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Krieg in der Eifel: Dokumentaristen arbeiten an neuem Film

Neuer Film entsteht : Kriegsende in der Eifel: Zeitzeugen, bitte melden

Manfred Klein und Robert Fuchs, die Dokumentaristen der Ardennen-Offensive, haben weiteres, nie gesehenes Material aus der Zeit vom Ende des Zweiten Weltkriegs entdeckt. Jetzt machen sie einen Film daraus. Dabei brauchen sie Hilfe – von den Eifelern.

Bewegte Bilder, bewegende Bilder: Manfred Klein aus Buchet und Robert Fuchs aus Habscheidermühle entdecken immer noch Neues in der Vergangenheit.

Die beiden Eifeler arbeiten seit sieben Jahren an ihrer multimedialen Dokumentation über die Ardennen-Offensive im Dezember 1944 („Grenzland in Flammen“). Den ersten Teil haben sie abgeschlossen und schon mehrere Male vor großem und anschließend immer beeindrucktem Publikum präsentiert, unter anderem Anfang 2019 vor 700 Menschen in Bitburg.

Teil zwei des Mammutvorhabens sollte inzwischen längst fertig sein. Aber: Sie arbeiten akribisch und wollen dabei alles richtig machen. Deshalb – und weil sie immer wieder neue Funde aufstöbern – dauerte es damit auch ein bisschen länger.

Kriegsende in der Eifel: Unfassbar viel Material

Insgesamt, sagt Klein, haben er und Fuchs seit Beginn ihrer Recherche-Reise „Unmengen an Bild-, Ton- und Filmmaterial“ aufgestöbert, er sei immer noch erstaunt über Umfang und Inhalt. Besonders beeindruckend  seien die Filme, die damals das amerikanische Signal Corps der Armee gedreht habe.

Allein die digitalen Datensätze haben einen Umfang von 32 Terabyte. Was so viel heißt wie: Man kann es sich kaum vorstellen. Das alles will sortiert und aufbereitet sein, sorgfältig und korrekt. Das dauert.

Und dann grätschte ihnen die Pandemie dazwischen. Die Folge: Sie kommen derzeit nicht überall hin, um weiterzuforschen. Manfred Klein: „Das Nationalarchiv der USA ist zum Beispiel seit dem März 2020 mit Ausnahme von vier Wochen durchgängig geschlossen.“

Film über die Eifel 1945: Persönliches im Mittelpunkt

Aber sie haben ja schon so viel Material. Und stellten inzwischen fest: Sie stießen auf so viele, bislang nie gezeigte Filmdokumente, „die uns die Zeit von Januar 1945 bis zum April 45 im Kreisgebiet eindrucksvoll näher bringen“, dass sie daraus einen abendfüllenden Film machen wollen, jenseits ihrer weiter laufenden Dokumentation zur Ardennen-Offensive.

Prägend seien dabei  die Aufnahmen, die das Grenzgebiet „während und unmittelbar nach den Kampfhandlungen zwischen dem Januar und März 1945 zeigen“, sagt Klein. Und so beschlossen sie, den Film über die Eifel im Frühjahr 1945 vorzuziehen, bevor Teil 2 ihrer Dokumentation abgeschlossen wird.

Arbeitstitel: „Eifel 45.“ Darin sollen die Menschen von damals im Mittelpunkt stehen. Klein: „Weg von den nüchternen militärischen Erläuterungen hin zu den privaten, persönlichen Erlebnissen.“ Eines der Fundstücke sind Aufnahmen vom 15. Februar 1945 aus Auw bei Prüm. Man sieht darauf Kinder und eine Mutter vor einem Backhaus. Oder zwei junge Auwer, die sich auf den Weg machen, um auf den Weiden des Dorfs getötete Tiere zu bergen und zu vergraben.

Nur: Wo genau war das alles? Und wer ist da zu sehen? Die beiden machten sich auf die Suche nach den Drehorten, „um sozusagen eine Zeitbrücke aus dem Damals zum Heute schlagen zu können. Wir wurden fündig“, sagt Manfred Klein. „Und wir konnten auch noch zwei der abgebildeten Kinder ausfindig machen. Nikolaus Eichten aus Auw war einer von ihnen.“

Kriegsende in der Eifel: Aufnahmen aus vielen Dörfern

Der heute 89-Jährige erinnert sich: Die Rolle mit dem entwickelten Film, sagt er im Gespräch mit dem TV, „hat hier in einem Haus gelegen. Den hat ein Schulkollege von mir gefunden.“ Die beiden hätten dann die Filmstreifen gegen das Licht gehalten und sich darauf erkannt. Danach sei die Rolle auseinandergeschnitten worden. „Mein Schulfreund hat mir dann die Schnipsel gegeben.“ 25 dieser Einzelbilder hat Eichten noch.

 Zeitzeuge Nikolaus Eichten aus Auw mit einem Filmschnipsel, der nach dem Krieg in seine Familie gelangte.
Zeitzeuge Nikolaus Eichten aus Auw mit einem Filmschnipsel, der nach dem Krieg in seine Familie gelangte. Foto: Manfred Klein

Der Fund lieferte Klein und Fuchs den Ansporn, nach weiteren Zeitzeugen zu suchen. Insbesondere gilt das für Aufnahmen, die am 6. März 1945 in Kyllburg entstanden: Darauf sind Frauen, Männer und Kinder zu sehen, die sich in großer Zahl und auf Anweisung der US-Militärverwaltung auf dem Marktplatz versammeln.

Für Klein und Fuchs wäre es wichtig, dass jemand, der damals dabei war, der sich oder andere auf den Fotos erkennt – mit ihnen Kontakt aufnimmt. Damit ihre Arbeit vorangehen und der Film um weitere Informationen von Zeitzeugen ergänzt werden kann.

 Gerade die Kinder von damals könnten helfen. Klein: „Interessant wäre es nun, diese Personen heute vor die Kamera zu bringen und mit ihnen ein Interview zu führen.“

Darüber hinaus wird der Film auch Sequenzen aus vielen weiteren Orten im Kreisgebiet enthalten. Auch von dort können sich Zeitzeugen bei den Machern melden. Unter anderem geht es um Burg Falkenstein bei Bauler, Sinspelt, Holsthum, Alsdorf, Bleialf, Heckhuscheid, Ouren, Prüm, Brandscheid, Weinsheim und, im Vulkaneifelkreis, Duppach.

 Als der Krieg zu Ende war: Aufnahmen amerikanischer Soldaten, entstanden 1945 in Kyllburg. Fotos: US Army
Als der Krieg zu Ende war: Aufnahmen amerikanischer Soldaten, entstanden 1945 in Kyllburg. Fotos: US Army Foto: US Army

Wie gesagt: Es ist ein zusätzliches Projekt. Und danach geht es weiter mit dem zweiten Teil ihrer Dokumentation über die Ardennen-Offensive. Sobald die Pandemie – und die beunruhigenden weltpolitischen Entwicklungen unserer Zeit – es irgendwann wieder zulassen.

Wer Informationen hat, kann sich mit Robert Fuchs in Verbindung setzen, Telefon 0170/5572433. Per E-Mail erreicht man beide, Fuchs und Klein, unter der Anschrift: 5mintotwelve@online.de