Kultur am Schienenstrang

"Großer Bahnhof": So heißt das Vorhaben einiger engagierter Musiker, die in der Jünkerather Bahnstation ein Kulturprogramm auf die Beine stellen wollen. Schon jetzt haben etliche prominente Künstler zugesagt, dort aufzutreten.

Jünkerath. "Alle Leute, die wir ansprechen, wollen da spielen. Das ist \'ne schöne Sache", sagt Wolfgang Anton. Der Kölner Musiker von der Gruppe "De Famillich" ist einer der Initiatoren des Jünkerather Kulturbahnhof-Vorhabens. Und er freut sich, dass schon eine Reihe prominenter Künstler ihre Zusage erteilt haben, im alten Wartesaal der Station auf halber Eifelstrecke aufzutreten. Mit dabei sind unter anderem die Musiker von Cat Ballou, der frühere Pogues-Gitarrist Jamie Clarke, die Stimmungskanone Björn Heuser, Arno Steffen (Ex-LSE), das Trio mit Sänger Gerd Köster und den Gitarristen Frank Hocker und Helmut Krumminga (kürzlich bei BAP ausgestiegen) und die Kabarettisten Hubert vom Venn und Achim Konejung.
Auch Wolfgang Anton und die Famillich werden in Jünkerath auftreten - und das war ursprünglich auch das Einzige, was man vorhatte: "Wir haben zusammen mit den Paveiern in Nettersheim gespielt", erzählt Anton. Und da habe er den Band-Bassisten (und TV-Mitarbeiter) Vladi Nowakowski gefragt, ob der nicht noch andere Auftrittsorte kenne. "Und Vladi hat dann den Jünkerather Bahnhof vorgeschlagen."
Nächster Ansprechpartner der beiden: Ortsbürgermeister Rainer Helfen. Und der hat überhaupt nichts dagegen, "dass das Ganze wiederbelebt wird. Es ist einfach mal ein Experiment. Und wir erhoffen uns dadurch natürlich eine breitere Außenwirkung. Vielleicht kommt ja einer und sagt: Toll, da mach ich mit."
Das dürfen ruhig auch Sponsoren sein, denn die Initiatoren arbeiten bisher ohne jede finanzielle Unterstützung von anderer Seite. Auch garantierte Gagen gibt es nicht: Je mehr Menschen die frühere Bahnhofskneipe mit einer Kapazität von gut 150 Besuchern füllen, desto mehr bleibt in der Künstlerkasse.
Helfen hofft jedenfalls auf einen guten Start: "Ich bin gespannt, wie es anläuft. Die Resonanz ist ja bisher sehr gut."
Das treibt auch Wolfgang Anton an, der bereits festgestellt hat, dass man mittlerweile "mit Leidenschaft und Freude" an der Sache arbeite, wobei er zugibt, von sich selbst überrascht worden zu sein, denn, wie gesagt: Anfangs ging es nur um eine Auftrittsmöglichkeit. Jetzt organisiert er mit.
Und hat auch bereits andere Vorhaben in Arbeit: So habe man den "Muskelkatersport Köln" dazu überreden können, in der alten Schalterhalle einen E-Bike-Verleih anzubieten. Und neben dem Bahnhofsgebäude soll ein kleiner Biergarten entstehen, zumindest an den Wochenenden. Am besten mit einem Betreiber aus der Gegend: "Von Köln aus lässt der sich schwer machen", sagt Anton und lacht.
Ein weiterer Anreiz ist der kombinierte Fahr- und Eintrittskartenverkauf: Da Jünkerath im Gebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Sieg liegt, haben Konzertbesucher, die mit dem Zug anreisen, mit der Eintrittskarte auch schon den Fahrschein gelöst, ohne Aufpreis. Klingt doch zunächst alles sehr gut - und das in Jünkerath, sagt Anton, "wo ich vorher noch nie war".
Mehr Leben in den Bahnhof: Dazu hat es schon mehrere Anläufe gegeben. Schon vor rund zehn Jahren hatte das ehemalige Ratsmitglied Dieter Klaus vor, das Gebäude mit Kultur aufzufrischen. In der Folge kam es immerhin zu vereinzelten, wenn auch erfolgreichen Veranstaltungen, wie der Fritz-von-Wille-Ausstellung, organisiert von Klaus und seinen Mitstreitern aus dem Eifeler Art Collegium (der TV berichtete).
Die jetzigen Initiatoren wollen versuchen, mindestens alle zwei Wochen Programm zu machen. Im Frühling also könnte der Bahnhof richtig Zug bekommen.
Die ersten Termine stehen bereits fest: Hubert vom Venn und Achim Konejung am 13. März, De Famillich am 27. März, Björn Heuser am 29. März, Cat Ballou am 23. April, Jamie Clarke am 24. April und das Trio Köster, Hocker und Krumminga am 15. Mai.Meinung

Langer Schlummer beendet
So kann das gehen: Da liegt das herrliche Jünkerather Bahnhofsgebäude jahrelang im Schlummer, und plötzlich passiert doch noch etwas, womit niemand mehr gerechnet hätte. Einfach, weil ein paar Leute mal machen und ihre Kontakte spielen lassen. Man wünscht den Initiatoren des "Großen Bahnhofs", dass ihr Angebot kräftig von den Eifelern angenommen wird. fp.linden@volksfreund.de