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Fleischer Peters aus Winterspelt ist insolvent: Ende für Our-Schwein

Landwirtschaft : Tod für Tier-Rasse: Die 1000 letzten Our-Schweine erwartet die Schlachtung

Das Ende einer Schweinerasse und eines Lebenstraums: Mit der Insolvenz der Metzgerei Wilfried Peters stirbt das Our-Schwein aus, vier Höfe machen dicht und 17 Fleischereiangestellte verlieren ihren Arbeitsplatz. Wie es soweit kam.

„Das Fleisch ist gut und die Idee ist gut.“ Trotzdem hat es nicht funktioniert. Wilfried Peters steht vor einem Scherbenhaufen. Am 8. Dezember hat der Unternehmer, der neben seinem Metzgereibetrieb eine einzigartige Schweinezucht aufgebaut hat, mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens einen großen Traum ad acta gelegt. Seine Idee war es, alle vier Wertschöpfungsebenen in der Fleischproduktion unter einem Dach zu vereinen – Bauer, Schlachter, Metzger und Vertrieb. Damit wollte Peters die Wertschöpfung in den einzelnen Stufen, bei denen in der Regel der Bauer wirtschaftlich das Nachsehen hat, ausbalancieren. Viele Jahre und 250.000 Euro hat er in den Aufbau der Schweinezucht investiert.

Woher kommt das Our-Schwein von Bauer Wilfried Peters?

Seine Tiere gehen auf eine ganz besondere Rasse zurück: Das Kommern-Schwein. Hierbei handelt es sich um eine Rasse, die ausgestorben war und von Wissenschaftlern der Uni Gießen in Zusammenarbeit mit dem Freilichtmuseum Kommern in den 1990er Jahren zurückgezüchtet wurde.

Für Wilfried Peters war es eine besondere Auszeichnung, dass der Vorstand des Fördervereins des Rheinischen Freilichtmuseums Kommern seine Wurst- und Schinkenmanufaktur 2012 mit der Veredelung und Vermarktung des Fleisches des Kommern-Schweins betraute. Es war die Geburtsstunde des „Our-Schweins“.

Mit 28 Sauen der besonderen Kommern-Schweinerasse hat Wilfried Peters begonnen, eine eigene Zucht aufzubauen. Er kreuzte die Kommern-Schweine bis zur dritten Generation mit üblichen Schweinerassen. Danach musste wieder ein reines Kommern-Schwein eins der Elternteile sein. Diese exklusive Schweinerasse trägt die Bezeichnung „Our-Schwein“. Es hat die Robustheit und Genügsamkeit des Kommern-Schweins, ist aber nicht so fett. „Das Fleisch des Our-Schweins hat eine feine Marmorierung. Das Fett ist ernährungsphysiologisch wertvoller“, zitiert Peters aus einer Studie der Uni Gießen.

Das hochwertige Fleisch, Wurst und Schinken kamen beim Verbraucher gut an. „Wir haben die Waren in einen Umkreis von 100 Kilometern um die Eifel herum geliefert“, berichtet Peters. Und die Händler wollten mehr. Seine Klientel sei bereit gewesen, 30 Prozent mehr zu bezahlen als auf dem konventionellen Fleischmarkt üblich. Trotzdem kam der Crash.

Welche Faktoren zur Insolvenz der Our-Schwein-Zucht beigetragen haben

„An der Vermarktung hat es nicht gelegen, sondern an der Produktionsstruktur und der daraus resultierenden Kostenstruktur“, versucht Peters eine Erklärung für die Insolvenz. „Ich bin zu schnell gewachsen. Am Ende konnte ich die Kosten nicht mehr decken.“ Historische Hochpreise für Futter und Mehrkosten für die gesetzlich angeordnete Kastration der männlichen Ferkel zählt er auf. Er sieht auch Fehler bei sich: Mit Idealismus und Naivität habe er alles auf ein Pferd gesetzt. Anders als geplant, sei er in der GmbH & Co. KG alleine geblieben. „Ich habe Partner gesucht, aber keiner war bereit, das Konzept finanziell mitzutragen. Als einzelnes Handwerksunternehmen war ich nicht in der Lage, die erforderliche Produktion aufzubauen, um den nötigen Umsatz zu erwirtschaften.“

 Den in Hochzeiten auf 1400 Tiere angewachsenen Bestand hatte Peters auf vier Höfe verteilt, die dafür reaktiviert wurden: „Wir wollten brachliegende Ressourcen wieder nutzen wegen der Nachhaltigkeit“, erzählt er. In Heckhuscheid haben Roland und Elena Wanken die Ferkel aufgezogen. Von hier aus wurden sie auf drei Mastbetriebe in Trimport, Hemmeres und Wettlingen verteilt. Letzteren bewirtschaftet Karl-Heinz Wonner. Für den 67-jährigen Rentner, der in seinem Berufsleben mehr als 50 Jahre lang Schweine gezüchtet hat, sind die Tiere mittlerweile Hobby. Morgens und abends geht er in den Stall, um sie zu füttern. Peters hat strenge Kriterien für die Haltung und Aufzucht vom Futter bis zum Transport vorgegeben. Präventive Antibiotika sind ebenso verboten wie Wachstumsförderer. „Wir lassen den Tieren Zeit zum Wachsen“, sagt Wonner. In seinem Stall leben die 50 Schweine, die er aufzieht, in großen Boxen, zumindest größer als vom Tierwohlsiegel gefordert. Sie liegen auf Stroh und haben außerdem „Spielzeug“ aus Sisal und Holz, um ihren natürlichen Erkundungstrieb zu befriedigen.

Ein Grund, warum Peters in die Insolvenz gerutscht ist, liegt auch in den vergleichsweise hohen Haltungskosten. „Ich bräuchte Minimum 150 Euro pro Tier, um eine Kostendeckung für die Haltung und Aufzucht zu erreichen.“ Der Grundpreis für ein Mastschwein liege aber nur bei 100 Euro.

Karl-Heinz Wonner weiß, wie schwierig das Geschäft geworden ist: „In den letzten Jahren sind die Preise in den Keller gegangen.“ Der Lohnmäster, der sein Leben lang selbst Schweine gezüchtet hat, sieht eine düstere Zukunft kommen: „Wenn das so weitergeht, dann werden wir in fünf Jahren Fleisch aus China beziehen, wo die Schweine sicher nicht nach Tierwohlrichtlinien gehalten werden.“

Was die Insolvenz von Metzgerei Peters in Winterspelt für Tiere und Mitarbeiter bedeutet

Peters hat keine Hoffnung mehr: „Die Rasse wird aussterben. Alles für die Katz“, lautet seine traurige Bilanz. Er wird die Tiere an Schlachthöfe verkaufen müssen. Und das zu einem Preis, der weit unter den Kosten liegt, befürchtet Peters. Ihm bleibt keine Wahl. Er erinnert sich an einen Schlüsselmoment, den er an einer Zapfsäule hatte: „Ich habe Sauen zur Großschlachterei gefahren. An der Tankstelle habe ich anschließend von dem Erlös von zwei Tieren einmal volltanken können.“ Da habe er eingesehen, dass es nicht weitergeht. „Ich habe mein ganzes Leben da reingesteckt. Jetzt fange ich von vorne an mit 55“, lacht er ein bitteres Lachen, das im Hals stecken bleibt. Nicht nur er muss einen neuen Job suchen. 17 Mitarbeitern der Fleischerei aus Winterspelt musste er kündigen. Und das Ende des Our-Schweins bedeutet auch, dass demnächst der Zucht- und die drei Mastbetriebe, die Peters ins Boot geholt hatte, wieder stillstehen.

Das Schicksal der Tiere ist besiegelt. Nach und nach, je nachdem, wann die verbliebenen 1000 Schweine das Schlachtgewicht erreicht haben, werden sie nun in die Schlachthöfe in der Region gefahren. „Bis März sind wir durch“, meint Peters. Dann ist sein Lebenstraum abgewickelt.

(sys)