Kreis jagt Gewehre durch den Schredder
Bitburg/Prüm · Die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm hat 2708 Gewehre und Pistolen durch den Metallschredder geschickt. Seit sie damit begonnen hat, Waffenbesitzer zu kontrollieren, haben mehr als 1000 Menschen freiwillig ungenutzte Waffen herausgerückt.
Bitburg/Prüm. Wie kann es sein, dass ein Mann, der bekanntermaßen 130 Waffen besitzt, über Jahrzehnte hinweg nicht kontrolliert wird? Diese Frage stellten sich 2011 nicht nur zahlreiche TV-Leser, nachdem im Volksfreund ein Bericht über den spektakulärsten Fund illegaler Waffen zu lesen war, den es in der Region bis dahin gegeben hatte: Ein 59-jähriger Bitburger hatte neben seinen 130 legalen Waffen 140 Revolver und Gewehre, zwei Maschinenpistolen, mehr als 30 000 Schuss Munition und 63 Kilogramm Pulver zum Herstellen von Munition illegal gehortet. Wie kann das sein? Diese Frage stellte sich auch der mit dem Fall betraute Bitburger Richter Udo May, der die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm heftig kritisierte. Damals nämlich hatte die für Kontrollen zuständige Behörde noch keinen Kontrolleur. Seitdem ist viel passiert. Inzwischen dürfte der Eifelkreis als Vorbild in Sachen Waffenkontrolle durchgehen. 2010 hatte die Verwaltung als erste in Rheinland-Pfalz alle gemeldeten Waffenbesitzer angeschrieben. Sie sollten bitte nachweisen, dass sie ihre Waffen sorgfältig in Sicherheitsschränken verwahren. Etwa 1000, die das nicht nachweisen konnten, entschieden sich daraufhin, ihre Waffen abzugeben. Die stolze Summe von 2708 Schusswaffen kam so zusammen - überwiegend handelte es sich dabei um ungenutzte Erbstücke. Besonders häufig fanden alte Flobert-Gewehre - die nach ihrem Erfinder benannten Vorläufer heutiger Wettkampfwaffen - den Weg ins Kreishaus. Sie sind inzwischen mit allem anderen Schießgerät zerschreddert worden. Fotos dokumentieren das Zerstörungswerk, das für mehr Sicherheit sorgen soll. Noch immer aber sind 2369 Menschen im Eifelkreis im Besitz von insgesamt 12 544 Waffen. Diejenigen, die freiwillig zugeben, diese nicht sicher zu lagern, bekommen eine vierwöchige Frist, bis zu der sie sich einen Waffenschrank zulegen können - müssen dann allerdings mit einer Überprüfung rechnen. Denn seit dem 1. September 2012 beschäftigt die Kreisverwaltung einen Waffenkontrolleur. Die nebenberufliche Aufgabe übernimmt Willi Schlöder, ehemaliger Bundeswehrsoldat, auch bekannt als Wehrleiter der Verbandsgemeinde Kyllburg. In der Regel meldet Schlöder seine Besuche telefonisch an. "Ich werde überwiegend freundlich empfangen", sagt er. Ja, viele seien sogar froh, bescheinigt zu bekommen, dass alles rechtens ist. Und manchmal nimmt er eine ungewollte Knarre gleich mit. Weit oben auf seiner Liste stehen jene Waffenbesitzer, die dem Aufruf der Kreisverwaltung bisher nicht gefolgt sind. Diese verfolgt laut Landrat Joachim Streit zwei Ziele: Zum einen wolle man alte Waffen einsammeln, zum anderen dafür sorgen, dass die übrigen sicher verstaut sind. Nicht nur der Landrat, sondern auch sein Kämmerer dürfte sich freuen. Bisher hat das Ganze Streit zufolge nämlich lediglich 5000 Euro gekostet. Auch der Jagdverband und die Schützenvereinigungen, die der Kreis mit ins Boot geholt hat, werten die Kontrollen als Erfolg. Im Kampf gegen illegale Waffen, wie jene des sammelwütigen Bitburgers, hilft das neue Verfahren allerdings nur bedingt - schließlich werden in erster Linie die Behältnisse kontrolliert. Was woanders versteckt ist, erfährt der Kontrolleur nicht. Meinung
Spät, aber sehr sinnvoll2009 wurde das Waffenrecht verschärft. Doch erst 2012 bekam die Kreisverwaltung Bitburg-Prüm einen Waffenkontrolleur, der sie überhaupt in die Lage versetzte, dieses Recht auch wirksam umzusetzen. Reichlich spät. Aber gut. Dafür sind die Zahlen, die die Verwaltung nun vorgelegt hat, umso beachtlicher: Mehr als 2700 Waffen hat sie eingesammelt und zerstören lassen. Das sind 2700 Waffen weniger, die in den falschen Händen zur Lebensgefahr werden können. Die Strategie geht ganz offensichtlich auf. Gut auch, dass die Verwaltung den Landesjagdverband und Schützenvereine eingebunden hat. Auf diese Weise ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass viele Waffenbesitzer Verständnis für die Überprüfung haben. Illegale Waffen wird man allerdings kaum entdecken, solange die Kontrollen angekündigt werden. k.hammermann@volksfreund.deExtra
Nachdem ein Jugendlicher 2009 in Winnenden bei einem Amoklauf in einer Schule 15 Menschen mit der Pistole seines Vaters getötet hatte, wurde das Waffenrecht verschärft. Behörden können Besitzer von Gewehren oder Pistolen nun fortlaufend prüfen. Zudem müssen diese schon zum Erwerb der Erlaubnis nachweisen, dass sie ihre Waffen sicher aufbewahren können. Die Behörden haben zudem das Recht, die Waffen zu vernichten, statt sie zu verkaufen und betätigen sich so nicht mehr als "Waffenhändler". Sie sind auch nicht mehr verpflichtet, die Besitzer eingezogener Gewehre oder Pistolen für den Verlust zu entschädigen. kah