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Kupferklau in der Eifel - Prozess gegen Bande beginnt

Kupferklau in der Eifel - Prozess gegen Bande beginnt

Mit Kletterausrüstung nachts irgendwo eingestiegen, fette Beute gemacht und einen Millionen-Schaden hinterlassen? Vier Angeklagte müssen sich derzeit am Landgericht Trier wegen des Vorwurfs des Bandendiebstahls verantworten. Sie sollen im großen Stil Kupferleitungen und Metallteile gestohlen haben, etwa aus Windkraftanlagen in der Eifel.

Trier/Bitburg/Zilsdorf. "Schweigen ist Gold" gilt vor Gericht nicht. Die Große Jugendkammer in Trier ist in einen Prozess wegen Bandendiebstahls gestartet, vier Angeklagte sitzen in der Verhandlung, und der Vorsitzende Richter Günther Köhler betont gleich zu Beginn: Zwar habe jeder Einzelne das Recht zu schweigen, und dieser Umstand dürfe auch keine härtere Strafe nach sich ziehen - ein Geständnis oder Teilgeständnis dagegen wirke sich strafmildernd aus. "Und da sprechen wir hier vielleicht von Jahren", sagt Richter Köhler. "Von Jahren." Also wäre Reden wohl Gold - auch wenn die Angeklagten sich mutmaßlich am besten mit Kupfer auskennen: Denn das sollen sie gestohlen haben - im ganz großen Stil.

Die Vorwürfe: Drahtzieher soll ein Paar aus dem Prümer Land gewesen sein. Die 40-jährige Frau und der 36-jährige Mann sollen, wie Staatsanwalt Wolfgang Bohnen in der Anklageschrift verliest, beschlossen haben, ihren Lebensunterhalt durch Diebstähle zu bestreiten. Zwei jüngere Männer, heute 20 und 29 Jahre alt, sollen an einzelnen Taten beteiligt gewesen sein. Staatsanwalt Bohnen wirft der Vierer-Bande vor, zwischen dem 4. Juli und dem 19. Dezember des vergangenen Jahres in mehreren Fällen schweren Bandendiebstahl begangen und dabei auch mehrere Male unerlaubt Waffen bei sich geführt zu haben.
Das Diebesgut: Abgesehen hatten es die vier laut Anklage in erster Linie auf Kupferleitungen. So blieb es in Prüm offenbar nur bei einem Versuch, nachdem sie dort entdeckten, dass es sich lediglich um Aluminiumkabel handelte.
Gestohlen wurden aber, insbesondere von Firmengeländen, auch Baugeräte und Werkzeug, das die Gruppe für die Raubzüge benötigte.
In Bitburg sollen die Angeklagten zudem ein Kennzeichen entwendet haben, um es dann für ihre Diebestouren zu verwenden. Neben kleineren Diebstählen soll die Gruppe dann mehrfach in einen Windpark in der Eifel eingebrochen sein - "unter Einsatz von Kletterausrüstung", sagt Staatsanwalt Bohnen.
Dort sollen sie Kupfer und Metallteile aus Windkraftanlagen gestohlen und so insgesamt eine Beute von mehr als 80 000 Euro gemacht haben. Der Sachschaden, den sie dort hinterließen, betrug mehr als zwei Millionen Euro.

Die Angeklagten: Der Jüngste unter ihnen ist der Angeklagte T. - zum Tatzeitpunkt noch Heranwachsender, weshalb auch die Jugendkammer zuständig ist, Vater einer zwei Jahre alten Tochter, ohne Ausbildung und Job. Er soll, wie auch der 29-jährige Mitangeklagte B., der aus Berlin stammt, nur an einigen Fällen beteiligt gewesen sein.
Die Angeklagte S., die von Schicksalsschlägen, Alkoholsucht und Depressionen berichtet, ist liiert mit dem 35-jährigen Angeklagten M. - alle außer T. befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.
Und alle haben Drogenerfahrung. M. erzählt, er habe insbesondere kurz vor der Verhaftung vermehrt Amphetamine konsumiert: Er habe mehr Leistung bringen wollen. Richter Köhler: "Zu der Zeit haben Sie doch nur halbtags gearbeitet. Oder ging es Ihnen vielleicht darum, nachts nicht einzuschlafen?"
Verteidiger Tobias Bahrmann winkt ab: Über die Sache selbst, so hatte man sich geeinigt, soll erst an den kommenden Terminen gesprochen werden.

Wie es weitergeht: Und so lange noch haben die Angeklagten Zeit zu überlegen: ob sie nun reden - oder nicht. Richter Köhler: "Nur falsche Geständnisse wollen wir hier nicht."
Die nächsten drei Verhandlungstermine: Dienstag, 21. Juni, Mittwoch, 29. Juni, und Mittwoch, 13. Juli. Ein Urteil wird jedoch vor Mitte August nicht erwartet.