Kommunalwahl: In Prüm wird vieles anders

Kommunalwahl : Der neue Stadtchef: durchstarten ja, durchregieren nein

Verbandsgemeinde- und Stadtrat Prüm: Die Verhältnisse werden sich spürbar ändern. Das liegt vor allem an der Reuschen-Welle.

Nein, er erwarte keinen Erdrutsch für seine Wählergruppen: Das hatte der designierte Prümer Stadtbürgermeister, Johannes Reuschen, noch am Sonntagabend nach seinem Sieg gegen Mathilde Weinandy gemutmaßt (TV von Montag).

Nach Auszählung der Stadtratswahl (Wählerbeteiligung: 60,88 Prozent) sieht es ein bisschen anders aus: Es gab dann doch eine kräftige tektonische Verschiebung, und zwar in Richtung der Reuschen-Unterstützer bei der Prümer Bürgerbewegung (PBB, dort ist er Vorsitzender) und der FWG-Liste von Stefan Maselter, die bisher eine Fraktion bildeten: Sie kommen auf genau die Hälfte der 22 Sitze. Auf der anderen Seite: CDU und SPD, mit acht und drei Mandaten, also ebenfalls mit elf Sitzen.

Foto: Fritz-Peter Linden

Die Christdemokraten, angeführt von Mathilde Weinandy, bleiben zwar stärkste Fraktion mit 35,46 Prozent der Wählerstimmen und acht Sitzen, ein Minus von zehn Prozentpunkten. Direkt dahinter aber liegt schon Reuschens PBB mit 30,6 Prozent und sechs Mandaten – doppelt so viele wie bisher. Die Liste Maselter holt 21,7 Prozent (fünf Sitze, wie bisher). Vierter und Letzter in der neuen Ratsrunde: die SPD mit 12,2 Prozent und drei Sitzen statt der bislang vier.

Mit der Stimme des Stadtchefs heißt das für FWG und PBB unterm Strich: Sie haben einen mehr. Reuschen kann quasi durchregieren. Und falls ihm alles mal zu viel wird, kann er sich familiären Beistand suchen: Vater Ekkehard sitzt jetzt nämlich auch im Rat.

Seine erfolgreiche Kandidatur hat auch die Ratsverhältnisse durcheinandergewirbelt: Johannes Reuschen. Foto: Fritz-Peter Linden

Durchregieren? „Es wird sich an meiner Art, wie ich gerne fürs Städtchen Politik mache, gar nichts ändern“, sagt Reuschen. „Ich freue mich für meine Leute, die haben richtig Lust, loszulegen. Aber es wird nicht durchregiert.“ Und auch nicht triumphiert, ergänzt er. Stattdessen wolle er jetzt eine Woche lang Ruhe einkehren lassen und dann mit Mathilde Weinandy und der CDU darüber beraten, wie es nun weitergehe. Sein Ziel: im Stadtrat auch künftig nach Möglichkeit Einigkeit bei allen Beschlüssen zu erreichen.

Reuschens Vorgängerin Mathilde Weinandy sitzt wie immer morgens im Büro der Stadtbürgermeisterei – auf Abruf: „Ich nehme das Ergebnis an und bereite mich auf den Abschied vor.“ Dafür steht auch schon der Termin: Donnerstag, 27. Juni, konstituierende Stadtratssitzung. Und dessen neue Konstellation? „Ich muss ja jetzt nicht alles kommentieren“, sagt Mathilde Weinandy. „Wahl ist Wahl. Und was dabei rauskommt, muss der, der sich dazu stellt, auch annehmen.“

Annehmen darf man wohl auch, dass Aloysius Söhngen (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Prüm, mit Wehmut auf die neuen Verhältnisse im Rat schauen wird: Die absolute Mehrheit ist dahin. 15 Prozentpunkte weniger als bisher für die CDU, auch wenn die Partei mit 40 Prozent klar die stärkste Fraktion stellen wird.

Aber auch hier, wo Reuschen mit der FWG antrat, schnellen die Freien um elf Punkte auf 28,6 Prozent. Dahinter die SPD mit 14,7 (minus 3,1, ein vergleichsweise respektabel geringer Verlust) und die gesärkte Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen: Mit 10,2 Prozent (plus drei) und vier Mandaten gewinnen sie eins hinzu.

Und Jürgen Krämer, bisher einziger FDP-Vertreter, hat sein Hauptziel erreicht: Er darf von nun an eine zweiköpfige Fraktion führen. Auch die Liberalen holten ein weiteres Mandat, gewannen 3,5 Prozentpunkte hinzu und kommen auf 6,3 Prozent. In seinem Heimatort Brandscheid schaffte Krämer sogar starke 24,6 Prozent. Wählerbeteiligung insgesamt beim VG-Rat in den 44 Gemeinden: 66,58 Prozent.

Auffallend ist vor allem, dass die FWG mit Reuschen bei der Abstimmung über den VG-Rat auch in der Stadt Prüm absahnt, mit 41,39 Prozent. Dort schlägt sie sogar die CDU, die auf 32,2 Prozent kommt. Weit vorn ist die FWG auch in Nimsreuland (44,8 Prozent). Absolute CDU-Hochburg: Masthorn, mit 71 Prozent. Und in Mützenich holt die SPD endlich auch einmal ein Ergebnis, das an bessere Zeiten erinnert: 26,4 Prozent.

Söhngen selbst stand nicht zur Wahl – und will das Ratsergebnis auch nur knapp kommentieren: „Wir haben bisher auch kritische Beschlüsse über alle Fraktionen hinweg mit großer Mehrheit beschlossen. Da hoffen wir, dass die Sacharbeit auch im neuen Rat im Vordergrund stehen wird.“

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