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Kronenburger putzen ihren See heraus

Stadtkyll/Kronenburg. Das Ende des Freibads in Stadtkyll scheint besiegelt - die Verbandsgemeinde Obere Kyll kann die Sanierung nicht bezahlen (der TV berichtete). Daher richtet sich der Blick auf das zweite Badegewässer nur wenige Kilometer weiter: den Kronenburger See. Fritz-Peter Linden

Stadtkyll/Kronenburg. Wenn der Sommer ins Obere Kylltal zieht, bleibt eine der beliebtesten Einrichtungen in der Verbandsgemeinde (VG) geschlossen: das kommunale Freibad im Wirfttal bei Stadtkyll. Eine Sanierung wäre für die darbende Kommune nicht zu stemmen, nachdem frühere Förderzusagen aus dem Landes-Innenministerium sich in Luft auflösten (der TV berichtete).
Bad bleibt dicht


Das Bad bleibt also erstmals seit seiner Eröffnung vor mehr als 40 Jahren dicht. Und auch eine vielleicht nun doch mögliche Fusion der Oberen Kyll mit der Verbandsgemeinde Prüm im Zuge der Kommunalreform wird daran zunächst wohl wenig ändern. Auch wenn es bisher Signale von Bürgermeister Aloysius Söhngen gab, dass man in einem solchen Fusionsfall bemüht sein werde, touristische Infrastruktur zu erhalten.
Das Aus für das Bad bedeutet aber nicht das Ende aller Wasserfreuden im Oberen Kylltal: Denn zwischen Kronenburg (Kreis Euskirchen, Nordrhein-Westfalen) und Hallschlag liegt der Kronenburger See, an dessen Zweckverband neben der NRW-Gemeinde Dahlem auch die Obere Kyll beteiligt ist. Rund 60 000 bis 80 000 Besucher kommen in einer guten Saison dorthin, schätzt Reinhold Müller, Bürgermeister der Gemeinde Dahlem.
Und das nicht ohne Grund: Er weist nach jüngsten Untersuchungen eine Spitzen-Wasserqualität auf - nachzulesen in der aktuellen "Badegewässerkarte" des Landes Nordrhein-Westfalen ( www.badegewaesser.nrw.de ). Dem See wird darin, im vierten Jahr hintereinander, die Bestnote erteilt. Während der Badesaison entnimmt das Gesundheitsamt alle vier Wochen Wasserproben, um sie auf bakterielle Belastungen zu überprüfen.
Spitzenwerte also - das liege nicht zuletzt daran, dass die Kommunen in den vergangenen Jahren auch etwas für den See und die weiteren Freizeiteinrichtungen getan hätten, sagt Andreas Wisniewski, Geschäftsführer der Tourist-Information Oberes Kylltal in Stadtkyll.
Neue Angebote


"Das fängt an bei der Qualität des Rad- und Wanderangebots - Beispiel Vulkanpfad -, geht über die Schaffung neuer Angebote wie am Eichholzmaar bis hin zur nachhaltigen Verbesserung der Wasserqualität der Kyll und deren Nebenflüssen", sagt Wisniewski. "Was natürlich auch dem Kronenburger See zugutekommt." Zudem habe man am Oberlauf und den Zuflüssen der Kyll in den vergangenen Jahren die Wasser-Reinigung unter anderem durch den Einbau von speziellen Filtern nachhaltig verbessert.
Das zeige, dass die beteiligten Kommunen bereit seien, das Mögliche zu tun - ebenso, wie man es ja auch von den touristischen Betrieben verlange: Denen, sagt Wisniewski, singe man seit Jahren das Hohelied der Spitzenqualität. "Die Betriebe sollen sich zertifizieren lassen, ihr Angebot verbessern und sich auch selbst durch den Besuch von Schulungen und Qualitätsseminaren fit machen." Im Gegenzug hätten die Kommunen eben ihren Teil der Aufgaben erledigt, um "die Qualität des Naturraumpotenzials und des touristischen Angebots sukzessive zu verbessern".
Und damit macht man in diesem Jahr auch am Kronenburger See weiter: Er soll, neben den bisherigen Sport- und Spiel-Einrichtungen am Ufer und im Wasser - im Sommer einen Wasserseilgarten erhalten. Kosten: 160 000 Euro, zu 80 Prozent gefördert von der Europäischen Union. Deutlich teurer soll allerdings die Sanierung des mehr als 30 Jahre alten Staudamms werden - laut Schätzungen etwa 3,65 Millionen Euro. Auch damit soll im laufenden Jahr begonnen werden.Extra

Angeln, Campen, Schwimmen, Segeln und Tretbootfahren - einige der Freizeit-Angebote am Kronenburger See, den man auch umwandern kann. Er liegt auf nordrhein-westfälischem Gebiet in der Gemeinde Dahlem, die aber mit der benachbarten Verbandsgemeinde Obere Kyll gemeinsam die Ferienregion vermarktet. Beide Gemeinden sind auch im Zweckverband des Sees vertreten. Als der Staudamm, 18 Meter hoch und mehr als 300 Meter lang, Ende der 1970er Jahre angelegt wurde, stand die touristische Nutzung nicht im Vordergrund: Der See ist als Rückhaltebecken vorgesehen, um Hochwasser an der Kyll, die ihn speist, zu verhindern. fpl