Kommunalpolitik in der Eifel: Wenige Damen im Männerclub

Kostenpflichtiger Inhalt: In der Eifel gibt es 24 Bürgermeisterinnen und 201 Bürgermeister : Kommunalpolitik in der Eifel: Wenige Damen im Männerclub

Seit mehr als Hundert Jahren dürfen sich Frauen in Deutschland zur Wahl stellen. Doch noch immer sind nur ein Zehntel der Gemeindechefs im Eifelkreis weiblich. Geändert hat sich das in den vergangenen Jahren kaum. Woran liegt das?

Sigrid Heinemann hat am 26. Mai Geschichte geschrieben. Denn an diesem Tag haben die Herforster die 50-Jährige zur Ortsbürgermeisterin gewählt. Was daran bemerkenswert ist? Sie ist die erste in der VG Speicher. Zuvor hat es in der Kommune nie eine Frau an die Dorfspitze geschafft. Die Speicherer ließen sich mehr als Hundert Jahre Zeit.  Seit 1918 dürfen sich Frauen in Deutschland zur Wahl stellen. Doch bis 2019 hat in der Töpferstadt und den umliegenden Gemeinden nie eine Dame kandidiert. Bis jetzt.

 Inzwischen hat Heinemann sogar Verstärkung bekommen. Denn der frühere Philippsheimer Dorfchef Klaus Aubart wurde jüngst von der 50-jährigen Anja Krämer beerbt.

Somit sind zwei der neun Chefsessel im Speicherer Land nun mit Damen besetzt. Aus dem Stand springt die Frauenquote von 0 auf 22 Prozent. Wer glaubt, dass die Kommune als Beispiel für einen Paradigmenwechsel herhalten kann, irrt aber. Denn in punkto Repräsentation des weiblichen Geschlechts in der Eifeler Kommunalpolitik hat sich – statistisch gesehen – rein gar nichts getan.

234 Gemeinden gibt es im Eifelkreis und 225 Gemeindeschefs. Für neun Dörfer fand sich gar kein Bewerber. Von den verbliebenen 225 wiederum sind 201 Männer. Es bleiben also nur 24 weibliche Amtsinhaber. Ein Schnitt von zehn Prozent. Das ist keine Überraschung. Seit Jahrzehnten klebt die Quote auf diesem Wert. Und auch bei den Nachbarn sieht es kaum besser aus. In ganz Rheinland-Pfalz ist nur etwa jede zehnte Amtsstube mit einer Frau besetzt.

In den größeren Gemeinden ist weibliches Führungspersonal noch rarer als in kleinen Ortschaften. Eine Eifeler Landrätin oder eine Bitburger Bürgermeisterin hat es nie gegeben. Eine Ausnahme bildete bis vor Kurzem die Prümer Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy (CDU). Doch auch die hat im Mai ein Mann vom Posten verdrängt.

Damit sieht es mit der Frauenquote in der VG Prüm noch düsterer aus. Im Männerclub von 43 Ortsbürgermeistern ist Rita Becker die Einzelkämpferin. Warum – das kann sich die Oberlascheiderin selbst nicht erklären. Besonders schwer gemacht werde es den Frauen in der Kommunalpolitik eigentlich nicht, sagt Becker. Trotzdem sei „die Tendenz bezüglich der Kandidatur von Frauen rückläufig“, meint Verwaltungssprecher Wolfgram Probst.

Ein ähnliches Bild bietet sich in der VG Arzfeld. Hier sind mit Jutta Zils (Üttfeld) und Beate Bormann (Dasburg) derzeit zwei Frauen am Steuer. Bormann will aber nicht mehr. Ob ihr ein Mann oder eine Frau nachfolgen wird, ist unklar. Es steht noch zwei zu 39.

Das Bitburger Land und die Südeifel können den Schnitt hingegen heben. Hier sind insgesamt 19 Frauen in Amt und Würden, unter anderem in größeren Gemeinden wie Fließem (Anja Esch) und Bollendorf (Silvia Hauer). In der Sauergemeinde ist Hauer die erste Frau am Ruder. Sie macht einen Erklärungsversuch: „Politik war eine Männerdomäne. Vielleicht trauen sich manche daher nicht ran.“ Für viele sei es außerdem schwer, Beruf, Haushalt und Ehrenamt unter einen Hut zu bekommen.

Sie ist eine von neun Dorfchefinnen in der Südeifel. Das entspricht einer Quote von 15 Prozent. Im Vergleich also: kein schlechter Schnitt. Bürgermeister Moritz Petry (CDU) hat sogar den Eindruck, „dass es sich stetig, aber langsam, so entwickelt, dass immer mehr Frauen ins Amt kommen.“

Dass dies zumindest wünschenswert wäre – davon sind alle Verwaltungschefs überzeugt. So sagt der Arzfelder Bürgermeister Andreas Kruppert (CDU): „Ich würde mich freuen, wenn mehr Frauen sich diese Aufgabe zutrauen würden, denn nicht das Geschlecht ist entscheidend, sondern das Engagement – und das ist bei Frauen oftmals sehr hoch.“ Parteikollege Petry gibt ihm Recht: „Es ist begrüßenswert, wenn sich das Missverhältnis zugunsten der Frauen verändert. Diese bereichern durch andere Sichtweisen und einen anderen Stil das politische Leben.“

Das Wahlsystem behandelt alle gleich. Hier ist nicht das Geschlecht entscheidend, sondern die Bekanntheit. Das Problem sei vielmehr, glaubt man bei den Verwaltungen, dass die Zahl weiblicher Bewerber auf politische Ehrenämter niedriger sei. „Wenn Frauen kandidieren, haben sie mindestens so gute Chancen wie Männer, in Räte oder auch als Ortsbürgermeisterin gewählt zu werden“, meint etwa Manfred Rodens, der Speicherer VG-Bürgermeister. Und die Statistik gibt ihm Recht. Wenn Frauen sich bewarben, wurden sie meist unterstützt. Allerdings gab es stets mehr männliche Bewerber. Über die Gründe dafür herrscht Uneinigkeit in den Rathäusern. Einzig der Arzfelder VG-Chef Kruppert (CDU) spekuliert: „Der Grund für die geringe Anzahl an Kandidaturen liegt häufig daran, dass Frauen oft durch Kinderbetreuung und Job stark belastet sind und sich daher zeitlich nicht in der Lage sehen, ein solches Amt auszufüllen.“

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