von DRK und Caritasspricht und damit die Trägervielfalt als ausgereizt ansieht. Esspricht zwar einiges dafür, dass sich politische Parteien nichtvon einem Gutachten oder einer Verwaltungsformalie beeinflussenlassen; dennoch: Dieser Kreistagsbeschluss hat weder mitGerechtigkeit noch mit freier Marktwirtschaft das Geringstegemein. Dass zugleich in hoher Zahl Bürgermeister und Landräteals Multifunktionäre an wichtigen DRK-Schaltstellen sitzen(Kreis, Verbandsgemeinden) zeigt unterdessen deutlich, wo sichdie Lobby der privaten Pflegedienste befindet: Draußen vor derTür. Gut, dass Ulrich Michels nicht einbricht, klagt und damit die Finger mitten in die Wunde legt! m.reuter@volksfreund.de