Krebserregende Schadstoff-Belastung - Auswirkung auf den Angelsport in der Eifel

Mit Vorsicht zu genießen : Krebserregende Schadstoff-Belastung - Auswirkung auf den Angelsport in der Eifel

Fische aus einigen Eifeler Gewässern enthalten krebserregende Schadstoffe. Das ist seit Jahren bekannt, belastet aber den Angelsport noch immer – vor allem in Binsfeld.

Es ist still an den Angelteichen. Zumindest wenn nicht gerade ein Jet durch den Himmel donnert. Dann hört man im Schatten der Bäume höchstens eine Ente quaken oder den Wind durch die Äste pfeifen. „Großer Blauer Weiher“ nennen die Binsfelder diesen See. Obwohl das Wasser gar nicht blau ist, sondern  blassgrün. Seerosen treiben auf der Oberfläche. Kaulquappen verstecken sich zwischen Binsen vor den vielen Fischen, die sich hier tummeln.

Die Anlage könnte ein Paradies für Angler sein. Doch die Idylle trügt. Immer weniger Sportler werfen in Binsfeld ihre Ruten aus. Und gegessen wird der Fang schon gar nicht. Denn seit 2014 ist bekannt, dass der Verzehr der Fische krankmachen kann. Die Tiere tragen ein Gift im Körper, das sie durch die Kiemen aufgenommen haben.

Perfluorierte Tenside (PFT) treiben in den Gewässern rund um die Flugplätze Bitburg und Spangdahlem. Die Chemikalien stammen aus Löschschäumen der Feuerwehren, die jahrzehntelang auf den Militärstützpunkten geübt haben (siehe Info). Schleichend sind  sie in den Boden und ins Wasser gesickert, haben sich in  Fischen angereichert.

Die Angelteiche in Binsfeld sind besonders belastet. Zu sehen ist davon nichts. Hier treiben keine toten Fische auf dem Wasser, nicht mal ein Schmierfilm. Die Weiher sehen genauso aus wie vor Jahrzehnten, etwas sauberer vielleicht. Doch das will nichts heißen. Denn PFT sind unsichtbar, geruchlos und breits in geringen Dosen gesundheitsschädlich.

Solche geringen, aber bedenklichen, Dosen wurden bei Messungen der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Fischen nachgewiesen. Zuletzt untersuchten die Fachleute den Fang 2015 und laut einer Sprecherin ist keine erneute Beprobung geplant. Denn die sei „erst dann sinnvoll, wenn sich an der Situation etwas verändert hat.“ Und das hat sie nicht. An der Belastung der Flüsse und Weiher hat sich nichts geändert. Und somit schwimmen dort auch immer noch giftige Fische herum.

 Im „Großen Blauen Weiher“ etwa haben Angler eine Bachforelle gefangen, die mit 150 Mikrogramm Perfluoroctansulfonsäure (PFOS) pro Kilogramm belastet war. Ein Fisch aus dem Spanger Bach brachte es auf 134 Mikrogramm. Zum Vergleich: Ein Sandkorn wiegt 200 Mikrogramm. Trotzdem warnt die Umweltbehörde vor dem Verzehr.

Laut der SGD Nord sollte ein 60 Kilo schwerer Erwachsener monatlich maximal 300 Gramm Fisch aus bestimmten Eifelgewässern verspeisen. Eine Bachforelle bringt im Schnitt ein bis zwei Kilo auf die Waage. Ohne Flossen, Kopf und Gräten ist das gerade genug für zwei Abendessen. Und zugleich mehr, als die Experten für eine gesunde Ration halten. Einige Angler haben seit dem Skandal daher kein gutes Gefühl mehr, selbst gefangene Tiere zu servieren.

Den „Großen Blauen Weiher“ beangele sein Verein überhaupt nicht mehr, sagt etwa Frank Feider, Vorsitzender des Angelsportclubs Binsfeld. Ob er einen Fisch aus dem Teich essen würde? „Um Gottes Willen.“ Auch die anderen Clubgewässer seien belastet, wenn auch nicht so stark. Der Fang lande daher kaum auf dem Teller. Stattdessen werden Tiere rausgezogen und wieder reingeworfen. Sonst bleibe den Fischern nichts übrig, sagt Feider: „Das Vereinsleben hat stark unter der PFT-Geschichte gelitten.“ Austritte habe es zwar keine gegeben. Aber viele Mitglieder seien nicht mehr so aktiv wie früher.

Ähnlich geht es den Salmfischern, dem zweiten Angelverein in Binsfeld. Ihr Vereinsgewässer ist der Märchenweiher, der durch eine Drainage vom Flugplatz gespeist wird. Über diese Drainage gelangten jahrzehntelang Schadstoffe ins Wasser. Heute weist der Weiher die größte PFT-Belastung in der Gegend auf. Gemessen wurden Werte zwischen 1500 und 4200 Nanogramm pro Liter. Konzentrationen bis 0,69 Nanogramm wären laut Umweltqualitätsnorm unbedenklich.

Die Salmfischer haben das Gewässer daher 2014 aufgegeben. Für den Vereinsvorsitzenden Dieter Faber ist es „eine Schande für den schönen Platz“. Als Ausgleich hat das Land dem Verein einen Weiher im Naturschutzgebiet „Binsfelder Tongruben“ zur Verfügung gestellt. Nach wie vor hofft Faber aber, dass er seine Rute irgendwann wieder am „Märchen“ auswerfen kann. „Die Gemeinde und der Bund müssen sich darum kümmern, dass der Teich genutzt werden kann“, fordert er. Doch die Sanierung der Umweltschäden stockt seit Jahren. Was daran noch ärgerlich für ihn und seine Kollegen ist? Kurz bevor die Belastung bekannt wurde, hatten sie für rund 2000 Euro Fische eingesetzt. Nun haben die Salmfischer weder etwas vom Geld, noch vom Besatz. Denn derzeit würde wohl kein Binsfelder eine Forelle aus dem Märchenweiher essen.

Und auch deshalb erfreut sich der Sport im Dorf keiner so großen Beliebtheit mehr. Einige Salmfischer seien aus dem Club ausgetreten. Insgesamt, sagt Faber, sei es „eine schlechte Zeit für Angler.“

Außerhalb des Ortes scheint sich der PFT-Skandal hingegen kaum auf das Vereinsleben auszuwirken. „Wir haben unsere Weiher zweimal testen lassen“, sagt Christopher Lautwein vom Angelsportverein  Niederkail. Die Weiher seien nicht belastet. Fisch komme weiterhin auf den Tisch. Ähnliches erzählt Andreas Follmann, Vorsitzender des Angelsportvereins Großlittgen. Die Lieser sei von PFT kaum betroffen.

Die Schadstoffwerte in der Nims bei Bitburg sind hingegen erhöht. Winfried Tholl, Vorsitzender der Bitburger Sportfischer, ist deswegen aber nicht beunruhigt: „Es gibt kein Gewässer, das frei von Chemikalien ist.“

Die Fische aus der Nims zwischen Rittersdorf und Birtlingen essen Angler weiterhin. Mit Gesundheitsrisiken ist laut SGD Nord auch nicht zu rechnen. Eine Verzehrsempfehlung für die Nims gibt es nicht.

Anders sieht es bei der Kyll aus. Die Umweltbehörde warnt davor, mehr als 300 Gramm Kyllfisch zu essen.

Angelweiher Binsfeld PFT Mai 2019. Foto: TV/Christian Altmayer

Stark belastet ist der Fluss aber nur unterhalb von Hüttingen. Zwischen Erdorf und Zendscheid gebe es kein Schadstoffproblem, sagt Klaus Schnarrbach von den Kyllfischern: „Die Wasserqualität ist besser denn je.“

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