Kreissparkasse Bitburg-Prüm zieht positive Jahresbilanz

Wirtschaft : Bilanz, Bus und Brötchen

Trotz immer strengerer Regulierung durch die Europäische Zentralbank und seit langem herrschenden Niedrigzinsniveaus sieht der Vorstand der Kreissparkasse Bitburg-Prüm der Zukunft positiv entgegen.

Ingolf Bermes liest eine Geschichte vor: Ein Mann geht in Erlangen zum Bäcker und möchte Brötchen kaufen. Er weiß noch nicht, ob er ein Weizen-, Roggen- oder Vollkornbrötchen möchte. Nun fragt sich der Leser zurecht, warum erzählt der Vorstand der Kreissparkasse Bitburg-Prüm bei der Bilanzpressekonferenz Geschichten? Von einem Brötchen?

Damit will Bermes die Bürokratie verdeutlichen, der die Banken und  ihre Kunden inzwischen ausgesetzt sind. Im weiteren Verlauf der Geschichte fragt der Bäcker den Kunden, welchen Beruf er habe, welche Ausbildung und ob er schon einmal Brötchen gekauft habe. Denn er möchte prüfen, ob der Kunde überhaupt in der Lage und damit berechtigt ist, Brötchen zu kaufen. Bis der Mann seine Semmeln nach Hause tragen kann, bekommt er das Mischverhältnis der Zutaten mitgeteilt, einen Stapel Papier ausgehändigt und Informationen zum Preisniveau in der Region.

Die Geschichte sei ein guter Vergleich für den Aufwand, der durch eine Richtlinie der Europäischen Union entstehe – darüber sind sich alle Anwesenden einig. „Das kostet alles viel Zeit und viel Geld“, sagt Bermes. Mitarbeiter müssten extra geschult und Gespräche und jede einzelne Beschwerde aufgezeichnet und dokumentiert werden. Die Kunden müssten extrem viel Bürokratie über sich ergehen lassen. Anhand der Fülle der Informationen würden viele Menschen verunsichert, erklärt Vorstandsmitglied Rainer Nickels – obwohl die Regulatorik die Verbraucher eigentlich schützen solle. „Man nimmt die Banken in den Würgegriff“, sagt Joachim Streit, der Vorsitzende des KSK-Verwaltungsrats, „da kontrollieren Leute, die nichts mit dem Bankgeschäft zu tun haben.“ Man könne Kunden nie zu 110 Prozent absichern.

Auch die „faktische Abschaffung der Zinsen“ ist laut Bermes weiterhin eine der größten Herausforderungen. Diese werde sich noch über Jahre in der Bilanz widerspiegeln. Dadurch gebe es enormen Druck auf die Ertragslage. Der Kunde würde sich vor dem Hintergrund natürlich zurecht fragen, warum er überhaupt noch sparen solle, sagt Nickels. Dennoch sind die Kundeneinlagen gewachsen (siehe Info).

Das liege an der starken örtlichen und menschlichen Nähe zu den Kunden, ist sich Bermes sicher. „Da sind wir genau auf dem richtigen Weg.“ Die Sparkasse gehöre laut einer Umfrage zu den 20 vertrauenswürdigsten Unternehmen Deutschlands. Dafür bedankt sich der Vorstand bei seinen Mitarbeitern, „die dieses Vertrauen tagtäglich stärken“. In die Mitarbeiter will die KSK weiterhin investieren, auch 2018 will sie wieder zehn junge Menschen ausbilden. Probleme, Nachwuchs zu finden, hätten sie bisher nicht, sagt Bermes.

Von den niedrigen Zinsen profitiert hätten das Immobiliengeschäft und Wertpapiere, erklärt Nickels. „Gerade in Bitburg boomt der Wohnungsbau ja bekanntlich“, sagt das Vorstandsmitglied. Die Darlehenszusagen für den privaten Wohnungsbau lägen mit 72,4 Millionen Euro auf dem Vorjahresniveau und die Zahl der Wertpapierkunden sei gestiegen. „Das bleibt weiterhin ein sehr attraktiver Markt“ – trotz Trump und Brexit, die als Gefahren für die Börse galten. Die rentabelste Geldanlage 2017 sei der Bitcoin gewesen, sagt Bermes. Aber: Kryptowährungen hätten mit seriöser Geldanlage nichts zu tun. Das sei was für Casino-Besucher. „Das ist reine Spekulation.“

Die letzte große Herausforderung ist und bleibt auch für die KSK die Digitalisierung. 2017 seien erstmals mehr Transaktionen über das Smartphone als über das Homebanking getätigt worden, sagt Nickels. Das Onlinebanking sei durch die Internetfiliale und die SparkassenApp sehr viel benutzerfreundlicher geworden. 2018 werde die Verantwortlichen das kontaktlose Zahlen beschäftigen. So soll es möglich sein, Beträge bis 30 Euro ohne Eingabe der Pin zu bezahlen. In manchem Discounter werde das schon getestet.

Das zunehmend digitale Kundenverhalten war einer der Gründe, warum die KSK 2017 zehn Kleinstfilialen geschlossen hatte. Als Ersatz dafür wird seit einer Woche ein Sparkassenbus eingesetzt, der innerhalb einer Woche 26 Orte im Eifelkreis anfährt (der TV berichtete). Dieser komme sehr gut bei den Leuten an, sagt Bermes. „Wir hatten Zuspruch ohne Ende.“ Insbesondere der Geldautomat werde stark genutzt. Es seien auch schon zwei Girokonten auf der Tour angelegt worden, sagt Nickels, also Neukunden gewonnen worden. „Die haben gesagt, schön, dass Sie zu uns kommen.“ Dem ersten Eindruck nach nutzten hauptsächlich ältere Menschen und junge Mütter die mobile Filiale.

Weitere Filialschließungen seien für 2018 nicht vorgesehen, versichert Streit. „Wir wollen ein selbstständiges Institut bleiben, indem wir weiterhin Kosten senken, aber die Geldversorgung aufrechterhalten.“

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