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BICKENDORF. Kinder in den Gurt? Begleitpersonen in den Bus? Das TV-Forum zur Schulbussicherheit in der Kindertagesstätte Bickendorf ist mit einem hauchzarten Hoffnungsschimmer für die Eltern zu Ende gegangen.

Mehr Sicherheit für Kinder im Busverkehr: Der TV hatte am Donnerstag zum Forum in die Kindertagesstätte Bickendorf eingeladen, um über das Thema - trotz aller von Redakteur Manfred Reuter eingeräumten Dramatik - sachlich zu diskutieren. Trauriger Anlass: Der Busunfall vom März in Oberweiler, bei dem drei Kinder verletzt wurden, eines davon lebensgefährlich (der TV berichtete). "Es muss eine Verbesserung her", sagt deshalb die Bickendorfer Elternbeirats-Vorsitzende Birgit Simon. "Die Kindergarten-Kinder sind das schwächste Verkehrsmitglied. Die können sich nicht festhalten." An ihrer Seite: Suzanne Gessner vom Elternausschuss im Kreis Trier-Saarburg. Die Anregungen der beiden: Anschnallpflicht, Sitzplatzgarantie, gesonderte Beförderung der Kindergartenkinder außerhalb des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs (ÖPNV), am besten in Kindersitzen. Auch kürzere Linien oder wenigstens Begleitpersonen im Bus können sie sich vorstellen. Die Bickendorfer Eltern wären sogar bereit, dafür zu bezahlen. Es ist ein emotionales Thema. Aber für Gefühle ist Rudolf Zender, Amtsleiter für Straßenverkehr und ÖPNV in der Kreisverwaltung, nicht zuständig: Stattdessen kontert er nahezu sämtliche Vorschläge aus. Tenor: Nicht machbar, zu teuer, logistisch kaum umzusetzen. Er spricht von "Aufklärungsbedarf" und "Wissensdefiziten" bei den Eltern. Jenseits der unterkühlt-bürokratischen Phrasierung schafft er es allerdings auch, zähneknirschendes Verständnis für seine Haltung zu wecken. Beispiel: Eine Gurtpflicht im Bus bedeute zugleich das Verbot von Stehplätzen - und damit die Anschaffung von "kreisweit 60 zusätzlichen Fahrzeugen". Kosten: rund 2,6 Millionen Euro. "Dann wird der ÖPNV unbezahlbar", sagt Michael Billen, CDU-MdL und Vorsitzender des Kreis-Jugendhilfe-Ausschusses. Und er verweist auf juristische Spitzfindigkeiten: Klar könne man - umstrittene - Beckengurte einbauen (Kosten: 20 000 bis 30 000 Euro pro Bus). "Aber dann klagt ein Elternteil dagegen, und dann haben wir ein Problem." Keine Chance für bessere Verhältnisse also? "Ist es nicht schade, dass wir immer von Geld sprechen müssen, wenn wir über Kinder reden?", fragt Manfred Reuter. Zum Glück für die Eltern sitzen noch zwei Herren auf dem Podium - und die werden nicht müde, ihnen Hilfsangebote zu unterbreiten. Der erste ist Guido Walscheid aus Dudeldorf, Geschäftsführer der Regionalbus Trier GmbH. "Wenn wir das wollen, dann kriegen wir das auch hin", sagt er. Eine schnelle Lösung sei etwa ein Begleit-Modell nach US-Vorbild. In der Eifel könnten die Eltern mitfahren: "Die Unternehmer nehmen sie kostenlos mit", sagt Walscheid. Und Richard Zeimetz - als Verkehrs-Sicherheitsberater der Prümer Polizei und Ortsbürgermeister von Sefferweich doppelt im Thema - bietet sofort an, die Busbegleiter zu schulen. Das müssten nicht unbedingt Eltern sein: Das Begleitpersonal, so ist sich die Runde in zumindest diesem Punkt einig, könne vielleicht über Ein-Euro-Jobs angeheuert werden.Mehr Disziplin, weniger Gefahren

In der Schlussrunde mit Publikumsbeteiligung kommt, wie vorher, das Problem der Disziplin noch einmal zur Sprache: Wenn die Kinder wenigstens an ihren Plätzen blieben, sei zumindest die Verletzungsgefahr geringer, sagt Busfahrer Robert Görgen. Richard Zeimetz dazu: "Würden sie alle sitzen, wären wir schon ein großes Stück weiter." Gegen 22.30 Uhr ist das Forum zu Ende - aber auch danach wird diskutiert. Die Mütter wissen, dass sie kaum Chancen auf eine schnelle Lösung haben und fühlen sich vor allem bei der Politik als "hysterische Mamas" abgestempelt. Trotzdem: "Es war positiv, dass heute so viele gekommen sind", sagt Martina Alsfasser vom Elternbeirat. "Das bringt alle nochmal zum Denken - und das ist doch, was wir brauchen." Mit-Mutter Steffi Kinnen-Baatz findet es gut, dass man auch einmal die Argumente der Gegenseite gehört habe. Fest steht: Sie geben nicht auf. "Wir machen weiter", sagt Birgit Simon. Informationen gibt es im Internet unter www.kinder-in-den-gurt.de.