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Kunstauktion für die Ukraine: Wie kommt ein Prümer Bild nach Flensburg?

Ukraine-Hilfe : Von Prüm nach Berlin nach Flensburg … und zurück?

Bei einer Kunstauktion in Flensburg zugunsten der Ukraine-Hilfe kann nächste Woche ein Gemälde von Christopher Lehmpfuhl ersteigert werden. Es zeigt die Fassade der Prümer Basilika. Wie kamen der Berliner Maler nach Prüm und dessen Bild nach Flensburg? Und holt es jetzt vielleicht jemand zurück in die Eifel?

So saftig-ausdrucksstark gemalt hat man die Prümer Basilika noch nicht gesehen: Sechzig mal sechzig Zentimeter kräftig aufgetragener Farbe, da springt die Fassade des abteistädtischen Wahrzeichens regelrecht aus dem Zweidimensionalen heraus.

Das Bild – Titel: „Sonnige Fassade Basilika Prüm“ – stammt von einem bekannten und erfolgreichen Maler: Christopher Lehmpfuhl. Der 50-Jährige lebt in Berlin. Aber vor 18 Jahren war er in Prüm. Und malte dort die Basilika, an Ort und Stelle.

Was hat das jetzt mit Flensburg zu tun? Ganz einfach: Der Kunsthistoriker und Kurator Thomas Gädeke organisiert in Deutschlands nördlichster Stadt (und Heimat des Bundeswirtschaftsministers) eine Benefiz-Auktion. Dazu sprach er zahlreiche Künstler an. Einer von ihnen ist Lehmpfuhl. Und der stiftete dafür das Prümer Bild. Startgebot: 5000 Euro, geschätzt ist es auf 5700 Euro.

Neben Lehmpfuhl sind rund 30 weitere Künstlerinnen und Künstler dabei. Sie alle spendeten eine oder mehrere ihrer Arbeiten, die seit diesem Freitag im Museum Robbe & Berking besichtigt (falls jemand hinfahren will, die Adresse lautet Harniskai 13) und am Sonntag, 10. April, bei der Auktion ersteigert werden können.

Die Idee für die Auktion, sagt Gädeke, „kam von der Flensburger Bildhauerin Tietze Schmuck. Sie hat sich damit an mich gewendet, ich fand das prima.“

Gädeke kontaktierte die Familie Berking, die in der Stadt eine Werft betreibt, in der historische Regatta-Schiffe restauriert werden und eine der drei Hallen auch als Museum und Ausstellungsraum nutzt, das „Yachting Heritage Centre Robbe-Berking“. „Weil ich das kuratiere“, sagt Gädeke, „kenne ich die Berkings sehr gut. Und die waren sofort Feuer und Flamme dafür, dass wir das Forum nutzen für die Auktion.“

Der Erlös der Auktion mit insgesamt mehr als 70 Kunstwerken gehe zu 100 Prozent an die Initiative des Flensburger Oberarztes Hauke Frercks und dessen ukrainischer Kollegin Zariana Kostiuk. Die Ärzte werden damit notfallmedizinische Ausrüstung mit Verbandsmaterial, Infusionsbesteck und Medikamente finanzieren und an die ukrainische Grenze bringen.

Die Schätzpreise für die einzelnen Arbeiten reichen von 90 Euro bis 11.000 Euro. Aufgerufen werden Gemälde, Zeichnungen, signierte Druckgrafik, Skulpturen und Plastiken.

Aber wie kam der Berliner Maler Christopher Lehmkuhl zu seinem Prümer Motiv? „Er ist im Jahr 2004 in Steffeln gewesen“, sagt Gädeke. Dort habe er in der – leider inzwischen nicht mehr betriebenenen – Akademie der Galeristen-Familie Blaeser einen Malkurs gegeben. „An einem freien Tag ist er nach Prüm gefahren und hat da das Bild gemacht. Er malt immer an Ort und Stelle und bei Wind und Wetter. In Georgien bei größter Hitze, in Island oder auf dem Großglockner bei größter Kälte. Er zieht sich Latexhandschuhe an und greift dann direkt in den Farbeimer.“

Lehmpfuhl benutze auch keine Fotos als Vorlagen, denn er wolle immer auf die aktuell herrschenden Wetter- und Lichtverhältnisse reagieren können. Und das, sagt Thomas Gädeke, „macht die Bilder so lebendig“.

Und die Verhältnisse waren an jenem Tag im Jahr 2004 in Prüm besonders gut, wie man dem Bild ansehen kann. Deshalb findet auch Stadtbürgermeister Johannes Reuschen, dass der Lehmpfuhl dorthin gehört, wo er entstand.

Oder nicht? „Doch“, sagt Reuschen, zumal das ja so eine schöne Geschichte sei mit dem Bild und der Auktion. Und dass man sogar in Flensburg von Prüm wisse, das freut ihn ebenfalls. Anders gesagt: Die Prümer machen Punkte in Flensburg. Aber in einem rundherum positiven Zusammenhang.

Also, wie wärs? Das Bild gehört nach Prüm, finden wir. Wer bietet mit?

Termin der Versteigerung: Sonntag, 10. April, 14 Uhr. Verbindliche Vorgebote können auch per E-Mail eingereicht werden. Dazu die Anschrift des Yachting Heritage Centres verwenden: yhc@robbeberking.de

Über diese E-Mail-Adresse können auch telefonische Gebote während der Auktion angemeldet werden (siehe Info).