Kurstadt sagt Kneipp adé

KYLLBURG. Die Stadt Kyllburg wird künftig kein Kneipp-Kurort mehr sein. Der Stadtrat beschloss, freiwillig auf dieses Prädikat zu verzichten, ehe es von höherer Stelle aberkannt worden wäre.

Mit schönen Namen schmückt sich jede Kommune gern. Bei derKurstadt Kyllburg ist das nicht anders. In Zukunft jedoch musssie auf einen Beinamen verzichten: Kneipp-Kurort. Dieses Prädikatgibt das Städtchen nun nach einem Beschluss des Stadtratesfreiwillig wieder ab. Und nicht wenige nehmen es mit einergewissen Erleichterung zur Kenntnis. Entgeht die Stadt damit dochder Peinlichkeit, dass sich eines Tages tatsächlich jemand in dieWaldeifel verirrt hätte, um zu "kneippen". Denn dieVoraussetzungen dafür hat die Stadt schon seit langem nicht mehr. Dennoch hatte sich die Aufsichts- und Dienstleistungs-Direktion (ADD) in Trier lange Zeit gnädig gezeigt und den kurörtlichen Adelstitel immer wieder verlängert. Nun jedoch mochte die ehemalige Bezirksregierung in Trier kein Auge mehr zudrücken und verlangte eine Entscheidung: Entweder, die Kyllburger verzichten selbst auf den Kneipp-Titel oder er wird den Kurstädtern aberkannt. Da entschied sich auch der Stadtrat lieber für die erste Variante, denn damit wahrt die Stadt das Gesicht. Hätte sich erst ein Fachausschuss mit dem Thema befassen müssen, wäre es peinlicher geworden.

Leicht tat sich der Stadtrat aber nicht mit der Entscheidung. "Es gibt sicher ein Für und Wider für den Kneipp-Kurort", sagte Klaus Metzen von der CDU. Doch Stadtbürgermeister Otto Böckers Antwort auf seine Nachfrage wies den Weg. "Was haben wir denn noch außer dem Tretbecken?", fragte Metzen. Antwort Böcker: "Nichts."

Seitdem in Kyllburg der Eifeler Hof dicht ist, ist es vorbei mit der Kneipp'schen Kurherrlichkeit in Kyllburg. Keine entsprechenden Einrichtungen (die im "Eifeler Hof" untergebracht waren) und der Wegfall einer größeren Anzahl von Betten für Gäste hatten das Kneipp-Finale schon seit längerem eingeläutet.

Den "Ballast" des Prädikats losgeworden, will sich die Stadt nun anderer Stärken besinnen. Luftkurort bleibt Kyllburg zum Beispiel nach wie vor, und auch sonst hat man in der Kyllburger Waldeifel längst andere touristische Wege eingeschlagen.

Für die Kyllburger bringt der Verzicht auf Kneipp aber noch andere Vorteile. So bleibt der chronisch finanzschwachen Stadt künftig mehr Geld in der Kasse. Alle zehn Jahre beispielsweise muss ein Kneipp-Kurort ein Gutachten vorlegen. In Kyllburg hätte das in wenigen Jahren wieder angestanden und die Stadt satte 15 000 Euro gekostet. Zudem zahlt die Stadt jährlich 1800 Euro an verschiedene Verbände wie den Bäderverband.

Auch VG-Bürgermeister Bernd Spindler, glaubt nicht, dass dem Tourismus im Kyllburger Land durch den Verzicht auf den Titel ein Schaden entsteht. "Aus touristischer Sicht bedeutet das keine Verschlechterung", kommentierte er die Entscheidung des Stadtrates.

Einzig Landesmittel gibt es nun weniger, aber rechne man dies mit den Kosten gegeneinander auf, käme das Kneipp-Privileg die Kyllburger ohnehin teurer zu stehen, als Landesmittel fließen.