Kreis will für die Turnhalle vor Gericht ziehen

Bitburg · Nach Monaten vergeblicher Verhandlungen hat die Schulaufsicht in Trier dem Kreis gestern mitgeteilt, dass sie den Neubau einer drei Felder großen Turnhalle in Bitburg finanziell nicht fördert. Der Schulträger will nun gerichtlich dagegen vorgehen.

Bitburg. Schon mehr als ein Jahr ist es her, dass in der Turnhalle des St.-Willibrord-Gymnasiums plötzlich ein Knall ertönte, der das Ende des gewohnten Sportunterrichts einläutete: Eine Stahlsäule war eingeknickt, woraufhin sich an der Decke und im Boden Risse bildeten. Völlig zu Recht beschloss man, dass es zu gefährlich wäre, die Schüler weiterhin in der maroden Halle turnen zu lassen. Erst vor wenigen Wochen ergab eine neue Standsicherheitsuntersuchung, dass der Zustand des Gebäudes sich zwar nicht weiter verschlechtert hat, dass allerdings - insbesondere in Umkleiden und Duschräumen - unmittelbare Einsturzgefahr besteht.Auch Mensa ist Streitpunkt


Für mehr als 1100 Schüler findet der Sportunterricht ersatzweise in der Bitburger Sportschule am Flugplatz statt, wohin nun täglich Busse pendeln. Hallenmiete und Transport kosten den Kreis jährlich 90 000 Euro. Und die Fahrtzeit geht vom Unterricht ab.
"Was als Notlösung angesehen wurde, scheint sich zur Dauerlösung zu entwickeln. Damit wollen wir Eltern nicht einverstanden sein", schreibt Schulelternsprecherin Elisabeth Kallenberg-Annen an die rheinland-pfälzische Staatskanzlei. Dass das Provisorium nun schon so lange währt, ohne dass eine Lösung in Sicht wäre, liegt an einem Streit, der zwischen dem Kreis als Schulträger und der Schulaufsicht entbrannt ist. Ein Streit, der vor Gericht enden wird. Denn der Kreistag hat entschieden, seine Interessen notfalls juristisch durchzusetzen. Der Eifelkreis und die betroffenen Schulen - St.-Willibrord-Gymnasium, Realschule plus, Theobald-Simon-Schule und Maximin-Schule - sind der Ansicht, dass sie für ihre vielen Schüler eine neue Turnhalle mit drei Feldern benötigen (Kosten: 5,1 Millionen Euro). "Wir fordern keinen unangemessenen Luxus, wir wollen nur das Notwendige", sagt die Elternsprecherin. Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier sieht jedoch bloß den Bedarf für zwei Felder und hat dem Kreis gestern mitgeteilt, dass sie eine Drei-Feld-Halle nicht fördern wird.
Die Kreisverwaltung will zudem, dass dort, wo derzeit noch die marode Turnhalle steht, ein Gebäudekomplex gebaut wird, in dem unter anderem eine große Mensa Platz findet. Und zwar die wichtigste Schulmensa Bitburgs, in der das Essen für die Schüler des Gymnasiums, der benachbarten Realschule plus, der St. Martin- und Maximin-Schule sowie der Berufsbildenden Schule nicht bloß ausgegeben, sondern frisch gekocht wird. Die ADD hatte auch zunächst keine Bedenken, solange der Kreis die Mehrkosten vollständig gegenfinanziert (pro Essen müssten 39 Cent mehr eingenommen werden, also 3,39 Euro). Inzwischen sieht die Lage jedoch anders aus. Denn im Juli teilte die Schulbehörde mit, dass nicht die Wirtschaftlichkeit, sondern die "pädagogische Notwendigkeit" gegeben sein müsse und diese nicht gesehen werde.
Trotz zahlreicher Gespräche und Briefwechsel zwischen Eifelkreis, Staatskanzlei und Bildungsministerium konnte bisher keine Lösung gefunden werden. Da der Förderantrag für die Turnhalle gestern abgelehnt wurde, ist die Verwaltung nun nach dem Votum des Kreistags ermächtigt, vor Gericht zu ziehen. Und sie sieht gute Chancen, den Rechtsstreit zu gewinnen, da die ADD sich ihrer Ansicht nach nicht an die Vorgaben der Sportstätten-Planungs-Verordnung hält. Selbst wenn die Bauarbeiten wider Erwarten 2015 beginnen, werden viele der heutigen Schüler die Bauten nicht mehr nutzen. Denn vor 2017 werden sie sicher nicht stehen.Meinung

Keine halben Sachen
Schon seit mehr als einem Jahr müssen mehr als 1100 Schüler beim Sportunterricht mit einem Provisorium leben. So unschön es ist, den Neubau der Sporthalle weiter zu verzögern, ist es dennoch richtig, vor Gericht zu ziehen. Schließlich geht es um mehrere Generationen von Schülern, die davon profitieren werden, dass man sich nun nicht auf halbe Sachen einlässt. k.hammermann@volksfreund.deExtra

Laut ADD gibt es an den vier kreiseigenen Schulen einen Sportbedarf von 332 Wochenstunden. Um den zu decken, sind laut Kreisverwaltung acht Hallenfelder nötig. Auf diese Zahl möchte der Kreis mithilfe der Dreifeldhalle kommen. Allerdings ordnet die ADD 25 Schwimmstunden dem Cascade zu und zieht 14 Wochenstunden ab, die in einer Halle stattfinden, die der Kreis pachtet. Danach sind nach Ansicht der Behörde nur noch sieben Felder (Kosten: 4,5 Millionen Euro) nötig (und damit eine halbe Million Euro weniger Zuschuss). Der Kreis müsste also für 29 400 Euro im Jahr weiter pachten und Schüler transportieren. kah