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Krimi-Autor Ralf Kramp hatdie Stadt Hillesheim nachhaltig verändert

Porträt : Kramps wunderbare Welt des Krimis

Er ist Autor, Verleger, Karikaturist und demnächst auch Musical-Darsteller – sie ist  Buchhändlerin, Gastronomin  und kongeniale Komplizin. Monika und Ralf Kramp haben die Stadt Hillesheim nachhaltig verändert.

Prolog

Als Einstieg eine Geschichte, die der großartige Kabarettist Konrad Beikircher gerne erzählt. Er habe sich in einer KFZ-Werkstatt Winterreifen aufziehen lassen und in der Wartezeit seinen Laptop hervorgeholt. Einige Minuten später sei der Chef des Betriebs an ihm vorbeigekommen und habe gefragt, welches Spiel er denn zocke. „Nein, ich arbeite an meinem Buch“, habe Beikircher geantwortet. Die Reaktion darauf: „Der Mann ruderte mit den Armen, riss die Augen auf, schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn und rief völlig entgeistert: „Aus dem Kopf? Ohne Vorlage?“

Nach Hillesheim. Auch für die Metamorphose der Kleinstadt in der Eifel zur „Krimihauptstadt Deutschlands“ habe es keine Vorlage gegeben. „Eins fügte sich zum Nächsten und es waren viele Köpfe daran beteiligt. Doch die Keimzelle war Jacques Berndorf mit seinen Eifel-Krimis“, erzählt Ralf Kramp.

Der bundesweite Erfolg der Romane war gewissermaßen der Urknall, der den kleinen Krimi-Kosmos in und um Hillesheim gebar. Zunächst entstanden in Zusammenarbeit zwischen Berndorf alias Michael Preute und Hillesheims Tourismus-Chef Manfred Schmitz Krimi-Wanderwege, die Tatorte und Kulissen der Romane miteinander verbanden. Später – und hier haben Monika und Ralf Kramp entscheidenden Anteil – kamen das Kriminalhaus mitsamt Cafè, dem KBV-Verlag, die auf Kriminal-Literatur spezialisierte Buchhandlung Lesezeichen und die deutschlandweit größte Krimi-Bibliothek hinzu. Fast zeitgleich entstand im ehemaligen Hotel Fasen das Krimihotel. Der Tisch war für Liebhaber und Fans des Genres gedeckt. Und sie kamen in Scharen. Doch wie genau lief die Geschichte ab?

Kapitel I: Ralf Kramp entdeckt die Welt - und sie ihn

An einem grauen, nebelverhangenen Novembertag im Jahre 1963 erblickt Ralf Kramp in Euskirchen das trübe Licht der Welt. (Diese Einleitung passt einerseits hervorragend zur Vita eines Kriminalschriftstellers, andererseits nicht zum sonnigen Gemüt des Protagonisten). Kramp wächst in Schwerfen, unweit seines Geburtsorts Euskirchen auf. Seine Eltern beschließen, ihn auf das Erzbischöfliche Internat in Bad Münstereifel zu schicken. „Ich bin von Kindheit an der Kriminal-Literatur verfallen“, erzählt er. Und: „Außerdem hatte ich einen Hang zu den sogenannten „Schönen Künsten.“

Schon während der Schulzeit habe er erste, kurze Geschichten verfasst und damit seine Hefte gefüllt – aber eben auch mit Karikaturen der Lehrer. „Die Zeichnungen waren unter meinen Mitschülern sehr beliebt, und sie gingen mir viel schneller von der Hand, als die Geschichten“, sagt Kramp. „Also schlug ich zunächst diese Richtung ein.“ Es folgt eine Ausbildung als Maler und Lackierer, doch schon bald macht er sich als Karikaturist selbstständig, zeichnet lange für den Kölner Stadtanzeiger und entwirft unter anderem Karnevalswagen für den Kölner Rosenmontagszug.

Der Job beim Stadtanzeiger ist der Auslöser für eine Begegnung, die Kramps Leben verändern wird. „Eines Tages im Jahr 1994 kam unser Fotograf in die Redaktion und breitete einige seiner Bilder auf dem Schreibtisch aus“, erinnert er sich. „Eines der Fotos zeigte einen Mann mit weißen Haaren und einem weißen Schnäuzer, und ich fragte den Kollegen, wer das sei.“ Er heiße Michael Preute, nutze das Pseudonym Jacques Berndorf und sei ein Journalist und Buchautor, erzählte der Fotograf. Und dann der alles entscheidende Satz: „Vor Kurzem hat er einen Krimi unter dem Titel ,Eifel-Gold‘ veröffentlicht.“ Es hätte ihm den Atem verschlagen, sagt Kramp heute. „Das war doch exakt der Titel meines halb fertigen Manuskripts. Also habe ich Michael Preute angerufen und um einen Termin gebeten.“

Das Ende der Geschichte: Preute und Kramp treffen sich nur wenige Stunden später. Das unfertige Manuskript solle er unbedingt fertig schreiben, befindet Schriftsteller Preute nach kurzer Durchsicht. „Was ich dann auch getan habe“, sagt Ralf Kramp. „Ohne Michael wäre der Roman ,Tief unter dem Laub‘ wahrscheinlich nie fertig geworden.“ Und das Buch hat Erfolg: Für sein 1996er Debüt erhält er den Förderpreis des Eifel-Literaturfestivals. Kramp und Preute sind seit ihrer ersten Begegnung befreundet. Und die Freundschaft hat Folgen – auch für Hillesheim.

Kapitel II: Monika entdeckt Ralf - und Ralf entdeckt Hillesheim

Der Erfolg des Autors Ralf Kramp reißt nicht ab. In kurzer Folge veröffentlicht er weitere Kriminalromane, die sich bestens verkaufen. Ende 2000 meldet sich eine Buchhändlerin, die Kramp für eine Lesung in Daun bucht. „Das war Monika. Und danach ging alles ziemlich schnell.“

2001 übernimmt Ralf Kramp den Kölner KBV-Verlag, dessen einziges Flaggschiff er inzwischen ist. Seine Bücher verkaufen sich gut, während die damaligen Verlagsleiter den großen Teil ihres Angebots kaum an den Mann bringen. „Wichtig zu erwähnen“, sagt Kramp: „Das Kürzel KBV steht für Klein & Blechinger-Verlag und nicht, wie so viele Menschen glauben, für ,Kramps Buch-Verlag‘, oder Krimi-Buch-Verlag.“

Monika, seine neue Lebensgefährtin (geheiratet wurde später) und er, hätten sich gefragt, was denn nach der Übernahme des Verlags schief gehen könne, erzählt Kramp. „Eine Menge. Am Ende stand aber der Entschluss fest, das Abenteuer zu wagen.“

Die Anfänge in einem fensterlosen Raum neben der Buchhandlung in der Augustiner Straße in Hillesheim als Ein-Mann-Unternehmen seien prägende Jahre gewesen. „Als Verleger habe ich wahrscheinlich alle Fehler begangen, die zu begehen sind. Es war ein beständiges „learning by doing.“ Während all dieser Zeit hätte das Ehepaar Pläne für die Zukunft geschmiedet, ein Kriminalhaus in Hillesheim, in dem unter einem Dach der Verlag, die Buchhandlung und vielleicht auch ein Café Platz finden sollten, war die gemeinsame Vision. „Den Mut diesen Schritt zu unternehmen, schöpften wir, als Michael Preute/Jacques Berndorf in seiner unnachahmlichen Art mitteilte, nun hätten wir uns genug geziert. Er wolle seine Bücher ab sofort beim KBV veröffentlichen.“

Dem folgte eine komplette Umstellung des Verlags, sagt Kramp. „Wir waren bis dahin nicht darauf eingestellt, Bücher überregional und in diesem Falle, auch bundesweit zu vertreiben.“ Mehr Mitarbeiter mussten eingestellt, der gesamte Verlag auf den Kopf gestellt werden – aber damit war die finanzielle Grundlage geschaffen, das erste Kriminalhaus in der Augustiner Straße zu eröffnen.

Kapitel III: Hillesheim entdeckt sich neu – und alle entdecken Hillesheim

2007, in dem Jahr der Eröffnung des Kriminalhauses in der Augustiner Straße, hätten die Betreiber des Hotels Augustiner Hof ein Haus weiter auch das ehemalige Hotel Fasen aufgekauft. „Monika und ich hatten bereits ein Konzept in der Tasche und beschlossen, es dem damaligen Hotelmanager Christoph Böhnke zu schenken“, erzählt Kramp.

Die Idee, ein Krimihotel einzurichten, sei den Kramps bei einer der vielen Autofahrten zu Lesungen oder in den heiß geliebten England-Urlauben gekommen. „Wie so oft“, sagt Ralf Kramp und lächelt. Die Betreiber hätten den Vorschlag gerne angenommen, Themenzimmer einzurichten. Einen großen Teil der Ausstattung besorgten Monika und Ralf Kramp auf Flohmärkten. „Wir haben die Sachen fotografiert und nachgefragt, ob sie in dieses oder jenes Zimmer passen könnten. Hat uns großen Spaß gemacht. Selbstverständlich wurden unsere Unkosten von Mintrop & Gutjahr übernommen.“

In den folgenden Jahren sorgt das Ensemble aus Kriminalhaus, Krimihotel und Krimi-Wanderwegen für einen regen Anstieg der Tourismus-Zahlen, Hillesheim profitiert von einer Erzählung, für die, wie eingangs beschrieben, viele Protagonisten stehen, sagt Kramp. „Um nur einige zu nennen: Seit 2001 leitet Heinz-Peter Hoffmann mit seinem Team überaus erfolgreich das Krimi-Festival „Tatort Eifel“ – und ohne Manfred Schmitz und Michael Preute und dem damaligen Landrat Onnertz wäre das Ganze in der Art nicht gelungen. Es war eine glückliche Fügung. Es sind viele Leute zusammengekommen, die das Thema Krimi zukunftsorientiert betrachtet haben.“

Kapitel IV: Ralf Kramp entdeckt die Leichtigkeit des Seins

Mit der Eröffnung des neuen Kriminalhauses im Jahr 2013 scheinen Monika und Ralf Kramp endlich den Raum gefunden zu haben, in dem all ihre Leidenschaft für den Krimi unter einem Dach versammelt werden kann. „Ich glaube, es ist ein Resultat dessen, dass wir unsere Ideen weiter verfolgen, auch wenn ein Betriebswissenschaftler davon abraten würde“, sagt Kramp. Die Corona-Krise habe das Unternehmen gut überstanden, in der Pause habe Neues entstehen können. „Zurzeit bin ich für lediglich 20 Lesungen gebucht, normalerweise wären es rund 80 im Jahr.“ Zeit also, sich anderen Projekten zu widmen. „Selbstverständlich ist auch ein neues Buch in der Mache“, sagt Kramp.

 Ralf Kramp im Café Sherlock
Ralf Kramp im Café Sherlock Foto: KBV
 Ralf Kramp
Ralf Kramp Foto: KBV
 Ralf Kramp hat in der Eifel einiges in Bewegung gebracht.
Ralf Kramp hat in der Eifel einiges in Bewegung gebracht. Foto: KBV
 Das neue Kriminalhaus in Hillesheim wurde 2013 eröffnet.
Das neue Kriminalhaus in Hillesheim wurde 2013 eröffnet. Foto: KBV
 Monika und Ralf Kramp bei der Einrichtung des Tatorts auf dem Dachboden des Kriminalhauses.
Monika und Ralf Kramp bei der Einrichtung des Tatorts auf dem Dachboden des Kriminalhauses. Foto: KBV

Im KBV-Verlag erschienen jährlich rund 24 Bücher, auch hier sei der Nachschub nicht abgerissen. „Die Unterstützung seitens der Stadt und der vielen krimibegeisterten Menschen, die hierhin kommen, ist weiterhin groß. Und dann haben Monika und er noch eine weitere Idee: „Das „Geheimnis der Dachkammer“, unsere interaktive Mörderjagd, bekommt einen mörderischen Nachbarn. Monika und ich haben schon eine genaue Vorstellung davon, wie die Einrichtung aussehen soll.“