Kurze Beine, "große" Nase

Kurze Beine, "große" Nase

STADTKYLL. (gel) Ein Reh oder ein Wildschwein wird durch ein Auto angefahren oder während einer Jagd angeschossen und irrt blutend durch den Wald. Um unnötige Schmerzen zu vermeiden, sollen Hunde solche Tiere aufspüren. Eine entsprechende Prüfung haben am Samstag sechs Dackel in Stadtkyll abgelegt.

Im Jägerzimmer vom Gasthaus Doppelfeld in Stadtkyll herrscht am Samstagmorgen eine Stimmung wie vor einer Führerscheinprüfung. Mehrere Männer und Frauen warten ungeduldig und nervös, bis sie mit ihren kleinen Vierbeinern aufgerufen werden. Alles Rauhaardackel, aber nicht irgendwelche: Otto von der Fuchshecke, Cäsar von der grünen Insel, Artus vom Buschbeller Wald, Primos von der Hardthöhe, Bobby vom Lortzengrund und die Kurzhaardame Axenia von der Porta Westfalica, genannt Assi. Rufnamen haben übrigens auch alle anderen Kandidaten. Ein viertel Liter Blut auf 1,2 Kilometer verteilt

Den Anfang macht Primos von der Hardthöhe, genannt Luk, zusammen mit seinem Besitzer Wolfgang Köllen aus Frechen. Er ist seit fünf Jahren Jäger und möchte seinen Hund mit auf die Jagd nehmen. Trainiert haben die beiden seit rund sechs Monaten und fahren nun am Samstagmorgen zu einem nahe gelegenen Wald. Hier hat Prüfungsleiter Heinz Jörg einen Tag vorher eine 1,2 Kilometer lange Strecke eines verletzten Tieres simuliert, die Luk aufspüren soll. Heinz Jörg: "Am Anfang der Strecke, dem so genannten Anschuss, habe ich ein paar Haare des Rehwilds und wenige Milliliter Blut am Waldboden verteilt." Und dieses Blut heißt in der Jägersprache "Schweiß", daher spricht der Fachmann auch von einer Schweißprüfung. "Vom Anschuss an habe ich auf einer Strecke von 1,2 Kilometern mit einer Pipette einen viertel Liter Blut verteilt." Und das nicht etwa auf einer geraden Linie: Insgesamt drei Mal ändert sich der Verlauf der Fährte an so genannten Wundbetten. In der Jägersprache die Stellen, an denen sich das angeschossene Tier zum Ausruhen hingelegt hat. "Am Ende der Strecke liegt das tote Tier. Dabei handelt es sich um ein ausgeweidetes Reh, das bei einem Unfall verendet ist." Nachdem Luk am Anschuss den Geruch des Tieres aufgenommen hat, findet er schnell die Fährte, immer mit der Nase am Boden. Hinter ihm, an einer zehn bis fünfzehn Meter langen Leine, der Besitzer Wolfgang Köllen. Ebenfalls dahinter Prüfungsleiter Heinz Jörg und drei Gebrauchsrichter von verschiedenen Teckelklubs. Heinz Jörg: "Der Hundeführer muss die Körpersprache des Hundes verstehen. Denn wenn der Hund nach rechts will, der Besitzer es aber nicht versteht und nach links geht, ist die Fährte verloren." Luk besteht seine Aufgabe mit Bravour und findet am Ende das tote Reh. "Grundsätzlich kann das jeder Dackel lernen", sagt Jörg. Es gibt aber auch spezielle Züchtungen wie zum Beispiel den Hannoverschen Schweißhund. Aber was macht den Reiz gerade eines Dackels aus? "Er kann im Gegensatz zu anderen Hunderassen, die Sichtkontakt zum Führer brauchen, auch selbstständig arbeiten. Außerdem ist er pfiffig, schlau und eigensinnig. Wie bei einem Kleinkind ist man eher mal nachgiebig", sagt Monika Sondermeier aus Köln, deren Hund ebenso bestanden hat wie alle anderen am Samstag. Die Prüfung wurde vom Deutschen Teckelklub 1888, Gruppe Köln I im DTK, angeboten. Informationen im Internet unter www.dtk-koeln1.de.

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