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Krähenkolonie in Prüm: Bürger wollen sie erhalten

Natur : Krähenkolonie in Prüm: Zuspruch für die Zugeflogenen

Nach unserem Bericht über den lärmenden Ableger der Prümer Krähenkolonie zwischen Bahnhofstraße und Kreuzerweg haben sich einige Anwohner beim TV gemeldet: Sie nehmen das mit den neuen Nachbarn offenbar locker.

Die Prümer Krähenkolonie, eine der größten in Rheinland-Pfalz und mindestens 50 Jahre alt: Am verganenen Dienstag berichteten wir, dass die Vögel offenbar einen Ableger gegründet haben, der sich vom Stammplatz, dem Waldstück Richtung Rommersheimer „Held“, in Richtung Stadt aufgemacht hat. Da hausen sie jetzt, vor allem in den Bäumen zwischen Bahnhofstraße und Kreuzerweg. Nisten dort, brüten dort, lärmen dort und schmutzen herum.

Und das, wie Stadtbürgermeisterin Mathilde Weinandy sagte, stört dann doch einige Anwohner in den nahen Häusern. Vor allem, wenn die Vögel so richtig laut werden.

Bald darauf meldeten sich weitere Prümer beim TV. Und die ergreifen Partei für die Saatkrähen. Sylvia Grein zum Beispiel, Architektin in der Bahnhofstraße: Sie hat mit einer Reihe von Nachbarn in beiden Straßen gesprochen, „sowohl Prümer als auch ganz neu Zugezogene“. Und keiner habe ein Problem mit den Tieren. Im Gegenteil: „Unisono sind alle der Ansicht, dass die Krähen nicht stören, sondern vielmehr zu Prüm und zur Natur gehören“, sagt Syvia Grein. „Es gab keine einzige Stimme, die sich in irgendeiner Form dagegen ausgesprochen hätte.“

Stattdessen sprechen sie deutlich dafür. Wie Frank Kirsch: „Ich wohne bereits seit 50 Jahren in Prüm und davon 43 Jahre in der Bahnhofstraße“, sagt Kirsch, der für die Prümer Bürgerbewegung auch dem Stadtrat angehört. „Die Krähenkolonie gehörte schon immer zu Prüm. Und wenn sie mal in manchen Jahren nicht da waren, hatte ich sie eigentlich schon vermisst.“

Früher, sagt Kirsch, „waren auch die Landwirte dankbar, da sie ja Schädlinge bekämpften und den Müll entsorgten – heute, durch den Einsatz von Pestiziden, ist die natürliche Nahrung weggefallen.“ Und jetzt bedienten sie sich an Früchten und Saatgut.

Oder eben an allem, was ihnen eine Stadt so bietet. Ja, gelegentlich machten die Vögel auch Krach, sagt Frank Kirsch. Aber ihn störe das nicht, zumal es „sehr intelligente Tiere sind“.

Ein Stück weiter die Straße hinab in Richtung Niederprüm steht das Landhotel am Wenzelbach: Man lebe ja schon etliche Jahrzehnte mit der Krähenkolonie, sagt Gastwirt Werner Arens. „Natürlich machen die auch Radau, wenn sie in der Brutzeit sind. Aber es ist ja auch ein kleines Schauspiel“, findet er, das zudem auf wenige Monate beschränkt sei.

Er würde sich sogar wünschen, dass man das touristisch noch viel mehr nutze in der Stadt. Immerhin habe Prüm eine der größten Kolonien in Europa. „Für uns machen die keinen Schaden“, sagt Arens, „Und auch für unsere Gäste nicht.“ Für manche sei das eher eine Attraktion.

Werner Arens, der auch den Prümer Pferdemarkt mitorganisiert, hat noch eine Beobachtung gemacht: Wenn man auf dem Ausstellungsgelände, das zwischen der Haupt- und der Nebenkolonie liegt, abends nach Ende des Markts nicht direkt den Müll wegräume, dann sortierten die Krähen sozusagen die Abfälle bereits ein bisschen vor: „Die durchsuchen den dann. Und holen schon mal was weg.“

Seit zehn Jahren wohnen auch Andrea und Jochen Benzrath in der Bahnhofstraße. „Die stören mich überhaupt nicht“, sagt Andrea Benzrath. Und wenn die Tiere unterwegs seien, sei das doch schön: „Da sieht man, dass es Frühling wird.“

Christa und Olaf Meyer wohnen schon länger in Prüm, aber erst seit Februar im Kreuzerweg: Und haben auch kein Problem mit den gefiederten Nachbarn: „Ich hab absolut nichts gegen die Krähen“, sagt Olaf Meyer. Die Vögel drehten halt ihre Runden über den Häusern und machten auch Krach, aber: „Mich stören die überhaupt nicht.“

Die Stadtbürgermeisterin ist angesichts dieser Prümer Willkommenskultur dann doch bass erstaunt: „Nä!“, entfährt es ihr am Telefon. „Damit hätte ich jetzt nicht gerechnet.“ Unterdessen versucht sie weiterhin, den Kontakt zu den Experten bei der Struktur- und Genehmigungsdrektion Nord in Koblenz hinzubekommen, um dort zu erfahren, wie man mit den Zugeflogenen in der Stadt umgehen könne.

Bisher kam noch kein Gespräch zustande mit den offensichtlich extrem schwer erreichbaren Fachleuten. Sie probiert es weiter. Denn zumindest wolle sie eine Möglichkeit finden, die Neu-Kolonie zwischen den beiden Prümer Stadtstraßen vielleicht etwas zu verkleinern. Weil: „Das sind schon viele Nester da“, sagt Mathilde Weinandy.

Ob und wie sich das also wird regeln lassen, bleibt derzeit offen. In derr Zwischenzeit müssen wir uns aber ohnehin noch mit einer anderen Frage befassen: Wieso nennen die Prümer ihre Stadtvögel eigentlich „Schönecker Krähen“? Antwort in Kürze, wenn wir mit denen gesprochen haben, die darüber Bescheid wissen.